Skandinavien

Europas Norden boomt weiter

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Der hohe Norden Europas steht so hoch in der Gunst der deutschen Urlauber wie nie zuvor: Für Staaten wie Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden erwies sich 2018 erneut als Rekordjahr.

 

Die vor wenigen Jahren geäußerte Annahme, der Norden sei lediglich Ausweichdestination für damals kriselnde Länder wie Ägypten, Griechenland und die Türkei, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Trotz des vergleichsweise hohen Preisniveaus in Skandinavien sind die deutschen Touristen auf den Geschmack von Natur, Stille und Outdoor-Aktivitäten gekommen. Absolute Nummer eins bleibt dabei Dänemark mit nunmehr 15,5 Mio. Übernachtungen.
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Eine Ausnahme macht nur das kleine Island: Nach dem enormen Boom der vergangenen Jahr muss das Land 2018 einen prozentual zweistelligen Urlauberrückgang aus Deutschland hinnehmen. Grund dafür sind die drastisch gestiegenen Preise auf der Insel: Viele Touristen halten sie für kaum noch bezahlbar. Derzeit allerdings deutet sich mittlerweile eine ­leichte Entspannung angesichts der schwächeren ­isländischen Währung an.

Hohe zweistellige Steigerungsraten

Die höchsten Wachstumsraten im Jahres- und im Fünfjahresvergleich verzeichnen trotzdem nicht die skandinavischen Staaten: Sowohl die baltischen Länder als auch Irland konnten noch stärker bei den deutschen Besuchern zulegen. So hat Lettland seit 2013 seine Touristenzahl aus Deutschland um 84,1 Prozent gesteigert, auf Platz zwei folgt – dank des enormen Wachstums bis 2017 – Island mit 83,5 Prozent, auf Rang drei Irland mit 70 Prozent. Estland, Litauen und Norwegen schneiden mit einem Plus von um die 40 Prozent seit 2013 allerdings auch noch sehr gut ab, gefolgt von Dänemark (plus 26,4 Prozent), Finnland (plus 24) und Schweden (plus 22,3).

Wer allein auf die Veränderungen von 2017 auf 2018 schaut, erhält ein anderes Bild. Größter Gewinner des vergangenen Jahres ist Litauen. Fast 21 Prozent mehr deutsche Besucher als 2017 reisten in das größte der drei baltischen Länder, wobei der Löwenanteil auf die einst zu Deutschland gehörende Kurische Nehrung und die Ostseestadt Memel (Klaipeda) fällt. Vor allem junge Deutsche wollen zunehmend wissen, wie und wo ihre Großeltern aufgewachsen sind. Den zweithöchsten Wachstumswert hat Irland mit plus 20 Prozent, gefolgt von Estland mit plus 14,2 Prozent. Der kleinste der Balten-Staaten hatte dabei allerdings einen geringen Verlust aus dem Vorjahr wieder gutzumachen.

Als einziges Land des Nordens neben Island beklagt Großbritannien einen Rückgang bei deutschen Urlaubern: 4,2 Prozent weniger Touristen als im Vorjahr machten sich 2018 auf den Weg auf die Insel. Ob dies bereits als Vorbote des bevorstehenden Brexit zu werten ist, ist jedoch unklar. Was dafür spricht, ist die Tatsache, dass England & Co in den fünf Jahren zuvor stets zulegen konnten.

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