Länderübersicht (Update)

So entwickelt sich die Corona-Pandemie

Nach dem Ausbruch einer Coronavirus-Epidemie in Italien melden immer mehr europäische Staaten Nachweise des Erregers. Österreich, Kroatien, das spanische Festland und die Schweiz berichten von Covid-19-Fällen.

Auf der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa wurde nach einer bestätigten Erkrankung ein großes Hotel mit rund 1000 Touristen – darunter auch Deutsche – praktisch unter Quarantäne gestellt. In der Golf-Region droht sich das Virus ebenfalls auszubreiten.
A3M-Ticker zum Coronavirs

Grenzüberschreitende Reisesperren sind nach Ansicht mehrerer europäischer Staaten auch angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in Italien keine angemessene Antwort. Das sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn in Rom nach einem Krisentreffen. "Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt, jetzt, Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre", erläuterte der CDU-Politiker. Die Gesundheitsminister aus Italien, Deutschland, Österreich, Slowenien, Frankreich, Kroatien und der Schweiz hatten gemeinsam in Rom über die Lage beraten.

Viele der neuen Nachweise in europäischen Ländern stehen im Zusammenhang mit dem zuletzt besonders stark betroffenen Italien. So wurde auf Teneriffa ein Besucher aus der Lombardei positiv auf das Virus getestet, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Region ist das im Moment am stärksten von dem Virus betroffene Gebiet in Norditalien.

Außerdem wurde bekannt, dass auch die Ehefrau des Touristen positiv getestet wurde. Beide Patienten liegen isoliert in einem Krankenhaus auf der Kanaren-Insel. Das Hotel, in dem das Ehepaar fast eine Woche lang Urlaub gemacht hatte, steht seit Dienstagmorgen unter Quarantäne. Nach einem Bericht des Fernsehsenders Antena 3 wurden die Gäste aufgefordert, bis auf Weiteres in ihren Zimmern zu bleiben. Ärzte sollen die Menschen untersuchen.

Auch auf dem spanischen Festland ist der Erreger nun nachweislich angekommen. In Barcelona wurde eine Frau nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums positiv getestet. Sie soll kürzlich von einer Reise nach Norditalien zurückgekehrt sein, berichtete die Zeitung "La Vanguardia".

In Österreich wurde eine 24-jährige Frau und ihr gleichaltriger Freund positiv auf das Virus getestet. Beide stammten aus dem Raum Bergamo in Italien. Inzwischen seien beide in einem guten Zustand und schon wieder fieberfrei, so der Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin, Günter Weiss. Die Suche nach möglichen Kontaktpersonen sei im Gange. Im Zuge dessen wurde auch ein Hotel in Innsbruck gesperrt, in dem die erkrankte Frau arbeitete. Inwieweit Gäste davon betroffen waren, war zunächst unklar.

In Kroatien wurde die erste Ansteckung bei einem Mann nachgewiesen, der zuvor einige Tage in Italien gewesen war. Der erste Nachweis in der Schweiz ereignete sich laut Bundesamt für Gesundheit im Kanton Tessin.

In Italien ist die Ausbreitung des Erregers in immer mehr Regionen nachgewiesen. Mittlerweile seien 322 Menschen angesteckt, davon seien elf gestorben, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli. Wie es zu so einem rasanten Ausbruch kommen konnte, ist noch nicht bekannt. In der Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer hinein und hinaus darf. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus ist nach einer neuen ECDC-Einschätzung für Europäer derzeit "niedrig bis moderat".

Auch, wenn es in Deutschland selbst keine neuen Fälle gibt, trifft die Ausbreitung des Virus die deutsche Konjunktur mitten in der Flaute. Weil das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorquartal stagnierte, geht Europas größte Volkswirtschaft ohne nennenswerten Rückenwind ins laufende Jahr. Die deutsche Wirtschaft sieht die Entwicklung in Italien – der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft – mit Sorge. "Deutschlands stärkste Trumpfkarte hat sich zum Schwachpunkt entwickelt: Die Offenheit und Abhängigkeit von Exporten und dem globalen Handel", erläuterte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland.

Den vier mit dem Coronavirus infizierten Patienten in Baden-Württemberg geht es nach Angaben des Landessozialministeriums weiter vergleichsweise gut. "Der Gesundheitszustand ist unverändert gut und stabil", sagte ein Sprecher am Donnerstagmorgen. 
Die Patienten in Göppingen, Tübingen und Rottweil blieben weiter isoliert und würden beobachtet. "Im Gegensatz zum Beispiel zu den Fällen in Nordrhein-Westfalen haben wir das Glück, die Kontakte der Erkrankten zu kennen und die Infektionsketten genau nachvollziehen zu können", sagte der Ministeriumssprecher.

Folgen hat die Sorge vor der Lungenkrankheit auch für den Sport: So wird etwa das Europa-League-Spiel von Inter Mailand gegen Ludogorets Rasgrad vor leeren Rängen stattfinden. Der Tischtennis-Weltverband wird zudem die Ende März geplante Mannschafts-WM im südkoreanischen Busan um mindestens drei Monate verschieben.

In Südkorea stieg die Zahl der neuen Nachweise zuletzt weiter an: innerhalb von 24 Stunden um 144 auf nun 977 Fälle. Die Zahl der Todesfälle stieg auf zehn.

Die US-Regierung will für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus 2,5 Mrd. US-Dollar bereitstellen. Das Virus sei in den USA "sehr unter Kontrolle", aber die Regierung wolle vorsorglich handeln, sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Neu Delhi vor Journalisten. US-Medienberichten zufolge sollen rund eine Milliarde Dollar der Mittel in die Entwicklung eines Impfstoffs gesteckt werden. Der Kongress muss die Mittel aber erst noch bewilligen.

Im Iran stieg die Zahl der gemeldeten Todesopfer von 12 auf 15, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums im Staatsfernsehen erklärte. Ihm zufolge wurden landesweit inzwischen 95 Menschen – 34 mehr als am Vortag – aus verschiedenen Landesteilen positiv auf das Virus getestet. Irans regionale Nachbarländer Irak, Kuwait, Bahrain und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) meldeten mehrere neue Fälle von Patienten, die zuvor in den Iran gereist waren. Einige Länder im arabischen Raum versuchten, eine Ausbreitung durch verringerte Reiseverbindungen mit dem Iran zu verhindern.

Auch in China bleibt die Lage angespannt. Wie die Pekinger Gesundheitskommission mitteilte, kamen weitere 71 Menschen ums Leben. Die Gesamtzahl der Todesopfer in China stieg damit auf 2663, die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 508 auf 77.658 Fälle. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vor knapp einer Woche hat sich der tägliche Anstieg der neuen Infektionen in China reduziert. Experten gehen allerdings weiter von einer hohen Dunkelziffer aus.

Auch in Dänemark ist ein erster Fall bestätigt worden. Das gaben die dänische Gesundheitsbehörde und der Fernsehsender TV2 bekannt. Demnach handelt es sich um einen Mitarbeiter des Senders, der am Montag aus dem Skiurlaub in Norditalien zurückgekehrt ist. 

Dort war die Zahl erfasster Sars-CoV-2-Infektionen am vergangenen Wochenende rapide angestiegen. Es sei nur eine Frage der Zeit bis zum ersten dänischen Fall gewesen, sagte Behördenleiter Søren Brostrøm am Morgen bei einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium in Kopenhagen. Am Mittwochabend war Sars-CoV-2 erstmals bei einer Person in Norwegen nachgewiesen worden. Bei den skandinavischen Nachbarn Schweden und Finnland gibt es bislang jeweils zwei bestätigte Fälle.

stats