Südeuropa und Nordafrika

Reiseziele rund ums Mittelmeer verzeichnen Zuwächse

Besucher 2017 aus dem deutschen Quellmarkt. Die stärksten prozentualen Zuwächse erzielten Ägypten, Zypten und Tunesien. *fvw-Schätzung
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Besucher 2017 aus dem deutschen Quellmarkt. Die stärksten prozentualen Zuwächse erzielten Ägypten, Zypten und Tunesien. *fvw-Schätzung

Für die meisten Reiseländer rund ums Mittelmeer läuft es gut. Spitzenreiter Spanien hat bei den Einreisezahlen noch einmal zugelegt – sowohl im Quellmarkt Deutschland als auch beim internationalen Reisepublikum.

Vom Erfolg verwöhnt zeigten sich 2017 die meisten Reiseländer rund ums Mittelmeer. Nach der kleinen Delle 2015, als das Interesse aus Deutschand – mit einem Minus von 1,2 Prozent – leicht nachließ, liefen die beiden folgenden Jahre deutlich besser. Fast 11,9 Mio.Bundesbürger zog es 2017 nach Spanien, im Jahresvergleich ein Plus von 6,1 Prozent. Interessant ist auch der Blick auf einen längeren Zeitraum: Seit 2013 stieg die Besucherzahl um gut ein Fünftel. Dabei blieb das Wachstum aus Deutschland im weltweiten Vergleich noch moderat: Insgesamt kletterte im selben Zeitraum die Gesamtzahl der Touristen in Spanien um 35 Prozent auf 81,8 Mio. Die Mehrheit der Deutschen organisiert sich ihre Spanien-Reise selbst: Lediglich in den Monaten September und Oktober wurden mehr Pauschal- als Individualreisende gezählt.

Noch stärker als in Spanien ist das ebenso beliebte Mittelmeerziel der Deutschen, Italien, vom Individualtourismus geprägt: Das Gros der geschätzt zwölf Millionen deutschen Besucher reist auf eigene Faust an. Lediglich im äußersten Süden etablieren sich Pauschaldestinationen, die seit Jahren vor allem im FTI-Programm prominent vertreten sind. Aber nicht nur: Unlängst hat auch Dertour 70 zusätzliche Hotels in Italiens Süden ins Angebot aufgenommen.

Allerdings hat sich das Volumen nach dem Schub von 2016 (plus 7,7 Prozent) im deutschen Markt offensichtlich auf hohem Niveau eingependelt. Mit 5,2 Prozent Plus 2017 hat das gesamte internationale Aufkommen einen starken Schub erhalten. Italiens Tourismusverband Assoturismo glaubt sogar, dass es 2018 weiter nach oben geht. Ein Plus von fünf Prozent bei der Gesamtzahl der Besucher – 2017 kamen insgesamt knapp 60 Mio. – hält Assoturismo-Präsident Vittorio Messina 2018 für möglich. Der Spitzenfunktionär mahnt zugleich mehr Engagement seitens der Politik an: „Wir brauchen wieder ein Tourismusministerium.“

Türkei und Griechenland: Des einen Wohl, des anderen Wehe

Nach kräftigem Wachstum auf hohem Niveau nähert sich Spanien der Schwelle von zwölf Millionen deutschen Gästen und damit dem Niveau Italiens. Die Türkei wächst nicht so stark wie Griechenland.
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Nach kräftigem Wachstum auf hohem Niveau nähert sich Spanien der Schwelle von zwölf Millionen deutschen Gästen und damit dem Niveau Italiens. Die Türkei wächst nicht so stark wie Griechenland.

Der Einfluss der Politik auf die Urlauberströme lässt sich sehr gut an der Entwicklung des Tourismus in Griechenland und der Türkei festmachen. Da sich am – weithin geschätzten – Produkt kaum etwas geändert hat, gilt die Politik der türkischen Regierung als Hauptursache für den drastischen Rückgang der Nachfrage.

Den größten Sturz verzeichnete das Land 2016, als die Zahl deutscher Touristen um mehr als 30 Prozent auf 3,9 Mio. fiel. Für das Jahr 2017 zeichnet sich eine leichte Erholung ab, die Tourismusverantwortlichen gehen von vier Millionen Besuchern aus der Bundesrepublik aus. „Die deutsche Branche braucht diese Destination“, sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig. „Die Türkei ist mit ihrem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis kaum zu ersetzen.“

Von der Abwanderung der deutschen Urlauber aus der Türkei hat offenbar Griechenland besonders profitiert, dessen Hotellerie in den Jahren zuvor von der „großen“ Politik erwischt worden war. Heute schlagen, wo während der Finanzkrise die Besucherzahlen rasant sanken, ordentliche Zuwächse zu Buche – plus 18 Prozent waren es 2017 gegenüber 2016 aus dem deutschen Markt. Allerdings hat Griechenlands Hotellerie gemeinsam mit den großen Veranstaltern die harten Krisenjahre zur Verbesserung des Produkts und des Preis-Leistungs-Verhältnisses genutzt. Hinzu kommt, dass Zahl und Umfang der das Land lähmenden Streiks seit Beginn des Jahrzehnts deutlich nachgelassen haben.

Kroatien, Portugal und Bulgarien holen auf

Vom Sommerziel zur Ganzjahresdestination: Das ist die Vorgabe von Kroatiens Tourismusminster Gari Cappelli an die Branche. Das Land an der Adria hat sich zum internationalen Trendziel entwickelt. Um 43 Prozent ist das Aufkommen ausländischer Besucher zwischen 2013 und 2017 gestiegen – auf 16,4 Mio. Ankünfte. Wichtigster Quellmarkt ist Deutschland mit zuletzt mehr als 2,7 Mio. Einreisen. Im laufenden Jahr ist mit weiterem Wachstum zu rechnen – alle großen Reiseveranstalter haben ihr Kroatien-Portfolio ausgebaut.

Als einen wichtigen Grund für den Anstieg sieht Minister Cappelli schon jetzt die „guten Ergebnisse der Vor- und Nachsaison“. Dabei mag den Tourismuswerbern auch das weltweite Interesse am TV-Blockbuster „Game of Thrones“ in die Karten gespielt haben. Zumindest haben sich seit der Ausstrahlung der Fantasy-Saga die Besucherzahlen in Dubrovnik, das in der Serie den fiktiven Ort Königsmund verkörpert, vervielfacht.

Zwei weitere europäische Länder können sich im Quellmarkt Deutschland zu den Gewinnern der Türkei-Krise zählen: Portugal und Bulgarien, die beide 2017 um jeweils gut sechs Prozent zulegten. Dabei verzeichnet Portugal, das 2017 auf 1,3 Mio. deutsche Gäste kommt, einen seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Aufwärtstrend. Bulgarien muss sich dagegen immer wieder auf starke Schwankungen einstellen: Gab es von 2014 auf 2015 noch ein Minus von knapp 13 Prozent, so war 2016 ein Plus von 33 Prozent zu verzeichnen. 2017 schloss sich ein moderates Wachstum von gut sechs Prozent an.

Die Veranstalter vermarkten das Schwarzmeerziel 2018 verstärkt als preisgünstige Familiendestination. TUI hat beispielsweise die Kapazitäten in diesem Bereich um ein Viertel aufgestockt. Schwer einzuschätzen ist der Trend für die beiden Inselstaaten Malta und Zypern: Zypern lag 2017 in der Besuchergunst mit 188.000 deutschen Gästen fast gleichauf mit Malta (193.000). Dabei sollte der Sondereffekt durch die Rolle von Paphos als Kulturhauptstadt und die damit verbundene Aufmerksamkeit einberechnet werden. 2018 wiederum ist Maltas Hauptstadt Valletta Kulturhauptstadt.

Wie lange hält der Aufwärtstrend in Nordafrikas Ferienländern?

Kollektives Aufatmen im Geschäft mit den Ferienländern Nordafrikas: Ägypten, Marokko und Tunesien beendeten das Jahr teilweise deutlich im Plus. Ägypten übertraf mit einem Wachstum um 88 Prozent auf 1,23 Mio. deutsche Urlauber alle anderen großen Destinationen und feierte ein starkes Comeback. Tunesien, die Wiege des „Arabischen Frühlings“, erholt sich langsam: 181.000 deutsche Besucher stehen für einen Zuwachs um 40 Prozent. Allerdings ist das Land noch weit von früheren Volumina (2014 kamen 425.000 Deutsche) entfernt.

Immerhin hat die TUI zum Sommer das Flugprogramm um 25.000 Sitze aufgestockt. Ganz anders die Situation für Marokko, das im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 14,5 Prozent den leichten Rückgang von 2016 wieder mehr als wettgemacht hat.

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