Erfahrungsbericht

So fühlt sich eine Kreuzfahrt in der Pandemie an

Viel Platz an Bord. Chris Schlaghecke war während der Pandemie mit der Mein Schiff 2 unterwegs.
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Viel Platz an Bord. Chris Schlaghecke war während der Pandemie mit der Mein Schiff 2 unterwegs.

Der Touristiker Christian Schlaghecke kreuzte mit Mein Schiff 2 vor den Kanaren. Jetzt berichtet er über seine Reiseerfahrungen während der Pandemie und gibt praktische Tipps für Kunden.

Dass Reisende immer wieder als Egoisten an den Pranger gestellt werden, kann er nicht mehr hören. "Wenn sich jemand in der Pandemie richtig verhalte, dann genau jene Reisenden, die sich alle Regeln befolgen – im Gegensatz zu den vielen Corona-Leugnern in Deutschland." Er tauschte das heimische Büro gegen das Homeoffice auf See und fuhr auf eine mehrwöchige Kanaren-Kreuzfahrt.

Der Gründer des Spezialisten Große Leute Reisen genoss vor allem den Platz: "Aktuell kann man so reisen wie es vielleicht vor 50 Jahren möglich war. Derart erholsam und sicher wie nie zuvor!" Bedenken wegen der Corona-Pandemie hatte er nicht, im Gegenteil: "Ich habe mich an Bord sicherer gefühlt, als beim Einkaufen in Deutschland", betont der Dozent der Deutschen Angestellten Akademie (DAA).

Bei der TUI-Cruises-Kreuzfahrt ging es ihm darum, Erfahrungen für seine Kunden zu sammeln: "Sie wollen schließlich genau wissen, wie der Stand der Dinge ist." Nach seiner Tour ist Schlaghecke von der Sicherheit des Reisens rundum überzeugt: "Am Flughafen, als auch an Land, als auch während der Ausflüge und am Strand, wurden Masken getragen und penibelst auf den Abstand geachtet." Zudem hätten alle Passagiere 72 Stunden vor Abreise den PCR-Test absolviert, im Flug-Vollcharter waren ausschließlich negativ getestete Reisenden, täglich wurde bis spätestens zwölf Uhr Fieber gemessen und am fünften Tag zudem ein Antigen-Test durchgeführt.

Noch vor der Reise rät Schlaghecke seinen Kunden dringend, sich die TUI Cruises-App herunterzuladen. "Gleich als erstes, wenn sie an Bord sind sollten sie sich Plätze für die unterschiedlichen kostenlosen Aktivitäten und Kurse reservieren", sagt der Touristiker. Aufgrund der begrenzten Platzanzahl seien die Angebote meist am ersten Abend ausgebucht. Zumal sich viele Kreuzfahrt-Verlängerer sich ihre Plätze schon am Nachmittag sichern würden, wenn das Angebot  freigeschaltet werde. Vor allem bei der Sauna sei dies wichtig. Schlaghecke: "Hier sind in einem 90-Minuten-Programm nur maximal zwölf Personen für den gesamten Saunabereich zugelassen – was für ein Luxus!"

Auch die Ganztagsausflüge insbesondere für die kleineren Inseln sollte man rechtzeitig buchen, da Busse mit geringerer Auslastung fahren und sich auch die Gruppen vor Ort nicht begegnen dürften. Schlaghecke: "Das war teils schon lustig, als wir im Nationalpark aus der Ferne die andere Gruppe sahen und die Guides unter sich ausmachten, wo sie nun besser langlaufen, damit wir uns in keinem Fall treffen."

Ein wichtiger Hinweis sei noch, "wie einfach und schön es doch ist, an Bord verlängern zu können", erklärt er. Das sei vor allem für Rentner mit viel Zeit oder Home-Office-Kunden interessant. Sie könnten einfach eine oder zwei Wochen buchen und bis zwei Tage vor Rückkehr im Abfahrtshafen entscheiden, wie es weiter gehen soll. "Sie zahlen dafür keine Umbuchungsgebühren und haben die Sicherheit, auch in der kommenden Woche zurückfliegen zu können."

Er selbst hat die Kreuzfahrt zum mobilen Arbeiten genutzt. "Ich nenne es workation at sea", schmunzelt Schlaghecke und genoss ganz nebenbei "ein Leben, wie es zurzeit seinesgleichen sucht" – in einer Zeit, in der in Deutschland kein Restaurant, kein Theater, keine Bar, kein Friseur und kein Fitnessstudio geöffnet ist. Dabei sei das Breitband zwar ist "nicht überwältigend, aber die Pakete sind ausreichend".  Und so unterrichtete er von Bord aus einige Einheiten per Adobe Connect, unter anderem auch das Modul Kreuzfahrt-Management für Azubis. "Praxisnäher geht es nicht", grinst er.

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