VUSR-Vorschlag

"Reisen gegen Putin" – Politiker lehnen ab

Urlaub mit staatlicher Bezuschussung für Rentner am Mittelmeer? Als "Schnapsidee" bezeichnet das der SPD-Politiker Ralf Stegner in der Bild-Zeitung.
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Urlaub mit staatlicher Bezuschussung für Rentner am Mittelmeer? Als "Schnapsidee" bezeichnet das der SPD-Politiker Ralf Stegner in der Bild-Zeitung.

Der Staat könne Rentnern Langzeiturlaub im Winter bezuschussen, hatte die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff angesichts einer möglichen Gasknappheit vorgeschlagen. Jetzt reagieren Politiker auf die Idee.

Wegen des Angriffskrieges in der Ukraine könnte in Deutschland im Winter das Gas zum Heizen knapp werden. Vor diesem Hintergrund hatte Marija Linnhoff vorgeschlagen, Rentnern im Winter einen Urlaub im Süden zu bezuschussen. Wörtlich sagte die VUSR-Vorsitzende der "Rheinischen Post": "Schon jetzt verbringen viele Senioren zwei oder drei Monate im Winter in Mallorca, der Türkei oder an einem vergleichbaren Ziel. Wenn der Staat für solche Reisen einen Zuschuss von beispielsweise 500 Euro zahlen würde, würden vielleicht viel mehr Bürger eine solche Option nutzen. Die könnten dann ihre hiesige Heizung herunterfahren." Und weiter: "Reisen gegen Putin ist doch besser als Frieren wegen Putin."

In den Publikumsmedien findet der Vorschlag erhebliche Resonanz. Am Freitagabend thematisierte  Moderator Oliver Welke in seiner ZDF-Satiresendung "Heute Show" den Vorschlag. Heute greift ihn die "Bild" auf der Titelseite auf.

Unter der Überschrift "Rentner sollen in der Türkei überwintern" berichtet die Zeitung über die Idee – und hat auch bei Politikern nachgefragt, was sie davon halten.

Die zeigen sich allerdings wenig begeistert. Die Vorsitzende des Tourismusausschusses des Bundestages Jana Schimke (CDU) sagte "Bild": "Der Vorschlag würde mindestens 10 Mrd. Euro kosten, und das zusätzlich zu Rekordverschuldung, Sondervermögen und inflationsbedingten Mehrausgaben. Es ist nicht quantifizierbar, was damit am Ende eingespart würde." Weiter sagte die Politikerin: "Nur wenige Rentner dürften sich die Doppelbelastung aus laufender Miete in der Heimat und Auslandsaufenthalt tatsächlich leisten können, trotz staatlicher Subventionierung."

Klare Worte findet auch der schleswig-holsteinische SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner zu dem Vorschlag: "Das ist eine typische Schnapsidee und sicher kein Beitrag zur Lösung unserer energiepolitischen Herausforderungen", zitiert ihn die Boulevard-Zeitung.

Etwas zurückhaltender äußerte sich Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, in der "Rheinischen Post": "Wenn zu viele Leute im Winter Deutschland verlassen, dann könnte dies Kaufkraft kosten."

Marija Linnhoff zeigt sich erfreut über Resonanz

Marija Linnhoff zeigt sich unterdessen erfreut über die Resonanz ihres Vorschlags. In einer Stellungnahme von Montagvormittag lässt sich die VUSR-Vorsitzende zitieren:
Ihr Denkanstoß habe "zu einer angeregten Debatte" geführt, "denn ausnahmenlos alle Branchen müssen in der gegenwärtigen massiven Krise einen Beitrag dazu leisten, Energie einzusparen."

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Wir sollten alle Möglichkeiten wenigstens ergebnisoffen diskutieren und gemeinsam überlegen, was geht. Das gilt auch für die Tourismuswirtschaft. Und die Idee des Überwinterns in wärmeren Gefilden ist dabei in mehrerlei Hinsicht durchaus ernst zu nehmen, weil sie – gut gemacht und konzeptioniert – Energie einsparen kann, die wir in Industrie und anderen systemrelevanten Bereichen im kommenden Winter gut gebrauchen können."

Gleichwohl bleibe es natürlich jedem selbst überlassen, ob er ein entsprechendes Angebot nutzen würde und ob der Bund einen entsprechenden Anreiz setzen sollte.

Zudem argumentiert die VUSR-Chefin: Der Anreiz käme nicht nur mutmaßlich dem Energieverbrauch zugute, sondern auch der Reisebranche und vielen von der Corona-Pandemie
gebeutelten Ferienregionen.
4 Kommentare Kommentieren

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4.
Jan Lehmann
Erstellt 11. Mai 2022 10:43 | Permanent-Link

Diese Meldung wurde gestern auch vom Redaktionsnetzwerk Deutschland aufgegriffen und erschien somit auch in den Online-Formaten mehrerer großer Tageszeitungen. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Kommentare von Lesern äußerte sich sehr kritisch über diese "Schnapsidee" und durchschaut diesen Vorschlag als das, was er ist: eine verkappte Förderung der Reisebranche. Ob dieses negative Erscheinungsbild nun sein muss, nur damit man mal wieder in der Presse ist? Ich denke, hier wurde nicht bis zu Ende gedacht und unserer Branche ein Bärendienst erwiesen – fast schon zum Fremdschämen, peinlich.

3.
Eva Ehrlich
Erstellt 10. Mai 2022 14:32 | Permanent-Link

Sehr geehrter Herr Lars,
es ist nicht nur deswegen, dass das Gas knapp wird. Aber es heißt, die Heizkosten werden auch fast auf das Doppelte erhöht. Der Vermieter hat uns gewarnt in Geschäft und in der Wohnung ebenso und gerade in unseren Branschen nach dem Pademie, wir müssen neu starten. Und nebenbei: Die Unternehmern, die Hilfe bekommen haben, müssen diese auch zurückzahlen. Klein- und Solo-Unternehmern im Tourismus haben keine Reserven mehr. Und wenn Sie die Statistik sehen, bekommt die Mehrheit der Rentner in Deutschland 1000 Euro Rente oder weniger. Ich spreche von denen die schon 10 Jahre und länger in Rente sind. So finanziell erreicht jeder aber besonders die Rentner, die darunter leiden. Vorschlag ist vielleicht schräg, aber gut.

2.
Lars Peters
Erstellt 10. Mai 2022 13:23 | Permanent-Link
bearbeitet

Bild Zeitung und Heute Show – angemessener könnten die Medien für diesen Vorschlag nicht sein. Ich frage mich, zu welcher Debatte dieser Vorschlag angeregt haben soll? Ob man den VUSR noch ernst nehmen kann, oder was? Dass man darüber diskutiert, Gas einzusparen, ist ja wohl unabhängig von diesem äußerst schrägen Vorschlag.

1.
Eva Ehrlich
Erstellt 9. Mai 2022 15:48 | Permanent-Link

Danke; ich unterstütze dieser Bewegung und würde es für jeder angeboten von den Winter weglaufen ,Sonne Genießen" Strom und Heizung ausschalten.
Gute Idee!



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