Schweizer Großskigebiet

Arosa Lenzerheide noch keine Cash Cow

The Urdenbahn connects two Swiss skiing areas and makes Arosa Lenzerheide into a single region.
Arosa Tourismus
The Urdenbahn connects two Swiss skiing areas and makes Arosa Lenzerheide into a single region.

Wider dem Gästeschwund: Der Trend geht zu immer größeren Skigebieten. Im Interview zieht Philipp Holenstein, Direktor von Arosa Bergbahnen, ein Zwischenfazit über die Allianz der Schweizer Skigebiete Arosa und Lenzerheide.

Viele Skigebiete in den Schweizer Alpen haben ein existenzielles Problem: Seit Jahren sinkt die Zahl der Gäste. 2008/09 waren es schweizweit 29,3 Mio. Ersteintritte, in der Saison 2017/18 nur noch 23,4 Mio. Um im härter werdenden Wettbewerb zu bestehen, fusionieren immer mehr einzelne Schneesportgebiete zu Groß-Skiregionen und locken Gäste mit gigantischen Zahlen – wohlwissend, dass die Größe eines Skigebiets der entscheidende Buchungsgrund ist. Auch Arosa und Lenzerheide haben sich – nach langer Vorlaufzeit – 2014 vereinigt. Zusammen bietet man 225 Pistenkilometer an.

Skigebiete: Arosa Lenzerheide – Tendenz leicht steigend




Herr Holenstein, Klimawandel, veränderte Kundenbedürfnisse und die Konkurrenz aus dem Ausland: Wintersport ist längst kein Selbstläufer mehr. Was waren die Motive für die Fusion der Skigebiete? 
Philipp Holenstein: Die Hauptauswirkung besteht in der Attraktivitätssteigerung des Skigebiets und der Destination. Arosa Lenzerheide ist mit dem Zusammenschluss vor fünf Jahren in eine höhere Liga aufgestiegen. Dank der Skigebietsverbindung wurde das Skigebiet mit 225 Pistenkilometern zur größten zusammenhängenden Skiregion Graubündens und zu einem der Top-Ten-Skigebiete der Schweiz.
Warum ist groß gefragt?
Großskigebiete bedienen alle Ansprüche, da es viele und damit abwechslungreiche Abfahrten für alle Fahrniveaus gibt – das ist vor allem für Gruppen ein wichtiger Vorteil. In der Regel bieten sie auch mehr Möglichkeiten für Tiefschneefahrten und sind für die wachsende Gruppe der Freerider attraktiv.

Wie lautet Ihre Bilanz nach fünf Jahren?

Die Skigebietsverbindung ist noch keine Cash Cow. Die erhoffte direkte Wirkung des Zusammenschlusses – zwischen acht und zehn Prozent mehr Ersteintritte und entsprechende Umsätze – hat sich noch nicht erfüllt. Die Anzahl der Ersteintritte stieg im Eröffnungswinter 2013/14 um 13 Prozent an – auch wegen des Neugierde-Effekts –, flachte in den Jahren nach der Eröffnung aber wieder ab.

Generell ist die Entwicklung der Winter-Ersteintritte in der Schweiz negativ ...
Das Skigebiet Arosa Lenzerheide konnte sich jedoch besser behaupten als der Schweizer Durchschnitt. Gesamtschweizerisch reduzierten sich die Ersteintritte um 13 Prozent, bei uns fiel die Reduktion mit sieben Prozent geringer aus. Die Situation für die beiden Bergbahnen und für die Tourismusregion Arosa Lenzerheide insgesamt wäre ohne die Verbindung noch viel anspruchsvoller.
„Die Entwicklung der Winter-Ersteintritte im internationalen Vergleich ist uneinheitlich. Während Frankreich, Österreich und Italien im langjährigen Mittel eine stabile Entwicklung aufweisen, ist die Entwicklung in der Schweiz negativ.“
Seilbahnen Schweiz (November 2018)

Wie viele Skier Days zählten Sie denn 2018/19?

Im abgelaufenen Winter erzielten wir in Arosa Lenzerheide mit total 1,324 Mio. Ersteintritten das beste Ergebnis seit Eröffnung der Skigebietsverbindung. Tendenz also leicht steigend.

Welche positiven Effekte hat die Verbindung mit sich gebracht?
Das technische Bahnprojekt war der Schlüssel zur Annäherung der beiden Bergbahnen und Skigebiete. Es hat eine Aufbruchsstimmung ausgelöst und die Denkhaltung verändert – über die eigene Gemeinde hinaus, regional und für die Gesamtdestination. Die positiven Wirkungen sind sehr vielfältig. So konnte die gemeinsame Angebotspalette erweitert werden: Arosa als bevorzugtes Wandergebiet, Lenzerheide als starke Bike-Destination ergänzen sich in vielerlei Hinsicht schon gut. Auch im Betrieb können wir Synergien nutzen, etwa bei der Vereinheitlichung der Betriebskleidung, beim Einkauf, bei Versicherungspolicen oder beim Verkauf der Schneesporttage.
Ist Größe stets ausschlaggebend?
In die Buchungsentscheidung fließen neben dem individuellen Budget auch Auswahlkriterien ein wie Schneequalität und -sicherheit, Hotelangebot, Qualität der Liftanlagen, Servicequalität, Komfort und Bequemlichkeit und das Angebot an Après-Ski.

Arosa ist als Familienziel bekannt –  mit hoher Bettenkapazität, aber relativ wenig Pistenlänge. Beim kleinen Lenzerheide ist es genau andersrum. Wie tritt die Doppeldestination im Markt auf?
Arosa Lenzerheide ist eine gemeinsame, starke Produktmarke, ohne dass die beiden existierenden starken Marken mit den Eigenheiten jeder Destination verschwinden.

Wie wirkt sich die Fusion auf die Gästeströme in Arosa und Lenzerheide aus?
Durch die bessere Erreichbarkeit des Gebiets Lenzerheide ist die Zahl der Tagesgäste in Arosa deutlich zurückgegangen. Auch in Bezug auf die Logiernachtentwicklung stagniert Arosa, auch weil einige neue Hotelprojekte noch auf die Realisierung warten. Die Lenzerheide ist diesbezüglich besser unterwegs.
Pistenkilometer sind Trumpf

Die sieben größten Skigebiete in Europa sind:

  1. Les 3 Vallées (Frankreich): 600 km
  2. Les Portes du Soleil (Frankreich/Schweiz): 580 km
  3. 4 Vallées (Schweiz): 412 km
  4. Via Lattea (Italien/Frankreich): 400 km
  5. Matterhorn (Italien/Schweiz): 322 km
  6. Les Sybelles (Frankreich): 310 km
  7. Ski Arlberg (Österreich): 303 km

Arosa Lenzerheide liegt mit 225 Pistenkilometern auf Rang 16. (Quelle: Skiresort.de)

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1.
Bruno Peters
Erstellt 6. Januar 2020 14:02 | Permanent-Link

Der Rückgang der Gästezahlen in den meisten schweizer Destinationen ist hausgemacht. Kaum Innovationen, aber Preise Jahr für Jahr munter hochsetzen. Da hilft auch ein Leuchtturm Projekt (Verbindungsseilbahn) nur wenig.

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