Rechtstipps

So ein sch... Urlaub!

War die Reise ein Albtraum, laden Kunden ihren Frust oft im Reisebüro ab. Mit guten Tipps können Expis trotzdem punkten. Anwalt Kay P. Rodegra sagt, wie man bei Schadenersatz & Co Kunden helfen kann.

von Kay P. Rodegra, 23.01.2012, 14:25 Uhr
Foto: Creatas

Bei Mängeln auf einer Pauschalreise haben Urlauber nicht nur einen Anspruch auf eine Preisminderung, sondern oft auch unterschiedliche Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter. Letzterer setzt aber immer voraus, dass man dem Veranstalter ein Verschulden vorwerfen kann.

Urlaubsfreude adieu


Das Gesetz sieht in zwei Fällen einen Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit vor: Wenn ein Reisender seinen Urlaub nicht antreten kann oder wenn Mängel dazu führen, dass der Urlaub erheblich beeinträchtigt ist. Entschädigt werden soll also die Enttäuschung eines verärgerten Kunden über einen missglückten Urlaub.
Eine festgelegte Entschädigungshöhe oder auch eine entsprechende Tabelle gibt’s im Reisevertragsrecht jedoch nicht. Es kommt auf die Schwere des Einzelfalls an. Die Gerichte urteilen durchaus unterschiedlich, orientieren sich meist aber am Reisepreis.

Die Regelung gilt nur im Pauschalreiserecht (Paragraf 651 f II BGB). Wer seine Reise also nicht aus einem Katalog oder das Internetangebot eines Reiseveranstalters bucht, sondern individuell und Einzelleistungen, kommt bei Problemen nicht in den Genuss dieses Rechtsanspruches.

Teilt der Veranstalter bereits vor Beginn der Reise mit, dass ein gebuchtes Hotel überbucht ist und bietet trotzdem keine zumutbaren Alternativen an, macht er sich ersatzpflichtig. Der Kunde kann den Reisevertrag in solchen Fällen kündigen. So erging es einem Ehepaar, das in die Türkei reisen wollte und wegen einer Hotelüberbuchung zu Hause bleiben musste. Die enttäuschten Urlauber bekamen den vollen Reisepreis zurück. Das Amtsgericht Bad Homburg sprach ihnen noch einen zusätzlichen Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude in Höhe des Reisepreises zu (Az. 2 C 484/11-12).

Ärger auf der Reise


Treten während der Reise Mängel auf, müssen diese erheblich sein, damit man außer einer Minderung zusätzlichen Schaden­ersatz wegen fehlender Urlaubsfreude begründen kann. Führen die Mängel zu einer Minderung des Reisepreises von mindestens 25 Prozent, kann man von einer erheblichen Beeinträchtigung des Urlaubs ausgehen.
Manche Gerichte sprechen zusätzlichen Schadenersatz erst aus, wenn die Minderungshöhe bei mindestens 50 Prozent liegt. Beispiele: Auf einer Reise kam es zu einer Flugverspätung von 27 Stunden. Vor Gericht erhielt ein Kunde einen Reisetag vollständig ersetzt und diesen Betrag nochmals als zusätzliche Entschädigung (LG Frankfurt/M., Az. 2/24 S 177/08). Eine Urlauberin reiste in die Dominikanische Republik und musste permanenten Baulärm im Hotel aushalten. Versprochener Luxus und Ruhe waren Fehlanzeige. Der Reisepreis wurde zur Hälfte reduziert. Ferner sprach das Landgericht Frankfurt/Main eine Geldentschädigung in Höhe von weiteren 50 Prozent zu (Az. 2/24 S 263/06). Auch Jugendliche und Kinder haben bei Reisemängeln einen Anspruch wegen entgangener Urlaubsfreude.

Kinder, Kinder!


Eine Mutter reiste mit ihrem fünfjährigen Sprössling nach Ägypten und verbrachte die Ferien in einer Anlage, die noch nicht fertiggestellt war. Das und weitere Mängel führten dann dazu, dass auch der Reisepreis für den Sohn in Höhe von 854 Euro um 75 Prozent gemindert werden konnte. Der kleine Urlauber bekam noch einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 640 Euro als Wiedergutmachung (LG Frankfurt/M., Az. 2/24 S 61/10). Anders ist das allerdings bei Kindern unter drei Jahren. Viele Gerichte finden, dass die kleinen Urlauber den Erlebniswert einer Reise in der Regel noch nicht einschätzen können. Daher gibt es für sie dann auch nichts.

Bei Reisemängeln, die zu Sach- oder Personenschäden führen, haben Urlauber – bei Verschulden des Veranstalters – sogar noch weitere Ansprüche. Sachschäden müssen in so einem Fall bezahlt und auch Arztkosten übernommen werden.

Darüber hinaus hat ein Urlauber gegen den Veranstalter auch einen Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn er zum Beispiel an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt, sich an einem defekten Sportgerät im Hotel oder auf der vertraglich vereinbarten Transferfahrt zum Hotel verletzt.

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