fvw|TravelTalk Workshop (mit Bildergalerie)

Für die Kanaren geht es aufwärts

Beim fvw|TravelTalk Workshop Gran Canaria lernten die Reisebüro-Profis vor allem das Inselinnere kennen. Hier ein Blick nahe des Bergdorfs Tejeda.
Carsten Milbret
Beim fvw|TravelTalk Workshop Gran Canaria lernten die Reisebüro-Profis vor allem das Inselinnere kennen. Hier ein Blick nahe des Bergdorfs Tejeda.

Die Buchungen ziehen an, das Flugangebot steigt. Der fvw|TravelTalk Workshop auf Gran Canaria zeigte: Die Inseln sind startklar für die Wintersaison.

Endlich wieder zusammenkommen und auf Tour gehen: So hilfreich und wichtig digitale Meetings in der Pandemie auch sind – beim fvw|TravelTalk Workshop auf Gran Canaria war deutlich zu spüren, dass die Reiseprofis den persönlichen Kontakt wie die Luft zum Atmen brauchen. Das gilt auch für die Touristiker auf den Kanaren. Der Workshop war das erste Live Event auf den Inseln in diesem Jahr. "Es ist wichtig, dass wir uns wieder ins Gesicht schauen können. Das macht uns und unsere Branche aus", sagte Pablo Llinares, Tourismusdirektor von Gran Canaria.

Die gestiegenen Buchungen für die Kanaren, seitdem Spanien nicht mehr als Hochrisikogebiet gilt, beflügelten die Freude über das persönliche Treffen noch. In den vergangenen Wochen und Monaten seien die Zahlen der deutschen Touristen auf die Kanaren "exponentiell gewachsen", sagte Arturo Ortiz, Direktor von Turespaña in Berlin.

fvw|TravelTalk Workshop: Reiseprofis erleben unbekannte Seiten von Gran Canaria



Die Besucherrangliste führen die Deutschen in diesem Jahr auf den Kanaren ganz klar an. Das Archipel ist ein klassisches Ziel deutscher Reisender, vor allem auch im Winterhalbjahr. In Zeiten der Pandemie gilt das mehr denn je. Schließlich fallen viele Fernziele, vor allem in Asien, aufgrund der Restriktionen aus dem Raster der bereisbaren Länder in der kalten Jahreszeit. Auch deshalb kam der fvw|TravelTalk Workshop für die 30 Reiseverkäuferinnen und -verkäufer, die an fünf Tagen Gran Canaria erkundeten, gerade recht. Ohne die Umsätze für Gran Canaria – mit 853.000 deutschen Besuchern 2019 hierzulande die Nummer eins der Kanaren –, Fuerteventura (680.000 Besucher), Teneriffa (636.000 deutsche Gäste) und den kleineren Inseln sieht es in den kommenden Wochen mau aus am Counter.

Zudem erfüllen die Kanarischen Inseln die Kriterien, die den deutschen Urlaubern seit Corona besonders wichtig sind: eine hohe Impfquote (mehr als 80 Prozent) und damit niedrige Inzidenzen, gute Sicherheits- und Hygienekonzepte sowie eine mögliche schnelle Rückreise. "Das Vertrauen der Deutschen in die Kanaren ist da", sagte Llinares. Und der Markt erholt sich zusehends. Während das Minus der deutschen Gäste im Juni 2021 im Vergleich zu Juni 2019 für Gran Canaria noch bei 53 Prozent lag, reduzierte es sich im August auf 30 Prozent.

Buchungen in die Höhe geschnellt

Das spiegelt sich auch in den Buchungseingängen der großen Veranstalter wieder, wie die Kanaren-Experten der Anbieter beim Workshop-Kongresstag auf Gran Canaria bestätigten. So schickt Marktführer TUI jeden zweiten Gast in der Wintersaison auf die Inseln. Doreen Schwebe, Head of Local Product Management Sun & Beach bei TUI Deutschland, spricht von stetigen Zuwächsen für Herbst und Winter. "Ein schönes Signal", sagte sie beim Kongresstag im Lopesan Hotel Villa del Conde.

Ein Signal, das zugleich sehr von Kurzfristigkeit geprägt ist. Heute buchen laut Llinares 13 Prozent der Reisenden ihren Urlaub zwischen einem Tag und 15 Tagen vor Abreise. "Es gibt Tage, an denen abends anreisende Gäste am Morgen noch gar nicht im System erfasst waren", sagt Arno Richartz, der mit seiner Agentur Viajes Canarias Europa Incoming-Partner von Schauinsland-Reisen ist. Auch bei Alltours laufen die Buchungen zum Teil erst einen Tag vorher ein, berichtete Destinationsmanagerin Jana Sperner.

Der hohe Last-Minute-Anteil erschwert die Planungen auf allen Ebenen. "Es ist fraglich, ob die Urlauber wieder zu ihrem alten Buchungsverhalten zurückkehren", sagte Ortiz. Dennoch erwartet der Chef des Berliner Turespaña-Büros eine gute Wintersaison für die Kanaren und 2022 ein gutes Jahr für Spanien insgesamt. Schließlich hat das Land, auch dank der landesweit hohen Impfquote, Corona gut im Griff.

Punktuell ist die aktuelle Nachfrage für die Kanaren so groß, dass es bei Schauinsland-Reisen sogar schon zu Stop-Sale-Meldungen kam, da einzelne Hotels ausgebucht sind. Alltours-Expertin Sperner sieht derzeit vor allem für den Herbstferien-Monat Oktober eine hohe Nachfrage. Manuel Morales, bei der FTI Group zuständig für Spanien, erwartet zudem ein gutes Geschäft über Weihnachten und Silvester, auch wenn dieser Zeitraum noch nicht, wie vor Corona, schon jetzt stark gebucht ist. Allerdings, so Sperner und Morales, es gebe auch schwächere Monate wie Januar und Februar, in denen man selbst in guten Jahren von Overtourism weit entfernt gewesen sei.

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An den Flugkapazitäten jedenfalls soll der Kanaren-Aufschwung nicht scheitern. Die liegen über dem Niveau von 2019. Für Gran Canaria gebe es im Oktober aus Deutschland 9,1 Prozent mehr Sitze, im November und Dezember jeweils 4,7 Prozent als vor Corona, sagte Fernando Arias vom Fremdenverkehrsamt Gran Canaria. Paul Schwaiger, Verkaufschef des Marktführers Condor, appellierte daher an die Hoteliers, entsprechend mitzuziehen: "Die Kanaren werden sehr gut nachgefragt. Ich möchte die Kollegen dazu animieren, alle Hotels zu öffnen. Sollte das Bettenangebot nicht ausreichen, bekommen wir ein Problem."

Nach Einschätzung der Veranstalter dürften allerdings fast alle Häuser im Winter zur Verfügung stehen. Nur wenige könnten das Geschäft auf ihre besten Anlagen konzentrieren, meinte Morales. Einige Hotelgruppen wie etwa Cordial Hotels & Resorts haben durch die Krisenzeit hindurch ihre Anlagen offen gehalten. "Nur wenige Ketten haben durchgehalten und konstant geöffnet", sagte Sylke Gnefkow, Marketing-Verantwortliche bei Cordial.

Mehr Flüge in der Wintersaison

Condor jedenfalls hat die Hausaufgaben gemacht und die Kapazitäten auf die Kanaren gesteigert. Mit 33 Flügen pro Woche von sieben deutschen Flughäfen steuert die Airline allein Gran Canaria derzeit an. Das Preisniveau bewegt sich laut Schwaiger dabei in einem "normalen Rahmen" wie im Winter 2019/20. Das gelte auch für die Hotelpreise, hieß es in der Veranstalter-Runde.

Auch wenn die Buchungen gut laufen, sind sich die Veranstalter einig: Die Verluste von Anfang des Jahres sind nicht mehr auszugleichen. Zwar scheuen sich die Urlauber nicht, mehr Geld auszugeben und entscheiden sich für gehobenere Hotels und auch längere Aufenthalte, hat Uta Dirksen, Produktmanagerin bei DER Touristik, festgestellt. "Den Buchungsstillstand von Januar bis März holen wir für die Sommersaison aber nicht mehr auf", sagte sie. Es gelte daher, sich Schritt für Schritt weiter aus der Krise zu hangeln und auf Sicht zu fahren, betonte FTI-Manager Morales.

Auf Natur- und Aktivurlaub setzen

Das heißt auch, auf die geänderten Bedürfnisse der Reisenden einzugehen. "Wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, dass irgendwo auf der Welt etwas passiert und dadurch die Kanaren wieder voll werden", sagte Richartz. Mehr als zuvor wollen die Gäste raus in die Natur und aktiv sein. "Da wünsche ich mir von den Veranstaltern mehr gebündelte Pakete, etwa mit Klettern, Mountainbiking und Wandern", sagte Monika Haller, Inhaberin von My Vida Travel in Korb. Bei TUI Musement gebe es zumindest Wander- oder Fahrradtouren zu buchen, sagte Doreen Schwebe von TUI.

Am Sport- und Aktivangebot scheitert es jedenfalls nicht. Die Insel hat etliche Wander- und Radrouten durch die abwechslungsreiche Landschaft mit jahrhundertealten Pinienwäldern, den Felsformationen auf bis knapp unter 2000 Metern, Lorbeerwäldern und der langgezogenen Küste zu bieten. "Die Region ist viel ursprünglicher und das komplette Gegenteil von der berühmten Ferienregion im Süden", sagte Arias vom Fremdenverkehrsamt, der aus Las Palmas stammt. Genau dieses unbekannte Gesicht der Insel lernten die Reiseprofis beim fvw|TravelTalk Workshop kennen.

Jüngeren Gästen diese Seite der Insel näher zu bringen, sehen Astrid van Wijk, Verkaufs- und Marketing-Direktorin von Seaside Collection, sowie Pablo Guillén, Director von Total Hotel Experience (THe), als Aufgabe für die Zukunft. Auch an Nachtleben mangelt es nicht. Die Einkaufs- und Clubzentren in Playa del Inglés seien aber "teilweise in die Jahre gekommen", sagte Dirksen. Die Insel müsse im Trend bleiben.

Für sportliche Urlauber – ob Surfen, Tauchen oder Radfahren – gibt es ein großes Angebot. Viele junge Menschen reisten für einen Aktivurlaub bis nach Neuseeland oder Australien. "Dabei kann man all das auch auf den Kanaren erleben", sagte Guillén. Mit dieser Erkenntnis ging auch Alexander Stroschän, Inhaber von vier Reisebüros in Düsseldorf, nach Hause: "Ich weiß jetzt, dass ich nicht nur Best Ager, sondern auch jüngere Kunden auf die Insel schicken kann."

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