Nordeuropa

Nordische Länder weiter gefragt

Irland konnte zwar die zweistelligen prozentualen Zuwachsraten der Jahre 2014 und 2015 nicht halten, steigert sich bei den deutschen Besucherzahlen aber wie Grobritannien seit fünf Jahren kontinuierlich.
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Irland konnte zwar die zweistelligen prozentualen Zuwachsraten der Jahre 2014 und 2015 nicht halten, steigert sich bei den deutschen Besucherzahlen aber wie Grobritannien seit fünf Jahren kontinuierlich.

Die Britischen Inseln und alle skandinavischen Destinationen legen wie in den Vorjahren zu. Im Baltikum gibt es dagegen auch zwei Verlierer.

Ist es die Zufriedenheit der Einheimischen mit ihrem Leben, die immer mehr Deutsche zum Urlaub in den Norden zieht? Unter den Top Five im aktuellen World Happiness Report der Vereinten Nationen finden sich gleich vier nordische Länder – Norwegen, Dänemark, Island und Finnland. Lediglich die Schweiz auf Platz vier hat sich dazwischengeschoben. Zudem wird Skandinavien laut einer Umfrage des Instituts für Zukunftsfragen als eines der sichersten Reiseziele gesehen – knapp hinter Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber noch vor Italien, Spanien und Kanada.

Dänemark ist unter den nordischen Ländern mit 15,1 Mio. Übernachtungen (plus 1,9 Prozent) Spitzenreiter in der Gunst der deutschen Urlauber. Auf 75 Prozent beziffert Mads Schreiner, Deutschland-Chef von Visit Denmark, den Marktanteil seines Landes unter den Nordland-Reisen der Deutschen.

Zugleich ist Deutschland mit 60 Prozent Anteil am internationalen Gästeaufkommen wichtigster Quellmarkt. Auch Schweden legte 2017 international wie auch aus Deutschland zu. Als Gewinner des Jahres 2017 können Norwegen, Finnland und besonders Island – wo sich das Aufkommen binnen vier Jahren nahezu verdoppelte – gelten.

Eine echte Erfolgsgeschichte hat dabei in den vergangenen Jahren Norwegen geschrieben: In den Jahren bis 2013 sank das Incoming-Volumen zwar noch auf unter 7,7 Mio. Übernachtungen (Ankünfte werden von Statistics Norway nicht ausgewiesen), der wichtigste Quellmarkt Deutschland auf gut 1,3 Mio. Nächte, doch danach legte das nordische Land kontinuierlich zu. 2017 wurde der Wert von zehn Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste knapp verfehlt.

Deutsche Besucher zeichneten dabei für rund 1,8 Mio. Übernachtungen verantwortlich – keine zweistelligen Zuwachsraten mehr wie noch im Jahr zuvor, aber auf hohem Niveau ein Plus von 6,7 (Deutschland) beziehungsweise 7,9 Prozent (international). Zum kraftvollen Comeback beigetragen haben dürfte vor allem der mittlerweile dauerhaft günstige Kurs der Norwegischen Krone: Damit ist das Land für deutsche Gäste erschwinglich geworden.

Über den Britischen Inseln hält das Tourismushoch 2017 an

Großbritannien und Irland zeigen sich mit einem Wachstum der Ankünfte um jeweils drei Prozent auch 2017 weit oben in der Gunst der deutschen Gäste. In beiden Zielen hat das Wachstum jedoch an Tempo verloren. Während sich Großbritannien im Vergleich mit den Vorjahreswachstumsraten steigern konnte, hat das Tempo bei Irland nachgelassen. Großbritannien zeigt sich für das Jahr 2018 weiter optimistisch, zumal Urlaub im Land dank des weiterhin schwachen Pfundes deutlich günstiger kommt als in den Jahren vor dem Brexit.

Visit Britain prognostiziert 41,7 Mio. Gäste aus aller Welt für 2018. Im Vorjahr wurden 38,9 Mio. gezählt. Visit Britain hofft dabei auch darauf, den Tourismus in allen Regionen des Landes zu stärken. Derzeit schöpft London den Löwenanteil des Aufkommens ab: Fast die Hälfte aller Auslandsgäste reist in die Hauptstadt.

Für Irland ist Deutschland drittwichtigster Quellmarkt – dabei hat es nur vier Jahre gedauert, die Zahl deutscher Besucher um knapp 42 Prozent zu erhöhen. „2017 war in Deutschland unser sechstes Wachstumsjahr in Folge“, sagt Zoe Redmond, Zentraleuropa-Chefin der Marketingorganisation Tourism Ireland. Damit dies so bleibt, hat Tourism Ireland zum Jahresanfang eine TV- und Online-Kampagne gestartet, die den Deutschen die „Vielfalt und Schönheit Irlands“ nahe bringen soll. Das Ziel laut Redmond: „Acht Prozent Plus für 2018.“

Die baltischen Staaten setzen auf Kooperation statt Konkurrenz

Estland, Lettland und Litauen – drei Länder, eine Region. Zumindest sehen das die Tourismusverantwortlichen der Baltikum-Staaten so. Denn statt sich im internationalen Markt gegenseitig die Gäste streitig zu machen, werden die Aktivitäten gebündelt. Ein wichtiger Schritt war die gemeinsame Incoming-Messe Baltic Connecting, bei der sich seit 2012 Leistungsträger jeden Herbst gemeinsam präsentieren.

Für 2018 steht die 100-Jahr-Feier der Unabhängigkeit der drei Staaten im Vordergrund. Die mediale Präsenz des Baltikums in dieser Zeit soll nach dem Willen der Verantwortlichen 2018 für einen ähnlichen Schub sorgen wie die Kulturhauptstadtjahre.

Dafür werden nicht zuletzt die Spezialveranstalter für Studienreisen sorgen, die das Jubiläum zum Anlass für eigens aufgelegte Programme nehmen. Tatsächlich stiegen die Besucherzahlen aus Deutschland 2014 in Lettland sprunghaft an. Damals war Riga Europas Kulturhauptstadt, und statt etwas mehr als 120.000 Touristen aus Deutschland reisten fast 170.000 in das Land. Seither wurde dieses Niveau dann Jahr für Jahr übertroffen.

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