Nord-, Ost- und Zentralasien

Nur noch wenig Wachstum in den Fernost-Zielen

Die Top-Destinationen erzielen ein Besucherwachstum.
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Die Top-Destinationen erzielen ein Besucherwachstum.

Während das Gästeaufkommen ex Deutschland im Gros der Länder in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, stagniert das größte Ziel in Fernost.

China hat zwar 2017 mit gut 634.000 Ankünften wieder mehr Deutsche begrüßt als 2016. Die Werte der vorangegangenen Jahre werden aber nicht mehr erreicht. Der Grund liegt weniger im nachlassenden Interesse der Urlauber als im rückläufigen Geschäftsreisevekehr.

Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Jahren die Anforderungen für die Beschäftigung ausländischer Experten in den rund 5200 deutschen Betrieben, die dort eine Niederlassung haben, deutlich verschärft, so dass in diesem Bereich das Reiseaufkommen gesunken ist. Deutschland und Europa spielen für China als Quellmarkt nur eine Nebenrolle: Von den 58 Mio.ausländischen Gästen stammen 43 Mio. aus den unmittelbaren Anrainerstaaten wie Vietnam, Myanmar und Laos sowie aus Südkorea. Reisende aus Taiwan und Hongkong gelten ohnehin als Inländer und werden separat gezählt.

Auch nach Indien reisten 2017 viele der mehr als 250.000 Deutschen aus beruflichen Gründen. Die Veranstalter-Zahlen belegen aber auch ein Wachstum bei den Urlaubsgästen. Das Image des Landes habe sich wieder verbessert, heißt es in der Branche. Das Gleiche gilt für Sri Lanka. Dort hält der aus Sicht der Touristiker positive Trend schon die vergangenen fünf Jahre an: Seit 2012 hat sich die Zahl der internationalen Besucher auf 2,1 Mio. mehr als verdoppelt.

Für den deutschen Markt liegen für 2017 noch keine finalen Zahlen vor, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr – 2016 kamen rund 130.000 Bundesbürger – ist aber zu erwarten. Zumal überall im Land weitere Verbesserungen der touristischen Infrastruktur auf den Weg gebracht wurden. Sri Lanka war bis 2009 zum einen vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen betroffen. Zum anderen richtete der Tsunami vom 26. Dezember 2004 erhebliche Schäden an.

Japan profitiert vom starken Euro

Japan legt am stärksten zu.
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Japan legt am stärksten zu.

Die Schwäche des Yen gehört in Japan zu den Ursachen für den starken Anstieg der Besucherzahlen aus Deutschland. Die kriselnde Währung macht Fe-rien in dem Hochpreisland deutlich erschwinglicher als noch vor zehn Jahren. Auch wenn weiterhin eher die Geschäftsreisenden den soliden Grundstock im Japan-Verkehr bilden, haben die Touristen aufgeholt.

Seit 2012 stieg die Zahl der Ankünfte um mehr als 80 Prozent auf gut 195.000 im Jahr 2017. Die Gesamtzahl der Einreisen in Japan hat sich im gleichen Zeitraum sogar auf 28,7 Mio. mehr als verdreifacht. Grund ist die rasant gestiegene Reiselust der Chinesen. Ob das Wachstum aus Deutschland auch 2018 anhält, ist offen. Das „Handelsblatt“ etwa hat in einer Währungsanalyse zum Jahresanfang dem Yen für 2018 einen Aufschwung prognostiziert. Eine Aufwertung um 16 Prozent sei möglich.

Eine solide Tourismusbilanz kann auch Hongkong vorweisen: Aus Deutschland kamen fast 234.000 Besucher in die Stadt, etwa 10.000 mehr als 2016. Die chinesische Sonderwirtschaftszone hat sich damit von einem Zwischentief aus den Jahren 2012 bis 2015 erholt. Rückläufig war dagegen in den vergangenen drei Jahren die internationale Nachfrage.

Statt mehr als 60 Mio. Gäste wie 2014 wurden 2017 insgesamt 53 Mio. Besucher gezählt. Eine Rolle könnten dabei die 2014 erstmals aufgekeimten Proteste gegen die chinesische Zentralregierung gespielt haben. Die Protestler hatten Teile der Stadt tagelang lahmgelegt. Die Reisenden aus „Mainland China“ stellen den Löwenanteil der Ankünfte.

Keine belastbare Prognose für Südkorea

Ungewollt ist Südkorea im Zentrum der gegenseitigen Machtdemonstration der USA und Nordkoreas gelandet. Eigentlich hatte das Land für 2018 auf einen positiven Einfluss der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang auf den internationalen Tourismus gehofft – auch wenn dieser Effekt in vielen Olympiastädten in jüngerer Zeit schnell verpufft ist.

Stattdessen schaut alle Welt darauf, welche Drohungen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un ausstößt und ob Südkorea womöglich zum Kriegsschauplatz wird. Die Nachfrage aus Deutschland wurde dadurch im vergangenen Jahr aber offenbar wenig beeinflusst. Auch wenn das Land vornehmlich von Geschäftsreisenden besucht wird, blieb das Aufkommen mit knapp 110.000 Einreisen – ein Minus von 0,4 Prozent – stabil.

Bei den Gesamtzahlen musste das Land dagegen einen Einbruch um fast 23 Prozent hinnehmen. Wie bei den meisten Ländern dieser Region Asiens stammt das Gros der Gäste aus China, das mittlerweile wichtigster touristischer Quellmarkt der Welt ist. 122 Mio. Chinesen waren 2017 auf Auslandsreise, so viele wie nie zuvor. Die meisten davon sind innerhalb Ostasiens unterwegs.

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