Abgaben im Überblick

Wo Touristen zur Kasse gebeten werden

Eintrittsgelder sollen Entlastung bringen: Touristen drängen sich auf dem Markusplatz in Venedig.
GettyImages
Eintrittsgelder sollen Entlastung bringen: Touristen drängen sich auf dem Markusplatz in Venedig.

Kurtaxe, Tourismusabgabe, Citytax: Viele Urlaubsorte und Reiseziele bitten ihre Gäste zur Kasse. Häufig bekommen Reisende für die Gebühr Gegenleistungen. Doch manchmal geht es vor allem darum, die Besuchermassen in Schach zu halten. Ein Überblick.

Anreise, Unterkunft, Verpflegung, Sightseeing: Eine Urlaubsreise kostet Geld. Was bei der Berechnung der Kosten oft vergessen wird, ist die Gebühr vor Ort – ob Kurtaxe, Tourismusabgabe, Bettensteuer oder Citytax. Immer mehr Städte, Regionen und Länder kassieren eine solche Abgabe von Besuchern.

Häufig wird Reisenden erst am Urlaubsort bewusst, dass sie eine Tourismusabgabe leisten müssen. "Die Gäste wissen oft nicht, wofür sie dabei eigentlich zahlen", sagt Professor Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel.

Dabei liegen die Vorteile in vielen Urlaubsregionen auf der Hand – in Form von Gäste- und Kurkarten, die Urlauber in der Regel kostenlos in ihrer Unterkunft bekommen. Eine kostenlose Nutzung des ÖPNV ist mit den Karten häufig möglich, ob mit Allgäu-Walser-Card, Saarland-Card oder der Konus-Gästekarte im Schwarzwald.

Der Präsident vom Deutschen Tourismus Verband (DTV), Reinhard Meyer, sieht darin einen sinnvollen Zusatznutzen für Urlauber. Er betont, dass von Touristen verlangte Kurtaxen und Abgaben in den Kommunen
auch nur für touristische Zwecke verwendet werden dürfen. Anders ist dies bei der Bettensteuer, die derzeit in rund drei Dutzend deutschen Städten anfällt. Diese Abgabe ist zweckungebunden.

In Deutschland sind mehr als 350 staatlich anerkannte Heilbäder und Kurorte sowie zahlreiche weitere Tourismusorte berechtigt, eine Kurtaxe oder Tourismusabgabe von Übernachtungsgästen zu verlangen. Die Abgabe dient der Instandhaltung der touristischen Infrastruktur.

Meist wird die Gebühr in der Unterkunft mit dem Übernachtungspreis entrichtet. Ihre Höhe variiert je nach Region, Saison und Berechnungsgrundlage zwischen 0,50 Euro und 3,70 Euro pro Nacht. In einigen Orten gibt es außerdem Tarife für Tagesgäste.

Norderney zum Beispiel kassiert 3,70 Euro pro Nacht. Im Gegenzug bekommen Urlauber die Norderney Card. Auch Langeoog liegt mit 3,50 Euro in der Hauptsaison und 2,80 Euro in der Nebensaison eher am oberen Ende des Preisspektrums. Dafür gibt es die Langeoog-Card, die etwa den kostenfreien Besuch von Veranstaltungen in der Region ermöglicht. In Binz auf Rügen werden ganzjährig 2,85 Euro pro Nacht fällig. Dafür sind etwa die Busse im Ort und die Binzer Bäderbahn kostenfrei.

In Winterberg im Sauerland fallen 2,85 Euro pro Nacht an. Die Sauerland-Card bietet Vergünstigungen für regionale Freizeitangebote. Bad Kissingen in Bayern nimmt ganzjährig 3,60 Euro. Im Tegernseer Tal beträgt der Kurbeitrag 2 Euro, in Garmisch-Partenkirchen 3 Euro. Inklusivleistungen und Vergünstigungen gibt es im Gegenzug.

Die Tourismusabgaben und Citytaxes in den Großstädten fallen ebenfalls verschieden hoch aus. In Leipzig zum Beispiel sind es 3 Euro, in Frankfurt 2 Euro. Berlin verlangt von Privatreisenden eine Abgabe in Höhe von 5 Prozent des Übernachtungspreises. In Hamburg sind die Gebühren gestaffelt.

Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? 

Doch nicht nur in deutschen Reisezielen werden Tourismusabgaben fällig. In Österreich zum Beispiel gibt es die Ortstaxen. Ihre Höhe hängt von Region und Saison ab. Das Land Salzburg und Graz sind mit 1,50 Euro recht günstig. Linz verlangt 2 Euro. In Tirol liegt die Abgabe zwischen 0,55 und 3 Euro pro Nacht. In Wien wird die Höhe der prozentualen Ortstaxe nach einem komplizierten Schlüssel berechnet.

Auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera müssen Reisende seit 2016 die sogenannte Ecotasa zahlen, die für Umweltprojekte verwendet wird. Die Höhe der Abgabe bemisst sich an der Qualität der Unterkunft: Für Gäste in Luxushotels werden 4 Euro pro Nacht fällig, in Vier- und Drei-Sterne-Superior-Hotels sind es 3 Euro, in 1- bis 3-Sterne-Hotels 2 Euro. Auch in Barcelona und der Region Katalonien fällt eine Tourismusabgabe an, die je nach Art der Unterkunft variabel ist und bis zu 2,25 Euro pro Nacht betragen kann.

In Griechenland müssen Urlauber seit 2018 eine Gästesteuer bezahlen, die sich nach dem Unterkunftstyp richtet. In Ein- und Zwei-Sterne-Hotels etwa muss der Gast pro Nacht 50 Cent zahlen, in Drei-Sterne-Hotels werden 1,50 Euro fällig, in Vier-Sterne-Hotels 3 Euro und in Fünf-Sterne-Häusern 4 Euro.

In vielen Regionen Italiens wird ebenfalls eine Bettensteuer berechnet, die sich an der Kategorie der Unterkunft orientiert. Nach Angaben des Kölner Italienveranstalters Italweg liegen die täglichen Gebühren zwischen 0,70 Euro für ein Drei-Sterne-Hotel am Lago Maggiore und 7 Euro für ein 5-Sterne-Hotel in Rom.

Auch in Frankreich, Polen, der Schweiz und der Niederlande gibt es Kurtaxen, gestaffelt nach Übernachtungsarten.

Zwei Extremfälle: Venedig und Amsterdam leiden unter Besuchermassen

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt Venedig. Die berühmte Lagunenstadt will Tagesgäste von September an mit einer Gebühr von 3 Euro zur Kasse bitten. Für 2020 ist eine Erhöhung auf im Schnitt 6 Euro geplant: An wenig frequentierten Tagen soll der Beitrag auf 3 Euro reduziert werden, bei starkem Andrang können 8 oder 10 Euro fällig werden. Von einem "Eintrittsgeld" für die Stadt ist die Rede. Im Idealfall soll die gestaffelte Gebühr dazu führen, dass Tagesgäste ihren Venedig-Aufenthalt an weniger stark frequentierten Tagen planen.

Der Grund für die Abgabe liegt im ausufernden Massentourismus in Venedig begründet. "Wir wollen die Stadt verteidigen", sagte Bürgermeister Luigi Brugnaro im März zu der Gebühr.

Professor Martin Lohmann hält es durchaus für möglich, dass sich die Besucherströme auf diese Art etwas entzerren lassen. Dass die Eintrittsforderung Gäste generell von einem Besuch abhalten könnte, hält der Diplom-Psychologe aber für unwahrscheinlich.

Venedig ist ein Extremfall. Doch auch andere Metropolen leiden unter den Besuchermassen – und kassieren deshalb ganz schön ab. Ein Beispiel ist Amsterdam. Die Stadt führt neben der Touristenabgabe eine zusätzliche Bettensteuer ein. Zusätzlich zu der Abgabe von sieben Prozent der Hotelrechnung werden künftig drei Euro pro Nacht und Gast fällig, kündigte die Stadtverwaltung im Mai an. Das Geld soll auch in den Erhalt des historischen Stadtbildes fließen.

Fernreisende müssen in manchen Ländern ebenfalls eine Abgabe zahlen. Neuseeland zum Beispiel plant von Oktober an eine Einreise-Gebühr in Höhe von 35 Neuseeland-Dollar (etwa 20,50 Euro).

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats