Virtuelle Iata-Tagung

Düstere Prognosen für Europas Luftfahrt

Iata-Chef Alexandre de Juniac hofft händeringend auf bessere Zeiten für den Luftverkehr.
Andreas W. Schulz
Iata-Chef Alexandre de Juniac hofft händeringend auf bessere Zeiten für den Luftverkehr.

KLM-Chef Pieter Elbers hatte sich so gefreut, Gastgeber der 76. Iata-Vollversammlung in Amsterdam zu sein. Bedingt durch Corona saß er stattdessen allein im Büro in der niederlämdischen Stadt und leitete erstmals eine virtuell stattfindende Iata-Jahrestagung.

Tatsächlich gab es in der Iata-Zentrale in Genf nur drei physisch Anwesende, das traurige Abbild einer sonst vor Dynamik platzenden Vollversammlung. Dies waren der amtierende Generalsekretär Alexandre de Juniac, Lufthansa-Chef Carsten Spohr als noch amtierender Vorsitzender des jährlich wechselnden "Iata Board of Governors" sowie sein designierter Nachfolger Robin Hayes, Chef von Jetblue.

Das äußere Erscheinen dieser virtuellen Veranstaltung spiegelt aber auch den aktuellen Zustand der gesamten Luftfahrtbranche wider: Die Passagier-Luftfahrt ist seit Beginn der Pandemie nahezu am Boden. Iata-Chef-Ökonom Brian Pearce hat schon seit Monaten nur düstere Zahlen zu präsentieren und erneut musste er seine Zahlen nach unten korrigieren: "Für 2020 erwarten wir jetzt einen Verlust von 118,5 Mrd. Dollar, und für 2021 gehen wir nochmals von aktuell 38,7 Mrd. Dollar aus."

Die Luftfahrt ist im wahrsten Sinne des Wortes unverändert am Boden und hat trotz zum Teil massiver Staatshilfen nur eine durchschnittliche Finanzdecke von 8,5 Monaten um zu überleben, sagt Pearce. Besonders die europäischen Fluggesellschaften seien hart gebeutelt (da sie gerade mit internationalen und Langstrecken ihr Geld verdienen). Sie haben "2020 mit 26,9 Mrd. Dollar einen großen Verlust aufgebaut, der auch 2021 bei erneuten 11,9 Mrd. Dollar liegen wird", prognostiziert Rafael Schvartzman, der zuständige Iata-Vize-Präsident für Europa.

Plädoyer für Schnelltests

Um aus dieser prekären Situation irgendwie herauszukommen, setzt die gesamte Branche alle Hoffnung auf die bald global erhältlichen Corona-Impfstoffe, um ein Reisen ohne Restriktionen und Quarantäne wieder zu ermöglichen. Aber Iata-Chef Alexandre de Juniac warnt zugleich: "Wir können nicht warten, bis der Impfstoff global wirkt. Wir müssen jetzt handeln und die Antigen-Schnelltest-Verfahren unmittelbar vor dem Abflug voranbringen."

Die Branche zeigt sich frustriert, hat sie doch schon in vielen Pilot-Tests und Verfahren demonstriert, wie wichtig und effizient diese Methode sein kann, das Vertrauen in eine sichere Flugreise den Fluggästen wieder zurückzugeben. Doch die für die Gesundheitsregularien zuständigen Regierungen in Europa und international spielen hier bisher nicht mit und setzen weiter auf Quarantäne und die aussagekräftigeren, aber zeitintensiveren PCR-Tests.

Appell an Staaten der Welt

De Juniac appelliert daher erneut händeringend speziell an die Europäische Kommission, "endlich eine einheitliche Vorgehensweise zum Thema Schnell-Test zu verabschieden". Trotz all dieser, für die Branche wenig hoffnungsvoll stimmenden Gemengelage sind auf der Iata-Jahrestagung auch personelle Entscheidungen gefallen: Der noch amtierende  Chef Alexandre de Juniac wird sein Amt am 31. März 2021 niederlegen, dass er im September 2016 von seinem Vorgänger Tony Tyler übernommen hatte.

Sein Nachfolger wird der erfahrene Ire Willie Walsh werden, der ehemalige Chef der IAG (International Airlines Group, zu der British Airways, Iberia, Aer Lingus und Vueling gehören). Walsh hat eine eindrucksvolle 40-jährige Luftfahrkarriere vorzuweisen: vom 17-jährigen Pilotenschüler bei Aer Lingus bis hin zum Vorstandschef bei Aer Lingus und später British Airways.

Walsh, der per Videokonferenz zugeschaltet war, will seine "Erfahrung voll einbringen, um die Iata wieder auf einen erfolgreichen Pfad zu führen". Gerade erst hatte er vor wenigen Monaten den IAG-Chefsessel verlassen und ist seitdem Ruheständler. Er wird mit den Herausforderungen, die auf ihn warten, sicher keine Langeweile bekommen.
1 Kommentar

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1.
Detlef Oberdieck
Erstellt 30. November 2020 10:41 | Permanent-Link

Leider bewegt sich unsere Politik in allen Richtungen nach wie vor im Blindflug. Zusammen mit den Hygiene-Regeln an Bord und den technischen Vorkehrungen in den Flugzeugen wäre das Reisen mit
einem Antigen-Schnelltest das sicherste Verkehrsmittel überhaupt.
Jeder Fluggast würde auch entspannter an Bord gehen, wenn durch die Schnelltests gewährleistet ist, dass nur Passagiere mit diesen Tests mit ihm in der Maschine sitzt.
Ein völliges Versagen hat die Politik im Bereich der Digatalisierung zu verantworten. BILD schreibt: wir sind noch in der Kreidezeit.
Das wir die Infektionsherkünfte nicht nachverfolgen können, ist der Unfähigkeit zu verdanken, dass keine zentralen Meldungen an
eine eingerichtete Digitale BUNDES-ZENTRALE FÜR GESUNDHEITSSCHUTZ schon vor Monaten hätte eingerichtet werden können. Überzogener Datenschutz verhindert den optimalen Einsatz der Apps und kostet jeden Tag Menschenleben.
Jeder Gast der ein Restaurant oder Hotel betritt könnte sich über seine App unmittelbar bei der zentralen Gesundheitszentrale
verifizieren und einen QR-Code bekommen.
Auch Jeder Bürger, der grenzüberschreitend verreist - auch über Land, könnte sich hier anmelden. Die Eingrenzung von Datenschutz hat in Südkorea zu den positiven Ergebnissen geführt.
Es ist Advent - bitte nicht weiter gepennt !
Detlef Oberdieck



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