Auf der ITB-Pressekonferenz

Türkischer Kulturminister relativiert Verhaftungsdrohung

Der türkische Tourismusminister Mehmet Ersoy versuchte auf der ITB-Pressekonferenz seines Landes, die jüngsten Wogen zu glätten.
Gregor Zielke
Der türkische Tourismusminister Mehmet Ersoy versuchte auf der ITB-Pressekonferenz seines Landes, die jüngsten Wogen zu glätten.

Pünktlich zur ITB herrscht wieder einmal dicke Luft zwischen Deutschland und der Türkei. Grund sind verweigerte Akkreditierungen für Korrespondenten und eine Verhaftungs-Drohung des Innenministers. Auf der Pressekonferenz des Landes versuchte Tourismusminister Mehmet Ersoy nun, die Wogen zu glätten.

Wachstumsziele, ein neuer Investitionsfonds, Gästezahlen – all das interessierte die deutschen Journalisten bei der ITB-Pressekonferenz der Türkei herzlich wenig. Nach Eröffnung der Fragerunde ging es fast nur um ein Thema: Die aktuellen Verstimmungen zwischen der Türkei und Deutschland.


Zu beneiden war Tourismusminister Mehmet Ersoy dabei nicht. Denn die hochpolitischen Angelegenheiten fallen natürlich nicht in seinen Verantwortungsbereich. Wieso sein Korrespondenten-Kollege in der Türkei nach 22 Jahren keine Akkreditierung mehr erhalte, wollte ein Redakteur des "Tagesspiegel" wissen und verwies auch auf einen zweiten Fall, der einen ZDF-Mitarbeiter betrifft. Die ausweichende Antwort des Ministers: "Unter Freunden wie Deutschland und der Türkei gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten. Da muss man diskutieren, dann gibt es sicher auch eine Lösung." Man werde jedenfalls  nicht zulassen, dass die Freundschaft Schaden nehme. "Diese Meinungsverschiedenheiten wird es auch immer wieder geben. Heute wollen wir aber über Tourismus sprechen."

Ähnliches zuvor bei der Frage eines DPA-Reporters nach den jüngsten Aussagen des türkischen Innenministers, der laut Medienberichten vermuteten PKK-Sympathisanten in Deutschland mit Festnahme drohte, fallls diese in die Türkei einreisten: "Da gab es Durcheinander und Missverständnisse, diese Verhaftungen wird es nicht geben. Aber ich möchte einen Punkt hier anspreche, nämlich die Freundschaft zwischen Türken und Deutschen, die sehr weit zurück geht und tief verwurzelt ist", so der Minister, bevor er umgehend auf ein genehmeres Thema umschwenkte, nämlich die Einreisezahlen. "2017 waren es mehr als 3,5 Mio. Deutsche, 2018 mehr als 4,5 Mio. und in diesem Jahr glauben wir an mehr als 5,5 Mio."

Mit Marketing-Unterstützung aus dem Ministerum dürfen die deutschen Veranstalter beim Erreichen dieses Ziels eher nicht rechnen. Auf fvw-Nachfrage verwies der Minister darauf, dass solche Investitionen künftig über einen Fonds finanziert werden sollen, den türkische Touristik-Unternehmen speisen. Dieser sei auch für Investitionen in die Infrastruktur zuständig.



Als mittelfristiges Ziel will die Türkei im Jahr 2023 70 Mio. statt derzeit 40 Mio. Touristen ins Land locken, die dann für 70 Mrd. US-Dollar Umsatz sorgen sollen – also 1000 US-Dollar pro Kopf. Derzeit liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei etwa 650 US-Dollar. "Wir müssen also neue, zahlungskräftigere Zielgruppen ansprechen und das Produkt verbessern", so der gelernte Hotelier Ersoy. Ein Baustein dieser Strategie ist eine verbesserte Ausbildung an den Tourismushochschulen des Landes. "Dort werden wir in Zukunft von den Absolventen verlangen, dass sie drei Fremdsprachen beherrschen."

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