Tourismusentwicklung

Briten reisen trotz Brexit

Sehr populär seit den Rosamunde-Pilcher-Filmen: Cornwall.
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Sehr populär seit den Rosamunde-Pilcher-Filmen: Cornwall.

Großbritannien verliert ausländische Urlauber, doch die Briten selbst reisen weiter. Welche Folgen hat der Brexit?

Für den britischen Tourismus war 2018 kein erfolgreiches Jahr. Während die Urlauberzahlen global weiter zunahmen, verzeichnete das Vereinigte Königreich einen Rückgang der ausländischen Besucher um mehr als fünf Prozent. Noch deutlicher sanken die Ausgaben – um neun Prozent. In ungefähr derselben Höhe bewegt sich der Gästeschwund aus Europa und Deutschland. Die Hoffnung, dass sich die Rekordwerte von 2017 weiter würden steigern lassen, erfüllte sich damit nicht.


Dass der Brexit bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen könnte, zeigt das nachlassende Interesse der Europäer an Großbritannien. So ergab im Herbst 2018 eine Umfrage von Visit Britain, dass sich 69 Prozent der Menschen einen Urlaub auf der Insel vorstellen können. Zwei Jahre zuvor waren es noch 76 Prozent gewesen.

Das Tourismusamt, das für dieses Jahr einen weiteren Rückgang befürchtet, geht daher in die Offensive: Unter dem Motto „Friends of Europe“ wirbt es in Frankreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien um Urlauber. Kernbotschaften sind die „herzliche Willkommenskultur“ und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Beim näheren Blick auf die Tourismusentwicklung 2018 fällt übrigens auf, dass die größten Rückgänge Wales (minus 13 Prozent) und London (minus sieben Prozent) verzeichnen. Schottland hingegen, dass sich gegen den Brexit aussprach, glänzt mit einem Plus von 13 Prozent, bei deutschen Gästen um 28 Prozent. Diese blieben vermehrt England (außer London, minus acht Prozent) fern, während Wales sogar zulegte (sieben Prozent).

Zumindest müssen Urlauber aus der EU nach dem Brexit weder um ihre Flüge bangen noch Angst vor strengeren Kontrollen haben. Noch bis mindestens 2021 können sie mit dem Personalausweis nach Großbritannien einreisen, und die Fluggesellschaften haben sechs Monate lang Zeit, ihre Anteilsverhältnisse zu klären. Grundsätzlich dürfen sie nur noch dann in die EU fliegen, wenn sie mehrheitlich im Besitz von EU-Eigentümern sind. Sowohl Condor mit der britischen Mutter Thomas Cook wie auch TUIfly stehen hier unter Druck; noch sind – trotz Übergangsregelung – Fragen offen.

Weiter unklar ist, wie sich die britischen Urlauber nach dem Brexit verhalten werden. Das vergangene Jahr lief gut, und die Buchungen für EU-Ziele liegen 2019 sogar höher als im Vorjahr; für Nicht-EU-Länder deutlich höher. Das kann aber auch daran liegen, dass für den Fall eines ungeregelten Austritts eine Schwächung des Britischen Pfunds und damit höhere Reisepreise erwartet werden – und daher schon jetzt gebucht wird.

Fakt ist, dass sich die meisten Briten relativ kurzfristig für ihren Urlaub entscheiden. Damit dürften die nächsten Wochen bis Monate entscheidend sein. In Umfragen äußerten 40 Prozent der Briten, dass der Brexit sich auf ihre Reisepläne auswirken werde, vor allem, wenn es in Richtung EU geht. Ziele wie die Türkei, Ägypten oder Tunesien hingegen könnten weiter zulegen. Und letztlich steigt auch die Heimat in ihrer Gunst. Veranstalter und Investoren sprechen von einer „Wait and See“-Haltung: Abwarten und Tee trinken.

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