Lira-Abwertung

Erdogan will Kritiker bestrafen

Sonnenschein in Istanbul, doch im Land wird die Aufregung immer größer.
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Sonnenschein in Istanbul, doch im Land wird die Aufregung immer größer.

Im Streit zwischen den USA und der Türkei über das Schicksal eines in der Türkei festgehaltenen US-Pastors verschärft sich der Ton weiter. Auch die türkische Lira befindet sich im freien Fall. Der türkische Präsident will nun Menschen für negative Kommentare bezahlen lassen.

Im Streit zwischen den USA und der Türkei über das Schicksal eines in der Türkei festgehaltenen US-Pastors verschärft sich der Ton weiter. Nachdem US-Präsident Trump am Freitag Strafzölle gegen die Türkei verdoppelt hatte, nannte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die USA am Montag vor einem Publikum aus Botschaftern aus aller Welt die „Kraftmeier des globalen Systems“. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte aber zuvor einen versöhnlicheren Ton angeschlagen und gesagt, die Türkei sei offen für einen Konsens und diplomatische Anstrengungen. Nur vorschreiben ließe sie sich nichts. Eine Antwort aus Washington steht noch aus.

Mit den Strafzöllen hatte Trump bewusst die Währungskrise der Türkei angeheizt. Die türkische Lira verliert seit Monaten an Wert – die Ankündigung der Strafzölle beförderte sie in den freien Fall. Im asiatischen Handel war der Wert der türkischen Währung am Montag zum Euro und US-Dollar zeitweise erneut zweistellig gefallen. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und über acht Lira für einen Euro gezahlt werden.

Gleichzeitig richtet die Regierung ihre Kritik auch nach innen. Sie will nun Menschen für negative Kommentare über die wirtschaftliche Lage und den Absturz der Lira bestrafen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu gehen nun Staatsanwälte in Ankara und Istanbul gegen Personen und Konten in sozialen Medien vor, die die „wirtschaftliche Sicherheit“ des Landes gefährden, indem sie falsche Berichte oder „Spekulationen“ unter anderem über den Zustand öffentlicher Unternehmen oder Banken verbreiteten.

Staatspräsident Erdogan verteidigte das Vorgehen gegen Kritiker während der Rede vor Diplomaten in Ankara. Er nannte sie „Wirtschaftsterroristen“. Sie hätten „Verrat“ begangen. Jene, die „Spekulationen“ verbreiteten, sollten dafür zahlen.

In seiner Rede vor der Botschafterkonferenz deutete Erdogan gar an, dass die Türkei bereit zu einem Krieg sei. Staaten, die Frieden wollten, müssten bereit zu Krieg sein, sagte er. „Wir sind bereit, mit allem, was wir haben.“

Der Finanzminister und die Zentralbank hatten am Montag Notfallmaßnahmen ergriffen. Die Notenbank, die in der Krise lange unsichtbar geblieben war, ließ unter anderem verlauten, dass Banken sich zusätzliche Mittel in Fremdwährung leihen könnten. Es würden alle Schritte ergriffen, um die Finanzstabilität zu sichern.

Experte macht auf sinkende Nebenkosten aufmerksam

Urlauber in der Türkei profitieren vom Absturz der türkischen Währung – und zwar vor Ort bei den Nebenkosten. „Der Restaurantbesuch, das Eis oder die Souvenirs werden preisgünstiger“, sagt Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Das gelte besonders für Reisende, die kein Hotel mit All-inclusive-Verpflegung gebucht haben.

Auf Preisnachlässe bei Übernachtung und Flug können Pauschalurlauber dagegen nicht hoffen. „Auf bereits langfristig gebuchte Reisen wird sich der Kursverfall kaum auswirken, denn die für deutsche Kunden in Euro abgeschlossenen Reiseverträge werden preislich nicht angepasst“, erklärt Kirstges. Veranstalter schließen die Verträge für Hotel- und Flugkontingente in der Regel Monate vorher ab. (dpa)

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