Katar-Krise

Streit weitet sich aus

Die Staaten auf der Arabischen Halbinsel erleben eine schwere diplomatische Krise. Die Kontrahenten geben sich dafür gegenseitig die Schuld. Donald Trump und Kuwaits Emir wollen vermitteln.

Nach dem Bruch Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten mit dem Golfnachbarn Katar zeigen sich beide Seiten unversöhnlich. Sein Land lehne jede Bevormundung durch andere Golfstaaten ab, sagte der katarische Außenminister Mohammed Bin Abdulrahman Al Thani dem Sender Al-Dschasira.

Er kündigte jedoch an, Katar wolle die Lage nicht weiter eskalieren lassen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wiederum warfen dem Emirat vor, die Stabilität und Sicherheit am Golf zu gefährden. Zugleich begannen Bemühungen um eine Entspannung der schweren diplomatischen Krise.

US-Präsident Donald Trump will nach Angaben des Weißen Hauses mit allen Beteiligten sprechen. Washington ist ein enger Verbündeter sowohl Saudi-Arabiens und der VAE als auch Katars.

Kuwaits Emir Sabah al-Salim al-Sabah bemühte sich ebenfalls um Vermittlung in dem Streit. Er forderte seinen katarischen Kollegen in einem Telefonat auf, den Bemühungen um Entspannung eine Chance zu geben. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schaltete sich ein.

Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den sunnitischen Islamischen Staat (IS) zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum schiitischen Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region.

Katars Außenminister sagte im Gespräch mit Al-Dschasira, er könne sich die Eskalation nicht erklären: „Wir wissen nicht, ob echte Gründe hinter dieser Krise stecken oder versteckte Gründe, die wir nicht kennen.“ Sein Land sei einer beispiellosen Medienkampagne ausgesetzt, die Lügen verbreite und Katar beleidige. Sein VAE-Kollege Anwar Karkasch wiederum twitterte, der Konflikt könne nur gelöst werden, wenn sich Katars provozierende Politik ändere.

Ölpreis reagiert kaum auf Krise

Die Eskalation der diplomatischen Beziehungen unter den Golfstaaten hat die Ölpreise am Dienstag kaum bewegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent fiel bis zum Mittag leicht auf 49,27 US-Dollar. Das waren 20 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 17 Cent auf 47,23 Dollar. Die Ölpreise blieben so auf dem niedrigen Niveau, das sie Ende vergangener Woche nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen erreicht hatten.

„Ob und in welchem Ausmaß auch Energielieferungen von der gestrigen Entscheidung betroffen sind, lässt sich noch nicht abschätzen“, schreiben Analysten der Commerzbank. Katar sei zwar ein wichtiger Lieferant von verflüssigtem Erdgas, aber bei Erdöl ein vergleichsweise kleiner Akteur.

So ist Katar für mehr als 30 Prozent der weltweiten Exporte von Flüssigerdgas verantwortlich. Bei einer Rohöl-Tagesproduktion von aktuell 620.000 Barrel gehört das Land aber zu den kleinsten Opec-Ländern. Insgesamt fördert die Opec 32,2 Mio. Barrel pro Tag. Katar trägt also weniger als zwei Prozent zur Förderung des Kartells bei. Selbst das durch einen Bürgerkrieg gebeutelte Libyen fördert mehr als Katar. Sollte das Land indes die jüngst verlängerte Förderbegrenzung der Opec nicht mehr mittragen, könnten auch andere Länder diesem Beispiel folgen, schreiben die Commerzbank-Analysten.

Aktienbörse von Katar stabilisiert sich

Nach der Talfahrt zu Wochenbeginn wegen des Konflikts mit den arabischen Nachbarstaaten hat sich die Aktienbörse im Golfstaat Katar stabilisiert. Staatsanleihen des Emirats standen am Dienstag dagegen weiter unter Druck, und auch die Landeswährung, der Katar-Riyal, war weiter schwach.

Fünf arabische Staaten hatten Katar am Montag vorgeworfen, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat zu unterstützen und ihre Beziehungen zu dem kleinen Golfstaat abgebrochen. Die dadurch ausgelöste schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren hatte den Qatar Exchange Index (DSM) am Montag so stark abstürzen lassen wie zuletzt vor rund acht Jahren.

Nachdem er den Handel mit einem Verlust von 7,3 Prozent auf 9202,62 Punkte beendet hatte, zeigte er sich zuletzt unverändert. Staatsanleihen blieben hingegen unter Abgabedruck. Im Gegenzug stiegen die Renditen der Papiere. Ein im Jahr 2020 fälliger, auf US-Dollar lautender Staatstitel rentierte am Dienstag mit 2,4 Prozent, nach gut zwei Prozent vor der diplomatischen Eskalation. (dpa)

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