Ferienhäuser

Millenials entdecken das Ferienhaus – und wollen Flexibilität

Mal was anderes: Ferienwohnung in einer Holländermühle mit Park und eigenem Schwimmteich im Spreewald in Brandenburg. (fewo-Direkt)
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Mal was anderes: Ferienwohnung in einer Holländermühle mit Park und eigenem Schwimmteich im Spreewald in Brandenburg. (fewo-Direkt)

Ungebremste Nachfrage, immer größeres Angebot: Viele Deutsche verbringen ihren Urlaub im Ferienhaus. Der Kundenkreis wird junger und verlangt Flexibilität. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

"Branchenzufriedenheit auf hohem Niveau" – so titelt der Deutsche Ferienhausverband in seinem Branchenreport "Perspektive Ferienhaustourismus 2019". Durchweg alle Anbieter vermelden einen Buchungsanstieg auf dem deutschen Markt – und gehen auch für diese Saison von einem ähnlich starken Wachstum aus.


Bei Fewo-direkt etwa machten 2019 "fast die Hälfte unserer deutschen Kunden Urlaub in Deutschland", so Aye Helsig, Regionaldirektor Zentraleuropa Fewo-direkt/Homeaway. "Kein anderes Land ist bei den Deutschen beliebter." Bei Novasol verzeichnete Deutschland (plus 17 Prozent) nach den Niederlanden (plus 38 Prozent) die höchste Zuwachsrate.

Deutschland: Ferienhausurlaub in der Heimat boomt



Ein Grund für den Heimattrend ist laut dem internationalen Ferienhaus-Portal TUI Villas, dass "die beiden letzten heißen Sommer die Lust auf Urlaub im eigenen Land angekurbelt haben". Eine Folge laut Wolters Reisen: Kunden buchen insbesondere innerdeutsche Reiseziele früher. Inter Chalet hat dazu beobachtet, dass "immer mehr Deutsche ihren Urlaub mittlerweile auch in Ferienanlagen beziehungsweise Ferien-Resorts verbringen, die ihren Gästen zusätzliche Service- und Freizeitmöglichkeiten bieten".
„Immer mehr Deutsche verbringen ihren Urlaub mittlerweile auch in Ferienanlagen. Diese bieten zusätzliche Service- und Freizeitmöglichkeiten.“
Michael Figlestahler, Geschäftsführer HHD und Inter Chalet

Am liebsten an die Küste

Keine Überraschung: Die Ostsee, wo viele Ferienhaus-Anbieter stark in den Neu- und Ausbau ihrer Angebote investieren, und die Nordsee bleiben Deutschlands beliebteste Regionen für Ferienhaus-Urlaub. Daran wird sich auch 2020 nichts ändern: "An der Nord- und Ostseeküste wird es mancherorts schon eng", sagt TUI Villas zur aktuellen Buchungslage.
Bei Fewo-direkt etwa zählten 2018 gleich neun Ostsee-Ziele zu den 20 gefragtesten innerdeutschen Ferienhausdestinationen. Nach der Küste sind beim Ferienhausvermittler besonders Berg- und Wanderregionen wie die bayerischen Alpen, der Schwarzwald und der Harz gefragt. Das Mittelgebirge erfreut sich auch bei Novasol und Wolters Reisen einer größeren Beliebtheit. Bei Inter Chalet landete auch die Mecklenburgische Seenplatte unter den fünf beliebtesten Urlaubsregionen in Deutschland.
Ferienhaustourismus wächst
Der Deutsche Ferienhausverband schreibt in seinem aktuellem Branchenreport: „2018 erzielten die international agierenden Ferienhausanbieter mit Niederlassungen in Deutschland ein durchschnittliches Buchungswachstum von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“

Die Zielgruppe wird jünger und individueller

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, viel Platz und Privatsphäre, eine praktische Ausstattung, dazu Flexibilität bei der individuellen Tagesgestaltung und unkomplizierte, direkte Buchungsprozesse – die Vorteile des Ferienhausurlaubs sprechen vor allem Familien an.
Doch auch jüngere Generationen buchen häufiger: "Die Zukunft gehört den reisefreudigen Millennials und deren Familien" ist sich Aye Helsig von Fewo-direkt sicher. Bei Wolters Reisen wächst dieser Kundenkreis laut Sprecherin Monika Singer im "unteren zweistelligen Bereich". Sie betont aber, dass die Hauptzielgruppe nach wie vor Familien seien, die vom "wachsenden Leistungsangebot wie kindgerechten Einrichtungen, Animationsangeboten, Betreuungsmöglichkeiten und zubuchbaren Verpflegungsleistungen" profitieren.
„Die Zukunft gehört den reisefreudigen Millennials und ihren Familien.“
Aye Helsig, Regionaldirektor Zentraleuropa Fewo-direkt/Homeaway und Vorsitzender Deutscher Ferienhausverband

Internet-Zugang ist ein Muss

"W-LAN wird inzwischen von den Gästen vorausgesetzt", sagt Michael Figlestahler, Geschäftsführer HHD und Inter Chalet. Weitere begehrte Ausstattungsmerkmale sind laut dem Deutschen Ferienhausverband eine Terrasse oder ein Balkon, ein großer Garten, Kamin, eine Garage oder mehr Schlafzimmer. "Kunden legen zunehmend Wert auf umfangreich ausgestattete Objekte, in denen sie sich wie zu Hause fühlen", sagt Monika Singer von Wolters Reisen. "Gefragt sind auch Unterkünfte im gehobenen Bereich, etwa für Paare, die kurze Auszeiten suchen."

Fewo-direkt verzeichnet eine verstärkte Nachfrage nach Fitnessoptionen, Pools, hochwertigen Einbauküchen und insbesondere Grillmöglichkeiten. Besonders beliebt seien derzeit "sehr große Häuser und großzügige Ferienunterkünfte, die viel Platz bieten – gern mehr als 100 Quadratmeter, etwa für den Mehrgenerationenurlaub". Immer öfter angefragt würden auch ungewöhnliche Unterkünfte für ein außergewöhnliches Urlaubserlebnis, vor allem Schlösser und Hausboote.
„Viele Kunden wünschen, auch nur ein Wochenende in einem Objekt zu verbringen. Dadurch steigt die Auslastung und der Ganzjahrestourismus wird gefördert. “
Kai-Uwe Finger, Geschäftsführer Novasol

Der Wunsch nach Flexibilität

Weg vom klassischen Wechseltag: Urlauber wollen selbst entscheiden, wann sie an- undabreisen. "Dies gilt nicht nur für die Tage, sondern auch die Uhrzeiten", weiß Michael Figlestahler von Inter Chalet. Anbieter reagieren darauf, indem sie Häuser ins Portfolio nehmen, die Kurztrips (wie ein verlängertes Wochenende) statt längere Urlaubsaufenthalte und eine völlig flexible Anreise zulassen.

Bei Wolters Reisen kann man besonders flexibel in den Randzeiten zur Nebensaison buchen, der Mindestaufenthalt ist drei Nächte. Auch Novasol ist flexibel bei den Reisezeiträumen: "In den meisten unserer Ferienhausdörfer bieten wir ganzjährig die Option, den Anreisetag frei zu wählen und auch nur zwei Tage zu buchen", sagt Geschäftsführer Kai-Uwe Finger. "Hier gehen wir mit dem Trend." Er beobachtet dazu, dass Ferienhausurlauber zunehmend kurzfristiger vor der Abreise (und nicht mehr nur zu Anfang des Jahres) buchen, vor allem vor den Sommerferien.

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