fvw|TravelTalk-Workshop (mit Galerie)

Wie Teneriffa im deutschen Markt aufholen will

Im Süden der Insel ging es auf den Katamaran, um Wale und Delfine zu sichten.
FVW Medien / Christian Wyrwa
Im Süden der Insel ging es auf den Katamaran, um Wale und Delfine zu sichten.

Die deutschen Besucher liegen in der Rangliste der Kanaren-Insel deutlich hinter den Briten. Wie Teneriffa mehr deutsche Urlauber locken möchte, wie die Perspektive aussieht und womit Teneriffa überzeugt, zeigte der fvw|TravelTalk Workshop.

Findet die Veranstaltung statt oder nicht? Diese bange Frage beschäftigte mehrere Reiseprofis, die sich für den fvw|TravelTalk Workshop auf Teneriffa angemeldet hatten, vor der Abreise Anfang Dezember. Zumal einige Veranstalter ihre Info-Reisen abgesagt hatten, seitdem die vierte Corona-Welle durch Deutschland rollt. "Dass der Workshop dann starten konnte, war eine schöne Überraschung", sagte Birthe Kalski, selbstständige Reiseberaterin in Ahrensburg. "Ich bin mit einem guten Gefühl aufgebrochen, weil ich wusste, dass alle sehr vorsichtig sein werden."

Vorsichtig sein und zugleich motiviert bleiben, das war eine der viel beschworenen Formeln beim Workshop. Umso mehr freute man sich auf Teneriffa über die Ankunft der rund 30 Reiseverkäuferinnen und Reiseverkäufer. "Wie schön, dass ihr endlich da seid", begrüßte Barbara Bamberger vom Tourismusamt die Gruppe. Wegen der Pandemie hatte es mehrere Anläufe gebraucht, bis das Event realisiert werden konnte.

fvw|TravelTalk Workshop: Touristiker erleben Teneriffa



Viele Teilnehmer besuchten Insel zum ersten Mal

Deutsche Urlauber für die Insel begeistern
 – darum ging es Teneriffa. Die Reiseberaterinnen und Reiseberater bekamen die Gelegenheit, die Destination zu erkunden, um sie ihren Kunden näherzubringen. Viele Teilnehmende waren zum ersten Mal auf Teneriffa, wie etwa Sonja Wenc, Inhaberin von Langjahr-Reisen in Güglingen, die die Insel lediglich von Tagesausflügen kannte. "Ich habe bislang viel Gran Canaria verkauft und wollte gern erfahren, wie sich die Inseln unterscheiden", sagte sie.

Während auf Gran Canaria und Fuerteventura Deutsche die wichtigste Kundengruppe stellen, sind es auf Teneriffa britische Urlauber (2,2 Mio. vor Corona). Mit 639.000 Gästen im Jahr 2019 ist die größte der Kanarischen Inseln gleichwohl ein bedeutendes Zielgebiet für den deutschen Markt. "Wir wollen, dass die Deutschen verstärkt und langfristig zu uns kommen", sagte Inselratspräsident Pedro Manuel Martín beim Kongresstag im Hotel Botánico. 

Impfquote und Hygienevorschriften zahlen sich aus

Bis vor wenigen Wochen waren die Kanaren stark gefragt. Sie können mit einer Impfquote von mehr als 80 Prozent, niedrigen Inzidenzen sowie hohen Hygienevorkehrungen bei den Deutschen punkten und sind kein Hochrisikogebiet. Doch sowohl die Vertreter der Veranstalter als auch Paul Schwaiger, Verkaufschef der Condor, und Heiko Brix, Head of Touristic Offer Management bei Eurowings, berichteten von einer schwächeren Buchungslage seit November. Eineinhalb Jahre habe sich die Branche durch die Krise geackert, sagte Schwaiger. "Da sind die hohen Inzidenzen und die Omikron-Variante wie ein Schlag in die Magengrube."

Veranstalter sind optimistisch für 2022

Schwaiger appellierte an die Reiseprofis, "den Menschen die Angst vor dem Reisen zu nehmen". "Auf Teneriffa ist es sicherer als in Deutschland", meinte er und ist auch deshalb optimistisch, dass sich die Lage schnell wieder erholen wird. An den 25 Flügen von sieben deutschen Abflughäfen wolle Condor zunächst festhalten. Brix sieht die Situation kritischer und kündigte an, dass Eurowings auf die verlangsamte Buchungsdynamik reagieren müsse. An den Abflughäfen für die rund 20 wöchentlichen Verbindungen werde nicht gerüttelt, aber voraussichtlich müsse man Flüge zusammenlegen. 

Airline-Diskussion fvw|TravelTalk Workshop Teneriffa

Auch TUI, Alltours, FTI und Schauinsland-Reisen berichten von einer wieder verhalteneren Nachfrage. Alltours-Kunden hätten sich zuletzt von den Super-Last-Minute-Buchungen wegbewegt und verstärkt ihren Urlaub für den Sommer 2022 gebucht, sagte Destinationsmanagerin Jana Sperner. Doch dieser Effekt sei jetzt erst einmal verpufft. Klar sei, dass Alltours weiterhin am 2G-Konzept für die eigenen Allsun-Hotels festhalten werde: "Wir ziehen die Linie durch."

Deutsche geben seit Corona mehr Geld aus

Im Winter sind die Kanaren für alle Veranstalter ein entscheidendes Zielgebiet, bei TUI etwa fliegt jeder zweite Kunde auf die Inselgruppe. "Wir wollen fest daran glauben, dass sich die Situation wieder dreht und der Run auf die Reisebüros im Januar kommt", sagte Manuel Morales, Spanien-Verantwortlicher der FTI Group. Die Sehnsucht nach Sonne sei jedenfalls groß, so Doreen Schwebe, Head of Local Product Management Sun & Beach bei TUI Deutschland. Es gebe grundsätzlich einen enormen Nachholbedarf.

Der ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Deutschen jetzt bereit sind, mehr Geld für ihren Urlaub auszugeben, wie die Veranstalter berichteten. Das spielt Teneriffa in die Hände. Von den Kanaren verfügt die Insel über den höchsten Anteil an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. "Reisende wollen mehr Service und entscheiden sich jetzt für höhere Kategorien", sagte Arno Richartz, der mit seiner Agentur Viajes Canarias Europa Incoming-Partner von Schauinsland-Reisen ist.

Veranstalter-Diskussion fvw|TravelTalk Workshop Teneriffa



Auch für den Sommer 2022 zeigte sich die Veranstalter-Runde optimistisch, nachdem der Herbst für die Kanaren und Teneriffa bereits sehr gut gelaufen ist. Schwaiger kündigte an, dass die Sommerkapazität von Condor in etwa so wie 2019 geplant sei. 

Hoteliers drängen auf höhere Preise

Spannend wird, wie sich im Winter 2022/23 die Preise entwickeln. Daniel Garzon von der Hovima-Gruppe mit sechs Drei- und Vier-Sterne-Hotels kündigte an, 2022 wegen der steigenden Energiekosten und Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter die Preise anheben zu müssen. FTI-Experte Morales hingegen erwartet insgesamt keine großen Preissprünge für Pauschalreisen, da alle das Geschäft wieder ankurbeln wollten.

Auch die Airlines treiben die höheren Energiepreise um. Eurowings müsse daher weiter die Stückkosten reduzieren, sagte Brix. Condor und Eurowings sind mit Abstand die wichtigsten Carrier für Teneriffa, auf Platz drei rangiert TUIfly. Low Coster wie Ryanair und Easyjet bieten nur ein sehr überschaubares Angebot ab Deutschland. Die Zeiten von absoluten Billigpreisen seien mit Blick auf die Nachhaltigkeit ohnehin vorbei, waren sich Schwaiger und Brix einig.

Mehrere nachhaltige Projekte auf Teneriffa

Apropos Nachhaltigkeit – in Teneriffa steht das Thema ganz oben auf der Agenda. Die Inselregierung unterstütze Investitionen von Hotels in erneuerbare Energien, so Inselpräsident Martín. Ein gutes Beispiel für eine gelungene nachhaltige Strategie ist das Hotel Tigaiga in Puerto de la Cruz.

Das Haus hatte als Erstes in den 80er Jahren Sonnenkollektoren angebracht und setzt heute konsequent darauf, Abfall zu reduzieren und zu recyceln. Zudem bindet das Hotel mithilfe des eigenen Gartens 162 Tonnen CO2 im Jahr. "Wir haben mehr Palmen im Garten als Betten im Haus", sagte Hotelchef Enrique Talg.

Zudem haben viele Hotels die Pandemie genutzt, um ihre Häuser zu renovieren, wie etwa das Botánico, in dem die Gruppe in den ersten Tagen übernachtete. 18 Monate dauerte die Grunderneuerung. "Wir haben uns damit neu positioniert", sagte Verkaufschefin Kiki Luczak. Die Anlage befindet sich in Puerto de la Cruz – im Norden der Insel, eine bei deutschen Reisenden besonders beliebte Region. "Eine ideale Lage, um von dort Ausflüge zu unternehmen", sagt Luczak. 

Fokus sollte künftig auf Vielfalt liegen

Die Bandbreite der Ausflüge ist groß. "Wir haben das größte Freizeitangebot in einem touristischen Zielgebiet", betonte Christoph Kiessling, Vizepräsident des Loro Parque und Siam Park. Daneben gibt es Wandern, Wassersport und Walbeobachtung als Ausflugsklassiker.

Diese Aktivitäten und die Vielfalt der Insel mehr in den Vordergrund zu rücken, um so unabhängiger vom britischen Markt zu werden und noch mehr junge Gäste zu locken, sehen sowohl Airlines als auch Veranstalter als Aufgabe der Zukunft. "In der Destination steckt sehr viel Potenzial für den deutschen Markt", sagte Marika Schmidt, Produktchefin bei Ferien Touristik. Die Besonderheiten der Insel den Urlaubern nahezubringen gelinge den Reisebüros immer noch am besten. 

Deshalb war es den Touristikern von Teneriffa so wichtig, den Reiseprofis die verschiedenen Seiten der Insel zu zeigen. Der Trip hat seine Wirkung nicht verfehlt: "Teneriffa hat mich definitiv überzeugt", sagte Sigrun Schwanewilm (Solamento Reiseagentur) aus Schermbeck. Und Birthe Kalski weiß schon, welche Kunden sie auf die Insel schickt: "die Naturliebhaber".

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