Reisebüro-Schließungen

Sachsens Politik stellt Kehrtwende in Aussicht

Hoher Besuch im Dresdner Reisebüro KM-Reisen: Inhaber Knuth Müller und Büroleiterin Anett Herrmann mit der sächsischen Tourismusministerin Barbara Klepsch.
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Hoher Besuch im Dresdner Reisebüro KM-Reisen: Inhaber Knuth Müller und Büroleiterin Anett Herrmann mit der sächsischen Tourismusministerin Barbara Klepsch.

Die per Corona-Notverordnung verfügten Schließungen von Reisebüros in Sachsen haben hohe Wellen geschlagen. Jetzt stellt die Politik eine Kurskorrektur in Aussicht.

Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch hat sich dafür ausgesprochen, Reisebüros nicht wieder für den Publikumsverkehr zu schließen – unabhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen. Der Grund: Die Reisebüros erlitten dadurch "einen großen Nachteil zu anderen Bundesländern", wie es in einer Mitteilung der Ministerin heißt.


Stattdessen unterstütze sie die Forderung der Reisebüros, sie in der kommenden Corona-Verordnung dem Einzelhandel gleichzustellen, "und eine Öffnung für die Kunden unter 2G-Bedingungen auch bei steigenden Infektionszahlen zu ermöglichen". Zudem teile die Ministerin den Wunsch der Reisebranche nach bundeseinheitlichen Regelungen für den Tourismus.

Sollte es kommen, wie die Ministerin nun ankündigte, wäre das eine Kehrtwende der sächsischen Politik: Ende November hatte die Landesregierung Reisebüros per Corona-Notverordnung für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Regierung begründete dies mit den vergleichsweise hohen Infektionszahlen in Sachsen. Reisebüros könnten ja weiterhin per Telefon oder online verkaufen, hieß es. Inzwischen gilt die Regelung aber nicht mehr: Am 14. Januar 2022 wurde die Notverordnung aufgehoben, das heißt Reisebüros und andere Dienstleister können unter Beachtung der 2G-Regel für den Publikumsverkehr wieder ihre Türen öffnen.

Proteste wirken offenbar


Die verfügten Schließungen hatten starke Proteste von seiten sächsischer Reisebüros ausgelöst. Unter anderem wandte sich der Verein Dresdner Reisebüros mit offenen Briefen an die Landesregierung. Die Kooperation TSS ließ juristische Schritte gegen das Vorgehen prüfen. Der VUSR wurde in der Berliner Vertretung der sächsischen Staatskanzei vorstellig.

Auch nach Aufhebung der Corona-Notverordnung am 14. Januar haben Touristikvertreter nicht locker gelassen. Am Dienstag besuchte Barbara Klepsch das Dresdner Reisebüro KM-Reisen, ein Mitglied des Dresdner Reisebürovereins. Am Mittwoch sprach die Ministerin per Videoschalte mit Vertretern der Allianz selbständiger Reiseunternehmer Bundesverband (ASR). An dem Treffen nahmen mit Joachim Müller (Reisebüro/-veranstalter Grimma), Rainer Maertens (Reisebüro-Inhaber Dresden) und René Lang (Busunternehmer/Reisebüro Schwarzenberg) drei sächsische Mitglieder des Verbands teil.

Wichtige weitere Themen aus den beiden Gesprächen seien die Forderung an den Bund für eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes sowie der Überbrückungshilfe IV über den März hinaus gewesen, teilte das sächsische Tourismusministerium mit. Zudem hätten die Gesprächspartner kritisiert, dass in der allgemeinen Diskussion das Reisen als Pandemietreiber stigmatisiert wird. Sie hätten zudem deutlich gemacht, dass Reiseveranstalter, Busunternehmen und Hotels stark in Sicherheit und entsprechende Hygienekonzepte investiert haben.

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