Auswirkungen des Kriegs

Einige Reisebüros leiden, andere spüren keine Folgen

Zwar gibt es nach den Ergebnissen des Vertriebsklima-Index bislang keinen Ukraine-Effekt. Aber mehrere Reisebüros berichten, dass sich Kunden mit Neubuchungen zurückhalten.
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Zwar gibt es nach den Ergebnissen des Vertriebsklima-Index bislang keinen Ukraine-Effekt. Aber mehrere Reisebüros berichten, dass sich Kunden mit Neubuchungen zurückhalten.

Während der Vertriebsklima-Index kaum Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine anzeigte, ergibt sich beim genaueren Hinsehen ein gespaltenes Bild. Mehrere Reisebüros melden, dass sie die Folgen des Kriegs durchaus zu spüren bekommen. 

Als wir den jüngsten Vertriebsklima-Index veröffentlichten, wonach Reisebüros bislang keinen Ukraine-Effekt verspürten, bekamen wir gleich mehrere Nachrichten auf unserer Facebook-Seite von Reisebüros, die ein ganz anderes Bild zeichneten. Viele Agenturen spüren offenbar sehr wohl die Folgen des Krieges in der Ukraine, der inzwischen vier Wochen andauert. fvw|TravelTalk hat nachgehakt.

Einige Kunden sind offenbar so verunsichert, dass sie ihre Reisen lieber absagen. Diese Erfahrung hat etwa Sandra Postulart, Inhaberin JMS Reisen in Hannover, gemacht. Bereits in den ersten Tagen nach Ausbruch des Krieges wurde es bei ihr im Reisebüro ruhiger. "Viele Angebote wurden abgelehnt, weil die Kunden abwarten wollten. Dann wurde es sehr still. Es gab auch Stornierungen, zum Beispiel nach Österreich", sagt sie.

Reisebüro-Chefin rechnet mit reduzierten Preisen

Das Gute ist: Seit knapp einer Woche ziehe das Geschäft wieder an. Gebucht werde querbeet – von Kreuzfahrten bis zu Studienreisen sei alles dabei.

"Allerdings fehlen uns noch viele Familien", so Postulart. "Vielleicht liegt das an den hohen Kosten in Deutschland." Bei sinkenden Inzidenzen kann sie sich vorstellen, dass die Buchungen für die Türkei und Ägypten ansteigen, da sie in den Zielgebieten mit reduzierten Preisen rechnet. 

Reisebüros, die vor allem Reisen nach Osteuropa anbieten, trifft es besonders stark. Markus Kaczmarek, Chef von Tramex in Hamburg, der ausschließlich Gruppenreisen anbietet, musste natürlich seine Reisen nach Moskau und St. Petersburg sowie Sibirien mit dem Baikalsee absagen. Danach sind die Kunden auch von Baltikum-Rundreisen sowie Polen-Reisen, wo der Anbieter stark vertreten ist, zurückgetreten. "Viele stornieren und viele andere warten ab", sagt Kaczmarek. "Es läuft also nicht gut."

Reiseabsagen aus Angst vor Kriegsausdehnung

In anderen Agenturen hat der Krieg nicht zu Stornierungen geführt, aber offenbar buchen einige Kunden lieber vorerst keinen Urlaub. Das ist etwa bei Claudia Gromm, Inhaberin von Fantastic Reisen in Herne, der Fall: "Stornierungen haben wir glücklicherweise noch keine wegen der Geschehnisse", sagt sie. "Aber es gibt so einige, die Angst vor einem Krieg haben, der auch uns direkt betreffen könnte und halten sich daher mit Neubuchungen zurück."


In anderen Reisebüros ist die Lage diffus und keine eindeutige Tendenz feststellbar. "Es gibt Tage, da meinen wir, die Welt wäre wieder in Ordnung. Dann gibt es Tage, da passiert nichts, außer viele Fragen zur momentanen Situation", sagt Annette Brinker, Reiseclub Dortmund. So erhielt ihr Reisebüro einige Stornierungen für die Osterferien, die per Mail kämen und "komischerweise immer ohne Begründung".

Bei neuen Anfragen erkundigten sich die Kunden, ob Stornierungen möglich sind. Den Kunden bietet sie dann den Flextarif an, damit es überhaupt zu Buchungen komme. "Ich habe den Eindruck, dass die Kunden sehr verunsichert sind", sagt Brinker. "Die Pandemie ist für uns noch längst nicht vorbei. Die Kunden haben ja immer noch Stress, wenn sie kurzfristig positiv getestet werden, und jetzt kommt noch die Angst vorm Krieg dazu." 

März-Woche die "beste seit Januar"

Es gibt aber auch Reisebüros, die keinen Ukraine-Effekt feststellen. Im Gegenteil: Dort wird teilweise gebucht wie nie zuvor. So ist zumindest die Lage bei Falk Wehner, Leiter des Reisebüros Reiseland in Dessau-Roßlau. "
Bis jetzt hatten wir keinen Einbruch", sagt er. "Die vergangene Woche war sogar die beste Buchungswoche seit 1. Januar." Natürlich gebe es vereinzelte Kunden, die verunsichert seien. Aber auf die Gesamt-Buchungslage habe sich das nicht ausgewirkt. Das Reisebüro arbeitet ausschließlich mit Terminen. "Die dann zu uns kommen, buchen auch."

Dabei handelte es sich oft auch um höherwertige Reisen. "Auch wenn die Anzahl der buchenden Kunden leicht abgenommen hat, so buchen sie im größeren Stil für höhere Summen. Dadurch gleicht es sich mehr oder weniger aus", sagt Wehner. Reisen in die Karibik, USA, Thailand und Bali seien darunter, aber auch die Klassiker wie Griechenland, Spanien und Türkei.


Auch Peter Molnar, Inhaber vom Sonnenklar TV Reisebüro in Rüsselsheim, berichtet von einer anhaltend guten Buchungslage. Zwar habe er gleich nach der Invasion Russlands einen enormen Einbruch festgestellt. Aber ab der zweiten Woche sei die Buchungskurve wieder nach oben gegangen.

"Dieser Krieg ist ein Schock für alle", sagt er. "Aber die Reisebuchungen kamen schnell wieder zurück und halten sich auch seitdem." Selbst Buchungen in den östlichen Teil Europas liefen gut. "Alle Länder sind inzwischen bei uns genauso stark nachgefragt wie davor."

1 Kommentar

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1.
werner salheiser
Erstellt 30. März 2022 12:13 | Permanent-Link

Ich kann dem nur zustimmen. Unsere SM Aktivitäten bringen uns zur Zeit so viele Neukunden wie noch nie. Danke an Michael Faber und Martin Hein die uns immer in den .... treten und tolle Möglichkeiten anbieten sich weiter zu entwickeln.

Unser neuestes Projekt Travel on Air zu einer offenen Kunden Community zu entwickeln kommt jetzt auch langsam in Schritt.

erste Kundenanfragen kommen rein. Wir haben uns zum Ziel gesetzt in den nächsten 12Monaten eine Kundengruppe mit mehr als 10.000 Teilnehmern aufzubauen. Das ist viel - aber erste Veranstalter haben uns schon ihre Unterstützung zugesagt.



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