Sars-CoV-2

Bundesregierung prüft, ob sich Virus eindämmen lässt

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Mit drei neuen Fällen in Deutschland steigt die Gefahr, dass sich das Virus kaum noch eindämmen lässt.

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus in Europa und Deutschland spricht die Bundesregierung von einer "neuen Situation". Das Virus sei deutlich nähergerückt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nun in Berlin. In Deutschland waren am Dienstagabend zwei neue Fälle und am Mittwoch ein Fall bekanntgeworden. Ein Patient in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht in kritischem Zustand auf die Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf gebracht und isoliert. Auch bei einem Mann aus Baden-Württemberg wurde der Erreger Sars-CoV-2 bestätigt. Zudem wurden weitere Fälle in Asien, Afrika, Südamerika und weiteren europäischen Ländern bekannt.

Der Zustand des Coronavirus-Patienten in NRW ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums kritisch. Die Uniklinik Düsseldorf behandelt nach eigenen Angaben einen zweiten positiv-getesteten Patienten. Ob es sich dabei um die Ehefrau des ersten Patienten aus dem Kreis Heinsberg handele, wollte ein Sprecher auf Anfrage nicht kommentieren.

Der Mann war am Montag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz im Kreis Heinsberg bei Aachen auf der Intensivstation isoliert worden. Nach dpa-Informationen ist er Mitte 40 und leidet an einer Vorerkrankung. Er hatte nach Angaben des Heinsberger Landrats Stephan Pusch Kontakt mit einem Bekannten, der sich geschäftlich in letzter Zeit in China aufgehalten habe.

Bei dem Patienten aus Baden-Württemberg handelt es sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums um einen 25-Jährigen aus dem Landkreis Göppingen. Er habe sich vermutlich in Mailand mit Sars-CoV-2 angesteckt, sei nach seiner Rückkehr mit grippeähnlichen Symptomen erkrankt und habe Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt aufgenommen. In Deutschland waren schon früher Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden. Diese Fälle führten aber in den vergangenen zwei Wochen nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen.

Deutsche Gesundheitsbehörden haben mit hohen Zugriffszahlen bei ihren Internet-Angeboten zu kämpfen. Vor dem Hintergrund des neuartigen Coronavirus seien die Server überlastet, hieß es am Mittwoch auf Anfrage bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin twitterte: "Der Zugriff auf die RKI-Internetseite ist derzeit eingeschränkt, wegen stark erhöhter Zugriffszahlen." Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Dienstag auf Twitter von der eingeschränkten Verfügbarkeit der Startseite der eigenen Website berichtet.

Auch in anderen europäischen Ländern wurden Fälle bekannt. Kroatien, Österreich und die Schweiz berichteten am Dienstag von Sars-CoV-2-Fällen. In Italien seien mittlerweile 374 Menschen infiziert, davon seien 12 gestorben, gab der Zivilschutz in Rom bekannt. In Frankreich starb ein zweiter Mensch an Covid-19.

In Spanien, wo es bereits Fälle auf Inseln gegeben hatte, erreichte das Virus das Festland. Am Mittwoch gab es zwei Fälle in Madrid, einen in Barcelona, einen im ostspanischen Castellón und vier auf Teneriffa. Dort wurde ein großes Hotel mit rund 1000 Touristen – darunter auch Deutsche – praktisch unter Quarantäne gestellt.

In Griechenland wurde die erste Infektion bei einer 38-jährigen Frau bestätigt. Sie hatte Norditalien besucht und werde in einer Klinik in Thessaloniki isoliert, teilte das Gesundheitsministerium mit.

In Brasilien wurde am Dienstag in São Paulo der erste Fall in Südamerika registriert, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das Portal G1 berichtete, der 61-Jährige sei zuvor nach Norditalien gereist. Nach Ägypten meldete mit Algerien das zweite afrikanische Land einen Coronavirus-Fall. Der italienische Patient sei Anfang voriger Woche eingereist, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mit. Zuvor hatte Ägypten als erstes Land in Afrika eine Infektion mit Sars-CoV-2 gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Dienstagabend, das Fenster, das Afrika zur Vorbereitung auf Erkrankungen habe, schließe sich. "Alle Länder müssen ihre Vorbereitungsmaßnahmen beschleunigen", sagte der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Matshidiso Moeti.

Im Iran stieg die Zahl der Covid-19-Toten von 15 auf 19, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums bekanntgab. Demnach wurde das Virus inzwischen bei insgesamt 135 Menschen aus verschiedenen Teilen des Landes bestätigt. In Südkorea kletterte die Zahl der Infektionen um 284 auf rund 1260 Fälle – darunter ein Soldat der US-Streikräfte. Bisher brachten die Behörden zwölf Todesfälle mit dem Virus in Verbindung.

Außerhalb von Festlandchina wurden bislang aus rund 40 Ländern und Regionen rund 3000 Infektionen und rund 50 Todesfälle berichtet, so das chinesische Internetunternehmen Tencent.

Angesichts der Entwicklung sagte Regierungssprecher Seibert, bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Eine Expertengruppe mehrerer Bundesministerien soll demnach am heutigen Mittwoch erneut im Kanzleramt zusammenkommen. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort werde geprüft, welche Maßnahmen nötig seien, um das Virus einzudämmen.

So würden etwa Risikogruppen identifiziert, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Das Robert-Koch-Institut (RKI) werde alle zwei Tage die Öffentlichkeit per Pressebriefing unterrichten. Auf die Frage, ob die Gesundheitsämter personell besser ausgestattet werden sollten, sagte die Sprecherin, deren Ausstattung sei Sache der Länder und Kommunen. Mit den Ländern stehen man aber in Kontakt.

Vom Robert Koch-Institut (RKI) hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen.
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