Vulkanausbruch auf La Palma

"Wir brauchen dringend Touristen"

Ulrich Roth, Geschäftsführer von La Palma Travel
La Palma Travel
Ulrich Roth, Geschäftsführer von La Palma Travel

Ulrich und Evelyn Roth, Geschäftsführer von La Palma Travel, mussten 50 Prozent ihres Ferienhaus-Angebots wegen des Vulkanausbruchs aus dem Markt nehmen. Warum und wo der Tourismus auf der Insel dennoch möglich ist.

Ulrich Roth und seine Frau Evelyn haben hautnah miterlebt, als die Vulkankette Cumbre Vieja vor drei Monaten das erste Mal Feuer spuckte. Das Ehepaar lebt auf der Kanareninsel La Palma und leitet den Ferienhaus-Anbieter La Palma Travel, eine Marke des deutschen Anbieters Roth Reisen GmbH mit Sitz in Baiersbronn. Ihr Wohnhaus befindet sich nur acht Kilometer vom Vulkan entfernt. Inzwischen sind sie in den Norden umgezogen. "Der Vulkan rumort Tag und Nacht, und die Asche war einfach zu belastend", sagt Ulrich Roth.

Der Tourismus sei aber weiterhin möglich – nur eben nicht im Westen der Insel, betont das Ehepaar. "Im Norden und Osten der Insel kann man ruhigen Gewissens Urlaub machen und muss sich über die Aschebelastung keine Sorgen machen", sagt Ulrich Roth.

Das bestätigt auch Raquel Pérez vom Inselrat. "Die Insel bleibt trotz des Ausbruchs ein sicheres Ziel", sagt sie. Nur die Wanderwege der an das Vulkangebiet angrenzenden Gemeinden blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Regionaler vorübergehender Lockdown

Doch immer wieder ordnen die Behörden einen Lockdown für bestimmte Orte an. So durften am vergangenen Wochenende mehrere tausend Menschen für drei Stunden ihre Häuser wegen giftiger Gase nicht verlassen.

Der Vulkan und der Lavastrom haben inzwischen elf Prozent der Insel zerstört und mehrere tausend Wohnhäuser unter sich begraben. Die Region des Aridane-Tals ist davon vor allem betroffen. Zahlreiche Straßen sind gesperrt.
Aus der Cumbre Vieja auf La Palma kommen auch drei Monate nach Beginn des Ausbruchs noch Lava und Aschewolken aus dem neuen Krater.
Imago / Future Image
Aus der Cumbre Vieja auf La Palma kommen auch drei Monate nach Beginn des Ausbruchs noch Lava und Aschewolken aus dem neuen Krater.

Tourismusregion Puerto Naos am stärksten betroffen

Von den touristischen Region leidet das Gebiet von Puerto Naos am stärksten unter dem Vulkanausbruch. Die Region ist derzeit nicht zugänglich. Auch das Zentrum der Vulkanhöhlen Caños de Fuego, das sich innerhalb der Sperrzone befindet, kann man aktuell nicht besuchen.

Ulrich und Evelyn Roth beschränken daher ihr Ferienhaus-Angebot auf die Region im Norden. Puntagorda beispielsweise sei für Natur- und Wanderliebhaber ein tolles touristisches Ziel, so Roth. "Wir brauchen dringend Touristen. Wenn sie nicht kommen, müssen wir die Unterkünfte dem Markt entziehen."

Staatliche Hilfe fließt nicht bei Reisestornos

Hinzu komme, dass es lediglich staatliche Hilfen in Spanien gebe, wenn der Lavastrom die Ferienhäuser erfasst habe. Die Einnahmeverluste aufgrund der Reisestornierungen könne Ulrich Roth auch nicht mit staatlichen Unterstützungen wie der Überbrückungshilfe III ausgleichen, so Roth. "Ich habe fünf Mitarbeiter, die ich nicht entlassen möchte, habe aber Probleme, sie zu bezahlen." Wenn der Tourismus weiterhin ausbleibe, habe das schwere Folgen für die Insel.
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"Rund 70 Prozent der Menschen auf der Insel sind direkt oder indirekt von diesem Wirtschaftszweig abhängig. Gibt es keinen Tourismus, entzieht es vielen Menschen die Existenz, die auch nötig ist, um sich untereinander und vor allem den Evakuierten zu helfen", schildert Roth.


Das sei vielen Menschen in Deutschland nicht bewusst. "Die Hilfe findet im Privaten statt. Viele Familien haben Evakuierte aufgenommen, die auf Fluren und improvisierten Matratzen schlafen." 

Die Lava-Massen des Vulkanausbruchs der Cumbre Vieja bilden im Meer eine größer werdende Landzunge.
Imago/Agencia EFE
Die Lava-Massen des Vulkanausbruchs der Cumbre Vieja bilden im Meer eine größer werdende Landzunge.

Rund 12.000 Betten stehen zur Verfügung

Trotz des immensen Schadens, den der Vulkanausbruch angerichtet hat, gibt es auf der Insel ausreichend touristische Unterkünfte. Denn bei den fast 2900 Häusern, die zerstört wurden, handelt es sich vorrangig um Wohndomizile. "Rund 12.000 Betten stünden für Touristen zur Verfügung", sagt Raquel Pérez vom Inselrat.


Doch die bleiben weitestgehend ungenutzt. Im Moment sind es vor allem regionale Touristen, die auf die Insel kommen, um sich das seltene Naturschauspiel nicht entgehen zu lassen. "Die bringen der Insel aber nichts", betont Ulrich Roth. 

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