Sky-Serie "Chernobyl" (mit Bildergalerie)

Tschernobyl entwickelt sich zum Touristenziel

Geisterstadt Prybjat: Rund 50.000 Menschen lebten dort vor der Katastrophe.
Getty Images/iStockphoto
Geisterstadt Prybjat: Rund 50.000 Menschen lebten dort vor der Katastrophe.

Eine neue Fernsehserie verstärkt den Trend zu Reisen an den Ort von Europas größter Atomkatastrophe. Auch in Reisebüros fragen Kunden nach. Doch wo bucht man eigentlich Tschernobyl?


Erzählt wird sie mit beeindruckender Faktentreue in der neuen Sky-Serie "Chernobyl". Im Mai lief sie in Deutschland an. Weltweit ist sie ein Hit – die Filmdatenbank IMDB nennt sie sogar die "beste Serie der Welt". Und nicht nur das: "Chernobyl" beschert dem Ort weiteren Zulauf von Touristen – nachdem die Besucherzahl in den vergangenen Jahren ohnehin schon stetig stieg.

Dem Trend begegnet ist auch schon Christiane Goldammer, Inhaberin des Reisebüros Grönda in Schwerin. "Ein Stammkunde sagte mir, er wolle nach Tschernobyl reisen. Ich dachte erst, der will mich veräppeln", sagt die Touristikern. "Ich wusste auch überhaupt nicht, wo ich das buchen soll." Das passende Angebot habe sie dann aber "überraschend problemlos" gefunden.

„Die Nachfrage nach Tschernobyl ist seit dem Start der Serie im Mai drastisch gestiegen.“
Alexander Sieland, Brand Manager LMX Individuell

Und zwar bei LMX Individuell. Mit dem Tool des Veranstalters LMX können sich Reisebüros Angebote selbst zusammenbauen – es bietet aber auch vorgefertigte Reisevorschläge. Sie habe sich LMX Individuell für ihren Kunden extra besorgt, sagt Christiane Goldammer. "Das war ganz unkompliziert – und das Tool ist selbsterklärend." Verkauft habe sie am Ende eine fünftägige Reise in die ukrainische Hauptstadt Kiew – samt Stadtrundfahrt und eintägigem Ausflug in das rund zwei Autostunden entfernt gelegene Tschernobyl. "Der Kunde war begeistert. Schon von vor Ort hat er mir erste Fotos geschickt."

Mehr als 6000 Destinationen ließen sich inzwischen mit LMX Individuell kombinieren, sagt Alexander Sieland, Brand Manager bei dem Veranstalter. Alle Angebote – auch die Ausflüge – würden voll verprovisioniert. "Ein Vorteil von LMX Individuell ist, dass sich auch ausgefallene Kundenwünsche bestens bedienen lassen", wirbt Sieland. Tschernobyl sei inzwischen auch im Paket zu buchen: Der Reisepreis für Kiew mit drei Übernachtungen samt Flug und Ausflug an den Ort der Katastrophe startet bei 420 Euro. 

„Ein Kunde wollte nach Tschernobyl. Ich dachte erst, der will mich veräppeln. “
Christiane Goldammer, Reisebüro Grönda aus Schwerin

Die Nachfrage sei seit dem Start der Serie in Deutschland "drastisch gestiegen", sagt der Manager. "Da gibt's zweifellos einen Zusammenhang." Das bestätigt auch der Anbieter von Touren und Aktivitäten Get Your Guide: "Wir verzeichnen seit dem Serienstart im Mai rund vier mal mehr Buchungen für Tschernobyl-Angebote als noch zu Jahresbeginn", erläutert eine Sprecherin – ohne absolute Zahlen nennen zu wollen. Rund ein Dutzend Touren von lokalen Anbietern finden sich auf der Plattform. Auch Holidaycheck lockt mit reichlich Auswahl.

Dass es sich bei den Angeboten ausschließlich um geführte Touren handelt, ist kein Zufall. Auf eigene Faust darf das Sperrgebiet um den Reaktor bis heute nicht betreten werden. Guides sind mit Geigerzählern ausgestattet. An Checkpoints wird auf Kontamination geprüft. Insgesamt, so heißt es, sind die Gesundheitsrisiken vertretbar. Laut Behördenangaben besuchten 2018 rund 70.000 Touristen das Sperrgebiet.


Die Gründe für diese Touren sind vielfältig. Sensationslust, Faszination für Geisterstädte und der Wunsch, sich zu gruseln, gehören sicher dazu. Bei vielen Besuchern zeigt sich aber auch ein echtes Interesse an Geschichte und Politik. Das ist auch der Anspruch der Serie, von der sich viele Fans inzwischen eine zweite Staffel erhoffen. Dem Katastrophengebiet dürften dann noch mehr Besucher gewiss sein.

Katastrophen-Tourismus: Bilder einer Tschernobyl-Tour


Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats