Touristik hilft (Teil 4)

Reisebüros zeigen Herz mit Hilfsprojekten

Der stationäre Vertrieb hat mehrere soziale Projekte angestoßen, um anderen Menschen zu helfen.
Imago Images / Westend 61
Der stationäre Vertrieb hat mehrere soziale Projekte angestoßen, um anderen Menschen zu helfen.

Touristiker helfen an vielen Ecken und Enden. In einer kleinen Serie blickt fvw|TravelTalk zur Jahreswende auf die Wohltätigkeitsaktivitäten. Heute: Wo sich Reisebüros engagieren.

Reisebüros zeigen Herz: Menschen in Notlagen zu unterstützen ist vielen Reiseberaterinnen und -beratern ein großes Anliegen. Sie stoßen soziale Projekte an und helfen mit, wo sie nur können. Das zeigte sich etwa in der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Touristiker organisierten mehrere private Hilfstransporte. So brachten Carsten Schürenberg (PP Touristik) und die Reisebüro-Inhaberin Anke Budde rund 30 Tonnen Hilfsgüter in die Region.

Auch die Impfproblematik rief Helfer aus dem Vertrieb auf den Plan. Als im Frühjahr die Impftermine rar waren und ältere Mitbürger vielerorts mit der Situation überfordert waren, leisteten Agenturchefin Annette Eilers aus Ballrechten-Dottingen und ihre Mitarbeiterin Christina Kiefer Nachbarschaftshilfe. Die Frauen organisierten Impftermine für Senioren in der Umgebung. Drei weitere Beispiele zeigen, wie Unternehmer Menschen in Destinationen und in der Nachbarschaft helfen.

Hilfe für Afrika: Famtrip soll Agentur unterstützen

Als Volker Schmidt erfuhr, wie sehr die Corona-Pandemie seinen Business-Partner in Afrika in Existenznot versetzt, war er bestürzt. Seit vielen Jahren pflegt Schmidt, Inhaber der Agentur Serviceplus Reisen in Ladenburg, eine enge geschäftliche Beziehung zu Pure African Safaris in Tansania. Wann immer Kunden ganz besondere individuelle Reisemomente in Afrika wünschten, war es Dennis Kimario in Arusha, der eine Lösung parat hatte. "Unsere Partner in den Destinationen haben uns schon so oft aus der Klemme geholfen", sagt Volker Schmidt.

Serviceplus Reisen Ladenburg

Volker Schmidt (57) ist Inhaber von zwei Reisebüros in Ladenburg und in Mörlenbach (Rhein-Neckar-Kreis). Details zum Programm des Fam Trip nach Tansania im Februar hat er auf der Website sehnsuchtwecker.de/tansania-famtrip-2022 zusammengefasst.

Der Unterschied in der Krise ist: Reisebüros können sich in Deutschland in der Regel mit der Überbrückungshilfe durch die Pandemie retten. Für Agenturen in anderen Ländern wie etwa in Afrika gibt es jedoch meistens nichts. "Dennis konnte sein Team eigentlich nicht mehr bezahlen, wollte die Mitarbeiter aber nicht entlassen, weil er wusste, dass sie finanziell abstürzen und ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken konnten", erzählt Schmidt. Damit war für ihn klar, dem Partner in Afrika in der Krise zur Seite zu stehen. "Ich wollte irgendetwas tun", sagt Schmidt. Nur was?

Am Ende entwickelte er die Idee, gemeinsam mit Dennis Kimario für Reisebüro-Kolleginnen und -Kollegen einen Fam Trip nach Tansania zu organisieren. Eigentlich hätte die Reise bereits in diesem Frühjahr stattfinden sollen, musste dann aber wegen Corona verschoben werden. Jetzt hat Volker Schmidt den Termin auf 14. bis 19. Februar 2022 gesetzt.

Zum Programm zählen unter anderem eine Safaritour, der Besuch des Serengeti-Nationalparks sowie von zwei Sozialprojekten, damit die Gäste das reale Leben und den Alltag in Afrika besser kennenlernen. Die Teilnahme kostet zum Selbstkostenpreis 1180 Euro zuzüglich Flugkosten. Auf das Geld von Sponsoren oder Einladungen hat Schmidt bewusst verzichtet, um die beste finanzielle Unterstützung herauszuholen. "Es geht darum, den Menschen zu zeigen, dass wir an sie denken", sagt er. "Das ist ein Zeichen, das wir setzen können."

Für Bedürftige: Büroleiter sammelt Spenden

Der November ist einer der stressigsten Monate für Michael Draeger. Jedes Jahr sammelt der Leiter des Reisecafés Stoffregen in Dortmund in der Vorweihnachtszeit Spenden für die Schwerter Tafel.

Schon vor 15 Jahren hat er damit angefangen. Der Grund für sein Engagement war eine Situation im Supermarkt: "Ein Kind wollte gern eine Tafel Schokolade haben. Die Mutter war aber nicht in der Lage, die Schokolade zu kaufen, und das in der Vorweihnachtszeit", erzählt Draeger. Damit war seine Idee geboren, die Tafel zu unterstützen, die Bedürftige im Ort Schwerte nahe Dortmund mit Mahlzeiten und Lebensmitteln versorgt.

Michael Draeger mit Peter Höck von der Schwerter Tafel und seinem langjährigen Freund Sascha Blumenstein.
Reisecafé Stoffregen
Michael Draeger mit Peter Höck von der Schwerter Tafel und seinem langjährigen Freund Sascha Blumenstein.

Michael Draeger (49, links) leitet das Reisecafé Stoffregen in Dortmund. In diesem Jahr hat der Reiseverkäufer  18,5 Tonnen Spenden für die Schwerter Tafel gesammelt.

Nach der Arbeit im Reisebüro und am Wochenende sammelte Draeger in den vergangenen Wochen haltbare Lebensmittel, Bücher, Süßigkeiten und Spielsachen für bedürftige Einwohner ein. Die Spenden stapelten sich in seiner Garage. Um möglichst viele Unterstützer zu finden, verteilte der 49-Jährige Flyer, bat Freunde, Nachbarn und Geschäfte um Spenden.

Oft fuhr er zu diesen nach Hause und sammelte die Hilfsgüter ein oder nahm sie bei sich zu Hause entgegen. Zunächst schien es, dass das Spendenvolumen in diesem Jahr bei Weitem nicht das von 2020 erreichen könnte. "So schwer war es noch nie", sagt Draeger. Die Sachspenden seien zurückgegangen, unter anderem wegen der Flutkatastrophe in Deutschland in diesem Jahr. Draeger: "Das Geld können die Menschen nun mal nur einmal ausgeben."

Bis spät in die Nacht verfasste Draeger E-Mails und rotierte. Die Mühe hat sich gelohnt: Am Ende kamen 18,5 Tonnen zusammen. Diese werden jetzt nach und nach bei der Schwerter Tafel herausgegeben. Draeger ist auch dabei. "Das mache ich sehr gern, weil man sieht, wie sehr sich die Menschen freuen", sagt er. "Ich kann die Welt nicht verändern, aber versuche sie ein bisschen schöner zu machen."

Kinderhilfe: Reisegruppen besuchen Projekte

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Agentur Reisewelt Teiser und Hüter im hessischen Neuhof hat sieben Kindergärten in Sri Lanka gebaut und eine Berufsschule für Näherinnen gegründet. Sie übernimmt darüber hinaus für die ärmsten Patienten in Krankenhäusern Medikamentenkosten, unterstützt in der Landwirtschaft und ermöglicht armen Kindern ein betreutes Lernen sowie Tanzunterricht.

Joachim Teiser (63, hier bei einer feierlichen Eröffnungszeremonie in Olombewa), Geschäftsführer des Reisebüros und Veranstalters Reisewelt Teiser & Hüter
Reisewelt Teiser und Hüter
Joachim Teiser (63, hier bei einer feierlichen Eröffnungszeremonie in Olombewa), Geschäftsführer des Reisebüros und Veranstalters Reisewelt Teiser & Hüter

Joachim Teiser (63), Geschäftsführer des Reisebüros und Veranstalters Reisewelt Teiser & Hüter, hat Kinderhilfsaktionen für Sri Lanka und Tansania ins Leben gerufen. 

Wer für die Operation des fünfjährigen Mädchens spenden möchte, hier die Kontodaten: Konto der Kinderhilfe Sri Lanka e.V. bei der Genossenschaftsbank Fulda, IBAN: 18 5306 0180 0001 113100, Betreff "Hilfe für Sabadili".

Die Projekte kamen zustande, nachdem das Reisebüro vor 29 Jahren zum ersten Mal Gruppenreisen nach Sri Lanka organisierte. Dabei ist die enge Bindung zwischen der Agentur und dem Land vor allem dem zweitältesten Mitarbeiter des Reisebüros, Ivor Vancuylenburg (63) zu verdanken. Der Mann stammt aus der Hauptstadt Colombo und begleitete die Reisen nach Sri Lanka. "Dadurch hatten wir keine Sprachbarrieren und bekamen ein Gefühl für die Mentalität", sagt Teiser.

Wann immer das Reisebüro Gruppenreisen dorthin unternahm, hatte es Hilfsgüter im Gepäck. "So entwickelte sich langsam eine Freundschaft, unter anderem zum dortigen Priester Rathanepala Thero", erzählt Teiser. Schließlich nahm die Arbeit so viel Raum ein, dass der Unternehmer den Verein "Kinderhilfe Sri Lanka" gründete, um Spenden zu sammeln und armen Kindern im Dorf Kekirawa in Zentral-Sri-Lanka zu helfen. 

Inzwischen zählt der Verein 510 Mitglieder. Nach wie vor führt Teiser regelmäßig Gruppenreisen mit bis zu 30 Teilnehmenden nach Sri Lanka durch. "Jeder unserer Gäste lernt unsere Projekte dort kennen", sagt Teiser. So nehmen die Reisenden etwa an Zeremonien von Hauseinweihungen teil oder schnuppern in den Berufsschulunterricht hinein. "Das ist das Schöne – dass man nachhaltigen Tourismus gut mit solchen sozialen Projekten verbinden kann. Und die Gäste sind beeindruckt, weil sie das tatsächliche Leben abseits der touristischen Pfade kennenlernen", sagt Teiser.

Aktuell sammelt er Geld ein, um einem an Leukämie erkrankten 5-jährigen Mädchen im Dorf eine Operation zu ermöglichen. Bislang sind 24.000 Euro zusammengekommen. Rund 30.000 Euro sind nötig für die nötige Transplantation. "Ohne die Operation hätte das Kind nie eine Chance zu überleben. Wir hoffen, dass die Operation im Frühjahr finanziert werden kann. Teiser: "Die soziale Arbeit gibt uns Kraft und macht uns auch stolz."

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