Südostasien

Deutschland verliert als Quellmarkt an Bedeutung

Nur die Philippinen haben Besucher verloren.
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Nur die Philippinen haben Besucher verloren.

Gemeinsam stärker: Geht es nach den Vorstellungen von Thailands Tourismusminister Weerasak Kowsurat, sollten die Reiseländer Südostasiens enger zusammenrücken. „Wo große Märkte gemeinsam vorgehen, sind die Möglichkeiten grenzenlos“, sagte der Politiker unlängst beim Asean Tourism Forum.

Die Konferenz der Tourismusminister der zehn Mitgliedstaaten der Association of East Asian Nations war angesichts positiver Entwicklung ohnehin von großem Optimismus bestimmt. Thailand als aufkommensstärkstes Land der Region freut sich über 36,2 Mio. Touristen im Jahr 2017. Das entspricht einem Wachstum um 1,2 Mio. und einem neuen Besucherrekord.

Aus Deutschland kamen 840.000 Reisende, im Jahresvergleich ein Plus von 13 Prozent. Auch für 2018 herrscht Optimismus. Bei TUI beispielsweise ist die Zahl der Thailand-Buchungen hoch, so Konzernchef Fritz Joussen. Um als Land attraktiv zu bleiben und Besucher zum Wiederkommen zu inspirieren, plant das Fremdenverkehrsamt TAT nun, Reise- und Buchungsmöglichkeiten für -Individualtouristen zu verbessern. TAT-Kommunikationschef Tanes Petsuwan will damit „den Fokus künftig auch auf Marktnischen legen“.

Russland, China und Indien werden als Quellmärkte immer wichtiger

Worauf sich die deutsche Reisebranche trotz großer Nachfrage einstellen muss: Als Quellmarkt verliert Deutschland in vielen Reiseländern Südostasiens an Bedeutung. Die Wachstumsraten im innerasiatischen Tourismus sind deutlich höher als aus Westeuropa. Die Reiselust der neuen Mittelschichten aus China und Indien füllt nicht nur in Thailand, sondern vor allem auch in Vietnam und Malaysia die Gästebetten.

Hinzu kommt die Nachfrage aus Russland. Dort ist Thailand mittlerweile das beliebteste Fernreiseziel. Auch in den Badeorten Vietnams registrieren Reisende aus Europa, dass Speisekarten und Werbebanner mindestens genauso häufig in kyrillischen wie lateinischen Buchstaben gehalten sind. Um beim Beispiel Vietnam zu bleiben: Dort rangiert Deutschland mit rund 200.000 Ankünften auf Rang 14 der internationalen Einreisen – weit hinter China (4,0 Mio.), Südkorea (2,4 Mio.), USA (614.000) und Russland (574.000).

Singapur will Image optimieren, Malaysia Anschluss verbessern

Thailand und Indonesien wachsen zweistellig.
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Thailand und Indonesien wachsen zweistellig.

Obwohl die Nachbarstaaten Singapur und Malaysia nicht über mangelnde Nachfrage aus Deutschland klagen können, bewegt beide Länder die Frage, wie sie für deutsche Gäste attraktiver werden. InSingapur wollen die Tourismuswerber den Stadtstaat stärker mit seiner Vielfalt, dem multikulturellen Zusammenleben und der attraktiven Landschaft vermarkten. Derzeit sei das Image zu sehr vom Bild einer sauberen, aber gesichtslosen Metropole geprägt, heißt es. Mit 335.000 Ankünften (plus 1,8 Prozent) war Singapur 2017 zweitbeliebtestes Ziel der Deutschen in der Region. Allerdings ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer dort mit drei Tagen sehr niedrig. Zudem sind lediglich 62 Prozent der Einreisenden „echte“ Touristen. Die übrigen teilen sich in Geschäftsreisende und Stopover-Gäste auf.

Während Singapur von der guten Fluganbindung profitiert, musste Malaysia 2015 die Streichung der direkten Verbindung nach Deutschland hinnehmen. Dies wird sich nun ändern: Im Winter 2018 nimmt Condor Kuala Lumpur in den Flugplan auf, geplant sind drei wöchentliche Flüge ab Frankfurt. „Dann holen wir uns den Markt zurück“, sagt Mirza Mohammed Taiyib, Generaldirektor von Tourism Malaysia. Zur diesjährigen ITB ist eine erste Promotionkampagne geplant, die Malaysia als Strand- und Kulturziel im Fokus hat. 2019 hofft Tourism Malaysia dann auf einen weiteren Schub, wenn Malaysia Partnerland der weltgrößten Reisemesse ist.

Kleinere Ziele zeigen sich behauptet

Auf ein erfolgreiches Jahr 2017 blickt Myanmar zurück. Mit der zunehmenden Öffnung und der – abgesehen von den Konflikten mit den ethnischen Minderheiten – innenpolitischen Entspannung hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Nachfrage aus Deutschland verfünffacht. Die Philippinen stagnieren auf hohem Niveau und wollen mit gesteigerten Werbeaufwand wieder mehr deutsche Touristen ins Land holen. Zur ITB ist, so Marketingchefin Maricon Ebron, „eine neue Kampagne geplant“.

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