Karibik und Mittelamerika

Karibik im Plus – Mittelamerika stagniert

Dreikampf an der Spitze in der Karibik: Hinter der Dominikanischen Republik und Kuba folgt Mexiko mit nur noch geringem Abstand.
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Dreikampf an der Spitze in der Karibik: Hinter der Dominikanischen Republik und Kuba folgt Mexiko mit nur noch geringem Abstand.

Die Karibik bleibt der Dauerbrenner unter den Fernzielen: 2018 rechnet die Branche auf allen Inseln mit weiteren Zuwächsen. Bei Thomas Cook etwa waren zum Jahreswechsel 2017/18 die Dominikanische Republik, Thailand, Kuba und Mexiko die am stärksten gebuchten Fernreiseziele.

Auch die Welttourismus-Organisation UNWTO schreibt in ihrer ersten Bilanz des abgelaufenen Jahres von Zuwächsen in der Karibik. Dabei war 2017 einmal mehr die Dominikanische Republik das beliebteste Karibik-Ziel der Deutschen. Rund 265.000 Bundesbürger wurden dort gezählt. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Wachstum von 2,4 Prozent. Die Buchungskurve in dem Inselstaat zeigt seit Jahren nach oben. Im Zeitraum seit 2013 kletterte die Besucherzahl um rund 24 Prozent. Als wichtigster Grund für das Wachstum gilt die immer besser ausgebaute Hotelinfrastruktur, bei der große spanische Hotelketten wie beispiels?weise Meliá eine wichtige Rolle spielen. Derzeit ist der Bau von 15.000 neuen Hotelzimmern angeschoben. Aktuell verfügt das Land über rund 80.000 Betten. Dadurch ist eine große Auswahl an Ferien-Resorts für unterschiedliche Zielgruppen im Programm. Im Land finden sowohl Sport- und Aktivurlauber als auch Familien und Luxusurlauber das passende Hotel. Abgerundet wird das Angebot durch eine für eine Ferndestination große Auswahl an Flügen.

Allein in diesem Sommer gibt es fünf neue Flüge mit Eurowings ab München und Düsseldorf nach Punta Cana sowie ab München und Köln/Bonn nach Puerto Plata. Des Weiteren bietet das Land mit dem Tourismusamt sowohl für Endverbraucher als auch im B2B-Bereich professionelle Unterstützung. Das Team des Frankfurter Büros ist beispielsweise 2018 auf allen großen Reisemessen von Stuttgart über Hamburg, der ITB und München vertreten. Im laufenden Jahr will Verkehrsamtschefin Petra Cruz dabei vor allem um Golfurlauber werben wie auch den Kongress- und Incentive-Bereich ausbauen.

US-Besucher bescheren Kuba ein sattes Wachstum

Zeitenwende auf der größten Karibik-Insel: Seit die Sanktionen der USA gegen Kuba gelockert wurden, bevölkern immer mehr US-Amerikaner die Strände von Varadero, Cayo Coco und Guardalavaca. 2017 wurden 620.000 US-Touristen gezählt – gegenüber dem Jahr davor ein gewaltiger Zuwachs von 217 Prozent. Damit stellen die USA die zweitgrößte Besuchergruppe hinter Kanada. Bei dieser Zahl sind die Exilkubaner, die Freunde und Verwandte besuchen, nicht einberechnet. Hohe Steigerungsraten verzeichnet zudem der Quellmarkt Russland: Rund 100.000 Gäste entsprechen einem Wachstum von 68 Prozent.

Deutschland bleibt dagegen etwas zurück. 2017 kamen 242.000 Touristen aus der Bundesrepublik, etwa genauso viele wie im Jahr davor. Dagegen waren die Gästezahlen zwischen 2013 und 2016 jeweils deutlich zweistellig gewachsen, zuletzt sogar um 38 Prozent. Allerdings war Kuba 2017 besonders stark vom Hurrikan Irma betroffen. Allein Thomas Cook flog 4200 Gäste aus. Mittlerweile aber seien die Schäden behoben und viele Hotels besser als je zuvor, so Roland Junker, Senior-Produktmanager für Karibik und Lateinamerika bei Thomas Cook und bekennender Kuba-Fan. Zudem wurde im Winter das Flugangebot ausgebaut, neben Eurowings startet auch Azur Air Richtung Kuba. Condor bedient die Insel ohnehin fast flächendeckend mit zwölf wöchentlichen Flügen nach Havanna, Varadero und Holguin.

Mexiko erzielt neuen Besucherrekord

Die Top-Drei der Region Mittelamerika/Karibik sind 2017 moderat gewachsen.
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Die Top-Drei der Region Mittelamerika/Karibik sind 2017 moderat gewachsen.

Mit 54 Prozent Wachstum seit 2013 und 37 Mio. ausländischen Übernachtungsgästen zählt Mexiko zu den absoluten Gewinnern im internationalen Tourismus. Mit einem Beitrag von neun Prozent zum Bruttoinlandsprodukt ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. „Und ein wichtiger Arbeitgeber“, ergänzt Tourismusminister Enrique de la Madrid. Neun Millionen Beschäftigte zählt das Gewerbe, das neben den Feriengästen auch mehr als 55 Mio. Tagesausflügler versorgt.

Auch aus Deutschland sind die Zahlen gut: Knapp 240.000 Einreisen zählte das Ministerium 2017, gegenüber dem Jahr davor ein Wachstum von 4,2 Prozent. Interessant dabei: Vor Reisen in Teile des Landes rät das Auswärtige Amt in aktuellen Reisehinweisen ausdrücklich ab. Die davon betroffenen Bundesstaaten liegen allerdings an der Pazifik-Küste beziehungsweise im Norden des Landes an der Grenze zu Texas und damit weit weg von den beliebten Ferienregionen wie etwa der Riviera Maya.

Dass Mexiko trotz einer Vielzahl schlechter Nachrichten aus dem Land – Erdbeben, Drogenkrieg, hohe Mordrate – 2018 wieder gut abschneidet, gilt als sicher. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ausbau des Angebots. TUI setzt mit dem neu eröffneten Riu Dunamar ein Zeichen, weitere Hotels sollen folgen. Selbst der Veranstalter Ruf Jugendreisen bietet 2019 erstmals eine Abi-Reise nach Cancún an. Zudem bleibt die Destination gut erreichbar: Eurowings hat schon angekündigt, das Ziel ganzjährig anzusteuern.

Ökotourismus als Marke in Costa Rica

Kein Land weltweit hat den Ökotourismus so stark zu seinem Markenkern gemacht wie Costa Rica – und das mit Erfolg. Das Land hat die Besucherzahl aus dem Quellmarkt Deutschland von 2013 bis 2014 von 55.000 auf 64.000 gesteigert. Seither ist das Wachstum abgeflacht, die Nachfrage bleibt aber auf konstant hohem Niveau. Zum guten Ruf Costa Ricas als Musterland des Ökotourismus tragen die 29 Nationalparks ebenso bei wie die Entwicklung besonders naturnaher Angebote, die regelmäßig entsprechende Auszeichnungen wie die Eco Trophea erhält.

Zu den Eigenheiten Costa Ricas, die das Image als „Schweiz Mittelamerikas“ transportieren, gehört, dass das Land schon 1948 das Militär abgeschafft hat, eine stabile Demokratie ist und im Unterschied zu anderen Staaten der Region von Bürgerkrieg verschont blieb.

Curaçao, Jamaika und Panama: Treffpunkt der Individualisten

Europa-Urlaub in der Karibik: Curaçao ist ein Land der Niederlande, so die offizielle Bezeichnung. Aus Europa kommen mehr als die Hälfte der Touristen, davon knapp 40 Prozent aus den Niederlanden. Deutschland kommt auf 22.000 Gäste. Wegen der Air-Berlin-Pleite ist die Zahl gegenüber 2016 leicht rückläufig. Für 2018 hoffen die Tourismus-Verantwortlichen auf eine Erholung. Von den Hurrikans ist die Insel nicht betroffen, da sie außerhalb der gefährdeten Region liegt.

Jamaika erlebte dagegen 2017 einen wahren Boom. Ob die monatelange Diskussion um eine „Jamaika“-Koalition im Bund dem Tourismus einen Schub verliehen hat? Nur Komiker glauben daran. Fakt ist, dass die Zahl der deutschen Gäste von etwas mehr als 20.000 im Jahr 2016 auf fast 30.000 hochschnellte. Die Sondierungsgespräche nutzt die deutsche Vertretung der Tourismusbehörde für launige Werbesprüche wie „Christian sagt: Es ist ein langer Weg nach Jamaika.“ Worauf ein Reggae-Musiker antwortet: „No, man, just one one-stop-flight.“ Weil außerdem die Zahl der Direktverbindungen ab Deutschland aufgestockt wurde, rechnen die Jamaika-Werber für 2018 mit 40.000 deutschen Gästen.

Panama hat offenbar die Jahre des schnellen Wachstums hinter sich. Zwischen 2013 und 2015 ging es ex Deutschland jeweils zweistellig nach oben. Die vielfältige Landschaft mit Pazifik- und Karibik-Küste und dem von Regenwald geprägten Landesinneren zog immer mehr Besucher an. Seither stagniert die Nachfrage oder ist sogar leicht rückläufig. Das wohlhabendste Land der Region ist mit den Einnahmen aus Panamakanal und Freihandelszonen wirtschaftlich ohnehin kaum vom Tourismus abhängig.

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