Reisebüro-Deko

262 Sandgläser suchen einen neuen Besitzer

Claus-Dieter Binder vor einem Teil seiner Sand- und Kiessammlung von den Stränden dieser Welt.
privat
Claus-Dieter Binder vor einem Teil seiner Sand- und Kiessammlung von den Stränden dieser Welt.

Es ist ein großer Schritt für Claus-Dieter Binder: Der 79-Jährige schließt wegen Corona sein stationäres Reisebüro in Grafing bei München und will im Homeoffice arbeiten. Nun sucht er einen neuen Besitzer für seine 262 Gläser mit Sand und Kies von allen fünf Kontinenten.

Dass er nach 40 Jahren im eigenen Reisebüro das Ladengeschäft abschließe, sei zwar "eine emotionale Geschichte" für ihn. Aber aufhören wolle er deshalb noch lange nicht, sagt Claus-Dieter Binder. Aus dem Homeoffice heraus ließen sich die Kunden schließlich auch bestens bedienen. "Da muss man sicherlich an der ein oder anderen Stelle etwas umdenken, aber gelernt ist gelernt", sagt der Touristiker.

Seit gut einem Jahr seien seine Ladentüren nun geschlossen. "Wenn sich Kunden gemeldet haben, dann um zu fragen, wie sie kostenlos aus ihrer Buchung kommen", erläutert der Reiseprofi. Sein 100 Quadratmeter großer Laden sei wie verwaist. "Erst habe ich die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit geschickt, sie schließlich aber doch entlassen müssen", erläutert der Inhaber. "Ladenmiete plus Gehälter plus Corona sind wirtschaftlich eine ungute Mischung. Nun haben sich die Kontakte auf Telefon und E-Mail reduziert." Dafür brauche er keinen großen Laden.

Sein Herz hänge nun auch an einer weiteren Frage: Was nämlich soll mit den 262 Gläsern Sand und Kies geschehen, die er aus der ganzen Welt zusammengetragen hat? Abgefüllt in Halbliter-Einweckgläsern stehen die Proben aufgereiht in Regalen seines Büros.

Bei seinen Reisen in mehr als 100 Länder habe er die Proben von Stränden zusammengetragen – und nicht versäumt, sie säuberlich zu beschriften. Die Proben kommen beispielsweise aus Lohifushi auf den Malediven, aus Ierapetra auf Kreta oder von Papeete auf Tahiti.

"Bei der Beratung haben mir die Gläser gute Dienste getan", sagt Binder. Häufig habe er ein Glas aus dem Regal genommen und seine Kunden hineingreifen lassen. "Dann habe ich gesagt: Und in diesem Sand könnten Sie liegen." Die Kunden hätte das gut unterhalten und "schon mal in Urlaubsstimmung gebracht".

"An dieser Sammlung hängt mein Herz"

Zudem sei die Sandsammlung ein Blickfang. "Sind das alles Gewürze?", hätten ihn Kunden häufig gefragt, erinnert sich Binder. Und die Kunden seien dann begeistert gewesen, wenn er ihnen gesagt hätte, dass es sich um gesammelten Sand von den Stränden dieser Welt handle.

Allerdings: Mitnehmen ins Homeoffice könne er die 262 Gläser unmöglich, so der Reiseprofi. Einfach wegwerfen wolle er sie aber auch nicht. "Ist doch klar, dass an dieser seltenen Sammlung mein Herz hängt", sagt er. Also habe er beschlossen, einen neuen Besitzer für die Gläser zu suchen. "Vielleicht ist ja jemand interessiert."

Zwei Bedingungen stellt er dabei jedoch. Erstens wolle er die Sammlung nur in ihrer Gesamtheit abgeben. "Das wäre mir schon wichtig, dass alle Gläser zusammenbleiben." Zweitens habe er entschieden, die Sammlung gegen "einen kleinen symbolischen Preis" abzugeben. "Dies nur, um sicherzustellen, dass es jemand wirklich ernst meint mit meiner Sammlung."

Interessenten können sich per Mail an Claus-Dieter Binder wenden (claus-d.binder@reisebuero-binder.de). "Wie die Sammlung dann zum neuen Besitzer kommt, darüber können wir noch sprechen."

Der Start im Homeoffice sei sicher ein tiefer Einschnitt in seinem Berufsleben, sagt Binder. "Da käme es mir sehr gelegen, wenn ich die Sammlung in besten Händen wüsste."
12 Kommentare Kommentieren

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6.
Sabine Praster
Erstellt 23. Februar 2021 12:49 | Permanent-Link

Hallo aus Graben-Neudorf im Badener Ländle: Ich habe auch aus vielen Ländern Sand mitgebracht, aber auf eine solche Sammlung habe ich es nicht gebracht. Die Idee, den Flughafen München (oder auch einen anderen Flughafen) zu kontaktieren , finde ich super. Da ich mittlerweile ebenfalls im Homeoffice arbeite, ist der Platz für so viele Gläser leider nicht vorhanden. Viel Glück bei der Suche nach einem neuen wertschätzenden Besitzer und alles Gute. Herzliche Grüße Sabine Praster

c.-d. binder
Erstellt 23. Februar 2021 13:10 | Permanent-Link

@Sabine Praster: Vielen Dank. Es gibt scheinbar doch einige Sandsammler. C.-D. Binder

5.
Martina Stender
Erstellt 23. Februar 2021 12:42 | Permanent-Link

Schöne Idee, nur komplett abzugeben... Habe selbst auch an die 100 Gläschen, die ich irgendwann auch nur komplett weggeben würde. Touristik-Museum finde ich auch gut, dorthin würde ich sie sogar kostenlos geben, ansonsten auch nur gegen Schutzgebühr.

4.
Jutta Guesmi
Erstellt 23. Februar 2021 12:25 | Permanent-Link
bearbeitet

Hallo aus Landau in der Pfalz, ich selbst habe über 100 Sandgläser in meinem Schaufenster stehen, alles selbst gesammelt und bin auch sehr stolz darauf. In manchen Orten habe ich es aber leider versäumt welchen einzupacken (z.Bsp. von Ireapetra) oder war zu meiner Reisezeit schon nicht mehr möglich (z.Bsp. Sardinen 2018). Ich wäre sehr an dieser Sammlung interessiert, denn ich weiß sie auch sicher sehr zu schätzen. Liebe Grüße vom sonnenklar.TV Reisebüro in Landau, Jutta Guesmi


c.-d. binder
Erstellt 23. Februar 2021 13:07 | Permanent-Link

@Jutta Guesmi: dann melden Sie sich doch einfach bei mir: claus-d.binder@reisebueero-binder.de

Jutta Guesmi
Erstellt 23. Februar 2021 13:37 | Permanent-Link

@c.-d. binder: habe ich schon getan. Liebe Grüße Jutta Guesmi

Jutta Guesmi
Erstellt 23. Februar 2021 13:38 | Permanent-Link

@c.-d. binder: hoffe, mein Email ist angekommen?

3.
Ingo Simandi
Erstellt 23. Februar 2021 12:19 | Permanent-Link

Es wäre schön, wenn die Reisebranche ein Museum hätte, dann wäre diese Sammlung bestens untergebracht. Vielleicht hat der Münchner Flughafen daran Interesse, denn er ist doch ein Tor zur Welt.

c.-d. binder
Erstellt 23. Februar 2021 13:12 | Permanent-Link

@Ingo Simandi: Gute Idee. Wenn niemand die Gläser will, versuche ich es einmal biem "Tor zur Welt" C.-D. Binder

Walter Krombach
Erstellt 5. März 2021 17:36 | Permanent-Link

@Ingo Simandi: Es gibt zwar (noch) kein Museum, aber ein "Historisches Archiv zum Tourismus" in Berlin, da sind auch manche Devotionalien aus der Tourismusgeschichte zu finden (www.hist-soz.de). Leider hat die Branche nie Intertesse gezeigt, diese einmalige Sammlung anstatt in mehreren 100m-Kellerregalen repräsentativ auszustellen.

2.
Sebastian von Stein
Erstellt 23. Februar 2021 12:16 | Permanent-Link

@Rembeck: Ihr Kommentar ist peinlich. - Was bitte soll an dieser Geschichte peinlich sein?? Heutzutage darf man Sand nicht mehr von den Stränden mitnehmen, aber früher hat keiner darüber nachgedacht. Statt den Sand also zu verstreuen, ist es doch nur gut, wenn er seine Sammlung weitergibt!

1.
HG Rembeck
Erstellt 23. Februar 2021 12:07 | Permanent-Link

peinlich...

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