Mallorca

Touristen-Steuer bleibt Zankapfel

Mallorca-Gäste müssen seit dem Juli tiefer in die Tasche greifen. Die linksgerichtete Regionalregierung bezeichnet die Einführung der Touristen-Abgabe als Erfolg. Das Geld soll Umweltprojekte finanzieren. Doch viele schimpfen – und wollen die Steuer 2017 kippen.

Auf Mallorca fallen die Temperaturen derzeit abends auf deutlich unter zehn Grad – doch weder das frische Wetter noch die besinnlichen Festtage konnten die erhitzten Gemüter abkühlen. Sechs Monate nach der Einführung einer umstrittenen Touristen-Steuer sorgt die sogenannte „Ecotasa“, die „Ökotaxe“, auf der Insel weiter für Unruhe. Gegen die Maßnahme der Linksregierung der Balearen schimpfen vor allem Hotelbesitzer und die konservative Opposition.

José Ramón Bauzá, der die Inseln zwischen 2011 und 2015 regierte, sprang am Tag vor Heiligabend für die Gegner der Übernachtungssteuer in die Rolle des Weihnachtsmannes und versprach: Er werde sich im Frühjahr zunächst um die Führung der konservativen Volkspartei (PP) bewerben und danach alles tun, um die Ecotasa abzuschaffen. Man verliere einfach an Wettbewerbsfähigkeit, „weil die Konkurrenzmärkte keine solche Touristen-Abgabe haben“, betonte der 46-Jährige.

Ganz vorn in die Front der Kritiker haben sich von Anfang an die Hotelbesitzer eingereiht. 2017 wollen sie die Steuer kippen. Beim Oberlandesgericht in Palma wurde dazu im Herbst schon eine Beschwerde eingelegt. Die linke Regierung bestrafe mit der Abgabe ihre wichtigste Branche, klagt die Chefin des Hotelierverbandes von Mallorca (FEHM), Inmaculada Benito, immer wieder. Der Tourismus sorge auf den Balearen immerhin für 40 Prozent der Einnahmen.

Das Hauptargument der Kritiker lautet: Viele empörte Touristen würden künftig vor lauter Ärger oder auch nur aus Prinzip Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera meiden. Wenn man sich aber bei den Besuchern der Balearen umhört, ist kaum Kritik, schon gar nicht Empörung zu vernehmen. Rentner Karl-Heinz (76) aus Stuttgart, der die Festtage mit seiner Frau am Ballermann verbringt, freut sich sogar, „dass man mit dem Geld wohl etwas für die Umwelt tun will“.

Touristen-Steuer kann Boom nicht stoppen

Ferngeblieben sind die Touristen nach der Einführung der Steuer vorerst nicht – im Gegenteil, es sind noch mehr gekommen: In den ersten neun Monaten des Jahres stieg die Zahl ausländischer Gäste auf den Balearen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,6 Prozent auf die Rekordzahl von 11,5 Millionen. Am Ballermann waren die Hotels noch im September oft komplett ausgebucht. Die Pferdekutscher vor der Kathedrale von Palma kamen im Sommer nicht nur wegen der Hitze ins Schwitzen. „So viel war hier nie los“, zog Kutscher Manuel vor einigen Monaten im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur eine erste Bilanz.

Tourismusminister Biel Barceló bilanzierte dieser Tage, die Touristen-Steuer, die allein zwischen Juli und Mitte September 32 Mio. Euro in die öffentlichen Kassen der Balearen spülte, sei „ein Erfolg“ gewesen. Anfang 2017 werde man über die Nachhaltigkeitsprojekte informieren, die mit den ersten Einnahmen finanziert werden sollen, sagte der 49-Jährige der Wochenzeitung „Mallorca Magazin“. Vorrang hätten Wasserversorgungs- und Umweltprojekte.

Klar, die Touristen strömten auch deshalb in noch nie dagewesenen Massen nach Spanien, weil die politische und soziale Instabilität in Nordafrika und der Türkei viele abschreckt. Deutsche, Engländer und Franzosen waren 2016 wieder in der Mehrheit. Durch den billigeren Euro kamen zudem so viele Besucher aus Asien, USA und Lateinamerika wie selten zuvor nach Spanien und auch nach „Malle“.

Vor diesem Hintergrund würde sich Minister Barceló gar nicht mal ärgern, wenn die Steuer – wie von den Gegnern prophezeit – für eine Abschwächung der Touristenströme sorgen würde. Im Gespräch mit der Deutsche Presse-Agentur schüttelt er energisch den Kopf und sagt: „Wir können in der Hochsaison auf keinen Fall so weiter wachsen.“ Er hofft, dass neben anderen Maßnahmen wie der Deckelung der Bettenzahl auch die Urlauber-Abgabe „eine regulierende Wirkung“ haben wird.

Der Politiker hat dabei nicht nur Nachhaltigkeit und Umwelt im Sinn – sondern wohl auch den zunehmenden Verdruss der Bevölkerung. Im Frühjahr wurde in Palma mit Graffiti wie „Tourists go Home“ gegen den Besucheransturm protestiert. Später wehten gegen die Exzesse am Ballermann schwarze Flaggen an vielen Balkonen. „Überall nackte und besoffene Ausländer, uns reicht’s“, schimpfte eine junge Mutter. Palmas Bürgermeister José Hila schlug in die gleiche Kerbe: „Wir haben so viele Gäste, dass wir wählerisch sein können. Touristen, die sich eine Woche lang betrinken wollen, brauchen wir nicht.“ (dpa)

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