Terror in Nizza

Drei Deutsche unter den Opfern

Frankreich steht erneut unter Schock: Ein Lastwagen rast am Nationalfeiertag an der Côte d’Azur in eine Menschenmenge. Präsident Hollande spricht von einem „terroristischen Charakter“ der Tat.

Bei einem Anschlag in der Hafenstadt Nizza sind am französischen Nationalfeiertag mindestens 84 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve verletzt, als ein Lastwagen am späten Donnerstagabend auf einer Strecke von zwei Kilometern in eine feiernde Menschenmenge auf der berühmten Uferstraße Promenade des Anglais raste.

Der Fahrer des Lkw wurde erschossen. Cazeneuve sagte, die Polizei habe „einen Terroristen ausschalten können“. Präsident François Hollande sprach von einem terroristischen Charakter der Tat. Der genaue Hintergrund des Angriffs war nicht bekannt. Unter den Todesopfern sollen auch mindestens drei Deutsche aus Berlin sein berichtet aktuell die Tagesschau.

Hollande zufolge gab es bisher keine Hinweise auf Komplizen des Täters. Unter den Toten seien auch Kinder. „Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen“, sagte der Staatschef in Paris. Der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnahmezustand, der am 26. Juli beendet werden sollte, solle um drei weitere Monate verlängert werden. Das Parlament werde darüber in der kommenden Woche entscheiden.

Am Morgen trat das für Sicherheit und Verteidigung zuständige Kabinett Frankreichs zusammen. Anschließend wollte Hollande mit Ministerpräsident Manuel Valls nach Nizza reisen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelte.

Attentäter identifiziert

Die Promenade des Anglais ist eine der bekanntesten Flaniermeilen Europas. Der Zeitung „Nice Matin“ und dem Regionalpolitiker Christian Estrosi zufolge sollen die Passanten nicht nur umgefahren, sondern auch beschossen worden sein. In Medienberichten hieß es, im Lastwagen seien die Ausweispapiere eines 31-jährigen, franko-tunesischen Einwohners von Nizza und Attrappen von Feuerwaffen gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war der Fahrer nicht als politisch radikalisiert bekannt.

„Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht“, sagte Präsident Hollande. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden. Hollande kündigte eine Verstärkung der französischen Aktivitäten im Irak und in Syrien an. Dort beschießen französische Flugzeuge als Teil der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Das Auswärtige Amt in Berlin riet den Menschen in Nizza dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien zu informieren.

Frankreich war zuletzt wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft hatte ein Mann, der sich zum IS bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht. (dpa)

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