Strenger als Deutschland

Schweiz setzt halb Europa auf die Risikoliste

Die Schweiz hat bereits ganz Portugal auf ihre Risikoliste genommen. Deutschland warnt bisher nur vor Lissabon.
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Die Schweiz hat bereits ganz Portugal auf ihre Risikoliste genommen. Deutschland warnt bisher nur vor Lissabon.

Reiseverbände beklagen sich oft über die angeblich restriktiven deutschen Corona-Reiseregeln. Im Vergleich zu anderen Ländern sind sie aber geradezu lax – das zeigt die neue Risikogebietsliste der Schweiz.

Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine Reihe weiterer europäischer Staaten auf seine Risikoliste gesetzt – wegen der massiv um sich greifenden Corona-Neuinfektionen. Anders als Deutschland differenzieren die Schweizer auch nicht nach Regionen, sondern erklären grundsätzlich pauschal ganze Länder zu Risikogebieten.

Einzige Ausnahmen sind Frankreich, Italien und Österreich. So warnt das BAG in Frankreich vor 18 Departements und Überseegebieten. Sie decken sich weitgehend mit den Gebieten, die auch das deutsche Robert-Koch-Institut als Risikogebiete einstuft. Österreich-Urlauber sollten Reisen nach Wien sowie in die Bundesländer Oberösterreich und Niederösterreich vermeiden. Deutschland hingegen warnt vor Tirol, Wien und Vorarlberg. Tatsache ist, dass Österreich insgesamt ein wachsendes Corona-Problem hat.

Auch eine italienische Region steht erneut auf der Risikoliste der Schweizer. Es handelt sich dabei um die Mittelmeer-Region Ligurien rund um Genua.

Bei den europäischen Staaten, welche die Schweiz jeweils komplett neu in ihre Risikoliste aufgenommen hat, handelt es sich im Einzelnen um:

- Belgien (Deutschland warnt lediglich vor Brüssel)
- Dänemark (Deutschland warnt nur vor dem Großraum Kopenhagen)
- Großbritannien (derzeit keine deutsche Reisewarnung)
- Irland (Deutschland warnt nur vor Dublin)
- Island (derzeit keine deutsche Reisewarnung)
- Luxemburg (Deutschland warnt ebenfalls)
- Niederlande (Deutschland warnt nur vor Nord- und Südholland sowie vor Utrecht)
- Portugal (Deutschland warnt nur vor Lissabon)
- Slowenien (Deutschland warnt nur vor der Region Küstenland-Innerkrain)

Schon bislang stehen diese europäischen Länder auf der eidgenössischen Risikoliste:

- Albanien
- Bosnien-Herzegowina
- Malta
- Moldau
- Monaco
- Montenegro
- Nordmazedonien
- Rumänien
- Spanien
- Tschechien
- Ukraine

Aus der Liste entfernt wurden lediglich San Marino und Kosovo, wo die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen gesunken ist.

Sollte die Schweiz ihren strengen Kurs fortsetzen, dürften demnächst weitere Länder wie Polen und die Slowakei auf der Liste stehen. In beiden Staaten wächst die Zahl der Corona-Fälle derzeit rasant an.

Zu den Problemgebieten gehört übrigens auch die Schweiz selbst. Mit ihrem derzeitigen Wert von 69 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner überschreitet sie sowohl den eigenen als auch den deutschen zulässigen Grenzwert. Tatsächlich warnt Deutschland derzeit vor den besonders betroffenen Kantonen Fribourg (Freiburg), Genf und Waadt im französischsprachigen Teil der Schweiz.

In der Schweiz gilt bereits jetzt eine Quarantäne-Pflicht bei Wiedereinreise aus einem Risikoland. In Deutschland wird diese Maßnahme wie berichtet am 15. Oktober 2020 eingeführt.

Bislang hatte Deutschland lediglich einen Corona-Test bei Wiedereinreise vorgeschrieben. Diese Methode ist aber wissenschaftlich nicht haltbar, da ein solcher Test nur eine Momentaufnahme darstellt, die eigentlich nach fünf Tagen Quarantäne wiederholt werden müsste.

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