ÖPNV

Deutsche nutzen öffentlichen Nahverkehr stärker

In Berlin – hier die S-Bahnstation Alexanderplatz – können sich die ÖPNV-Nutzer über eine weitere „Nullrunde“ bei den Fahrpreisen freuen.
imago/Bernd Friedel
In Berlin – hier die S-Bahnstation Alexanderplatz – können sich die ÖPNV-Nutzer über eine weitere „Nullrunde“ bei den Fahrpreisen freuen.

U-Bahn, Straßenbahn, Bus – in der Stadt geht es damit oft schneller als mit dem Auto. Die Fahrgastzahlen steigen aber nicht mehr so stark wie in Vorjahren. Das gilt auch für die Fahrpreise.

Wachsende Einwohnerzahlen in den Städten lassen die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen weiter steigen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnet mit knapp 10,4 Mrd. Kundenfahrten in diesem Jahr. Das wäre ein weiterer Rekord, aber nur 0,6 Prozent mehr als 2017, wie der Verband dpa mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte der Zuwachs bei 1,5 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor bei 1,7 Prozent.

„Ein Kundenzuwachs ist immer ein gutes Ergebnis. Vor allem, wenn es auf diesem hohen Niveau stattfindet“, sagte Verbandspräsident Ingo Wortmann. „Trotzdem zeigt die aktuelle Entwicklung, dass wir aufgrund von Kapazitätsengpässen und umfangreichen Baumaßnahmen an Grenzen stoßen.“

Auch die Fahrkarten-Preise steigen langsamer: Nach einem Plus von 1,8 Prozent im Vorjahr müssen Kunden nun im Schnitt 1,4 Prozent mehr für ein Ticket bezahlen. Im Stadtverkehr kostet der Einzelfahrschein jetzt durchschnittlich 2,65 Euro, die Monatskarte 53,41 Euro.

Je nach Wohnort kann sich das aber sehr unterscheiden. Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg steigen die Preise um 3,5 Prozent, in Berlin und München freuen sich die Kunden dagegen über Nullrunden.

Einführung von 365-Euro-Jahrestickets umstritten

Der Branchenverband sprach von einer maßvollen Preisgestaltung, die sicherstellen solle, dass sich alle Bürger Bus- und Bahnfahren leisten können. „Das ist im Rahmen der Daseinsvorsorge unsere Aufgabe und unser Anspruch“, sagte Wortmann.

Die vieldiskutierten, vergleichsweise günstigen 365-Euro-Jahrestickets halten die Unternehmen derzeit dennoch für verfehlt. „Denn selbst wenn damit deutlich mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen würden, hätten wir gar nicht die ausreichenden Kapazitäten, um die Kunden angemessen befördern zu können“, sagte Wortmann, der hauptberuflich Chef der Münchner Verkehrsbetriebe ist.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angekündigt, dass Bus- und Bahnfahrer in Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg in einigen Jahren nur noch 365 Euro für eine Jahreskarte zahlen sollen. Finanzielle Unterstützung gebe es vom Bund.

Die Branche fordert mehr Investitionen – von Busspuren über Tramgleise bis zu neuen U-Bahn-Zügen. „Wir müssen gemeinsam mit Bund, Ländern, Kommunen und Wirtschaft investieren, bauen, erneuern und zusätzliche attraktive sowie flexible Angebote schaffen, damit wir in der Lage sind, künftig deutlich mehr Fahrgäste zu befördern“, sagte Wortmann. „Das alles ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenrennen.“ (dpa)

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