Urlauberströme

Bremsen Terroranschläge den Städtetourismus?

Paris, Brüssel, Istanbul, Berlin – Europas Metropolen werden von Terroranschlägen erschüttert. Wie hat sich das auf den Tourismus ausgewirkt?

Mancher Reiseführer bleibt derzeit in den Regalen liegen: Beim Verkauf seiner Istanbul-Ausgabe musste der Verlag Michael Müller im vergangenen Jahr ein Minus von 80 Prozent hinnehmen, beim Brüssel-Titel waren es 70 Prozent, bei Paris 50 Prozent. Konkurrent Mair Dumont ging es nicht besser. Die Verkaufszahlen der Istanbul-Reiseführer seien „unter die Wahrnehmungsschwelle“ gefallen, sagt eine Verlagssprecherin.

Als Grund nennen die Verlage und viele in der Branche Terroranschläge in diesen Städten – aus Angst vor weiterer Gewalt sank das Interesse deutscher Urlauber. Auch Städtereisen-Anbieter bekamen das zu spüren: Dertour spricht von „Zurückhaltung“ bei Buchungen von Touren in die Metropolen, und der auf Bahnreisen spezialisierte Wettbewerber Ameropa teilt mit: „Für Paris und Brüssel ist die Nachfrage weiterhin eher verhalten.“

Terrorismus zeigt Wirkung auf die Urlauberströme, zumindest kurzfristig. Die Gästezahlen sind im Minus. In Istanbul sank der Wert im Juli 2016 verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresmonat um ein Drittel, auch andere Monate waren rückläufig.

In Paris wurden sechs Prozent weniger Hotelgäste gezählt als 2015, in Brüssel ging die durchschnittliche Hotel-Belegung laut Brussels Hotels Association um elf Prozentpunkte auf knapp 62 Prozent zurück. Und bei der Buchungsplattform Opodo war Istanbul 2015 noch das viert beliebteste Reiseziel, inzwischen liegt die Stadt in der Statistik auf dem 22. Platz.

Und was sollten Städte und deren Tourismus-Manager tun, um sinkende Buchungszahlen als Terrorfolge zu vermeiden? Nicht drüber sprechen, meint Psychologie-Professor Alfred Gebert. „Sie sollten mit schönen Argumenten für die Reiseentscheidung locken: Sonne, Gastfreundschaft, Erholung, Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten.“ Da die Medien schon genug über Terror berichteten, sollten sich die Anbieter nicht auch noch zum Thema Angst oder Terror äußern. (dpa)

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