Reggae-Insel

Sieben Ausflugstipps für Jamaika

Einmalig in der Karibik – und sehr interessant: die Rastafari-Kultur auf Jamaika.
Jan-Timo Schaube
Einmalig in der Karibik – und sehr interessant: die Rastafari-Kultur auf Jamaika.

Begegnungen mit Rastafari und Krokodilen, eine Nacht im Club und andere Abenteuer: Wer nur im Strandresort hockt, verpasst das komplette Jamaika-Erlebnis. Hier sind sieben Ausflugstipps.

1) Rafting à la Jamaika

Früh morgens bei Falmouth, einer kleinen Stadt zwischen Montego Bay und Ocho Rios: Leise und gemächlich gleitet ein Bambusfloß durch die tropische Wildnis des Martha Brae River. Nur Vogelgezwitscher und das Pfeifen des Steuermanns – seine Lieblingsmelodie stammt von den Backstreet Boys – sind zu hören. Ab und zu stößt der Guide mit seiner langen Bambusstange auf den Grund des Flusses, um die Richtung zu wechseln. Während der Fahrt berichtet er über King-Kong-große Termitenhügel am Ufer, gibt Lebensweisheiten preis oder scherzt mit den maximal zwei Passagieren. Wer mag und gut die Balance halten kann, darf ihn auch ablösen und erhält eine kurze Fahrstunde. Super entschleunigend!

Raus aus dem Resort: Jamaika bietet Erlebnisse abseits von Beach Life und All Inclusive


2)
Action mit Kolonialflair

Abenteuer? Kein Problem beim Ziplining, River Tubing, Quadbiking oder Kajakfahren! Abkühlung? Dafür sorgt ein kleiner Aqua-Park mit Lagunenpool, Rutsche und Wasserfall. Was den Chukka-Abenteuerpark in Falmouth aber so besonders macht, ist, dass er auf einer früheren Zuckerrohrplantage, dem Good Hope Estate, liegt. Vor rund 250 Jahren gehörte sie dem Briten John Tharpe, damals der größte Land- und Sklavenbesitzer Jamaikas. Durch sein Herrenhaus im georgianischen Stil weht stets eine leichte Brise, die Einrichtung zeugt von Stil und Reichtum, und wer vom Hügel hinab aufs Grün und den Park blickt, kann sich kaum vorstellen, dass hier einst über 3000 Sklaven schuften mussten.

Kleine Insel, kurze Wege
Die Insel ist nur etwa halb so groß wie Hessen. Man kann also auf geführten Tagesausflügen viel vom Land entdecken ohne weite Strecken zu fahren. Von Negril im Westen bis nach Port Antonio im Osten etwa sind es nur rund fünf Stunden, die Hauptlandstraße ist in sehr gutem Zustand.
3) Dreadlocks zum Anfassen

Über die Rastafaris gibt es so einige Klischees. Eines ist, dass sie immer nur am Kiffen sind. In der Tat glauben die Dreadlock-Träger, dass das Rauchen von Marihuana den Geist reinigt. Doch wer sie allein darauf reduziert, liegt falsch. Rastafari, dessen bekanntester Vertreter Bob Marley war, ist ein Erbe der Sklaverei, eine spirituelle Bewegung. Im Rastafari Indigenous Village bei Montego Bay erfährt man aus erster Hand mehr über die Entstehungsgeschichte der Religion und die Lebensweise und Naturverbundenheit dieser Menschen. Es wird gemeinsam getrommelt, gebastelt, gekocht und – vor allem – geredet. Sehr sympathisch und erhellend!

„Die Vielfalt Jamaikas als Reiseziel wird oftmals noch unterschätzt. Jamaika differenziert sich von den spanischsprachigen karibischen Inseln vor allem durch den Bevölkerungsmix und die Rastafari-Kultur, aber auch kulinarisch und musikalisch. “
Katharina Schirmbeck, Leiterin TUI Fernreisen Sun and Beach
4) Feiern wie die Locals

Reggae ist auf Jamaika allgegenwärtig. Das ist auch gut so, denn der relaxte Sound und die süßen Melodien versetzen einen sofort in Urlaubsstimmung. Dazu singen die Einheimischen unglaublich gern, sei es der Kellner, Busfahrer oder Verkäufer. Für Liebhaber von Live-Musik ist die Ausgehmeile Hip Strip in Montego Bay eine gute Adresse, zum Beispiel das Corall Cliff. Wer gern tanzt und erleben möchte, wie die Einheimischen feiern – zügellose Paartänze inklusive –, ist im Pier 1 richtig. Im Open-Air-Club direkt am Wasser legen DJs Dancehall – die etwas härtere Spielart des Reggaes – auf.

Sicherheit
Laut Tourismusministerium sind die verstärkten Sicherheitskontrollen im Bezirk St. James, zu dem auch die Touristenhochburg Montego Bay gehört, eine präventive und proaktive Maßnahme, um die Kriminalität unter den rivalisierenden Gangs einzudämmen. Eine Gefahr für Urlauber bestehe nicht. Allgemein gilt: Touristen können sich sicher fühlen, aber sollten die weltweit üblichen Vorsichtsmaßnahmen treffen, außerhalb der Resorts nicht mit Wertsachen prahlen oder in Slum-Gegenden unterwegs sein. Hier sind die Hinweise vom Auswärtigen Amt.
5) Barbecue als Nationalheiligtum

Richtig vielseitig oder leicht ist Jamaikas Küche nicht. Doch das macht nichts, denn es gibt ja Jerk. Das marinierte und dann stundelang auf Pimentholzscheiten gegrillte Schweine- oder Hähnchenfleisch, manchmal auch Fisch, ist so etwas wie ein omnipräsentes Nationalheiligtum. Zurecht: Jerk macht süchtig, schmeckt knusprig und saftig, angenehm scharf, aber auch süßlich. Beliebte Beilagen sind Reis mit Bohnen, frittiertes Maisbrot, gekochte Süßkartoffeln, Callaloo-Eintopf, Kochbananen-Chips und feurige Saucen. Eine inselweite Institution ist das Scotchies in Ochio Rios – das Jerk-Lokal war sogar schon mal Drehort für die TV-Show „Kitchen Impossible“ mit Tim Mälzer.

Immer beliebter bei den Deutschen
Rund 75 Prozent Besucherplus aus Deutschland erzielte Jamaika zwischen 2013 und 2018. Im letzten Jahr reisten 34.255 deutsche Urlauber auf die Reggae-Insel – ein Zuwachs von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
6) Natur im Süden erleben

Entlang der Südküste steckt der Tourismus noch in den Kinderschuhen – das macht die üppig grüne Gegend auch so spannend und authentisch. Bei der Black River Safari zum Beispiel entdeckt man in der Sumpf- und Mangrovenlandschaft Silberreiher und sogar Krokodile. Die bis zu sechs Meter großen Panzerechsen kommen dem Boot so nahe, dass der Kapitän darauf hinweist, die Hände bitte nicht über die Reling zu halten – Krokodile können springen! Mitten im Regenwald findet sich auch eine schöne Alternative zu den berühmten, aber oft überlaufenen Dunn’s River Falls im Norden: die YS-Wasserfälle, die in mehreren Kaskaden den Berg hinabstürzen. In manchen der Naturpools ist da Baden erlaubt.

„Der Süden ist ländlich geprägt und für Individualurlauber geeignet, die in Ruhe etwa in einem Ferienhaus die ursprüngliche Seite des Landes erleben wollen. “
Matthias Bopp, Jamaikatours

Mietwagentouren
Wer lieber individuell unterwegs sein möchte, sollte wissen: Im Hinterland, an der Südküste und in den Blue Mountains, also abseits der großen Touristenzentren, verschlechtern sich die Straßenbedingungen, und Schlaglöcher sind keine Seltenheit. Fahrten im Dunkeln sollten vermieden wegen der oftmals mangelnden Straßenbeleuchtung und weil viele Jamaikaner ohne Licht fahren werden.
7) Master Blender in Sachen Rum

Wie bei Jerk führt auf Jamaika auch am Rum-Punsch kein Weg vorbei. Im Appleton Estate im südlichen Nassau Valley wird seit 270 Jahren Rum erzeugt und in die ganze Welt exportiert. Besucher dürfen – wie einst die Sklaven, deren bitteres Schicksal so gut wie ausgeblendet wird – die Zuckerrohrpresse bedienen, den frischgepressten Saft und die Melasse kosten und lernen den gesamten, heute weitgehend maschinellen Produktionsprozess über die Fermentierung und Destillierung bis zur Lagerung in Eichenfässern kennen. Am Ende der Tour steht ein Tasting. Wer einen Hauch von Schokolade, Kaffee und Vanille in den verschiedenen Varianten entdeckt, hat vielleicht das Zeug zum „Master Blender“.

TravelTalk-Aktion
Zwölf Expedienten besuchten im Juni 2019 mit TravelTalk und dem Jamaica Tourist Board für eine Woche die Reggae-Insel. Alle Berichte zum Fam Trip gibt es hier.

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