Workation

Das Homeoffice ans Meer verlegen

Touristikerin Corinna Döpkens zieht es immer wieder zum Arbeiten nach Südafrika.
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Touristikerin Corinna Döpkens zieht es immer wieder zum Arbeiten nach Südafrika.

Strandcafé statt Küchentisch: Das Homeoffice im Ausland ist beliebter denn je. Was Beschäftigte und Unternehmen bei Workation beachten sollten.

Es ist diese Luft, dieses Licht, diese Lebensfreude. Corinna Döpkens kommt immer wieder hierher, in dieses kleine Apartment in St. James, einem Vorort von Kapstadt. "Es ist mein Ort zum Auftanken und Arbeiten", lacht sie. Ihr Büro ist dann ein rustikaler Holztisch auf einer Terrasse mit Blick auf das Meer. Noch in der vergangenen Woche war die Touristikerin in Südafrika.

Und während hierzulande viele Menschen im Homeoffice unter hoher Arbeitsbelastung, zu wenig Bewegung und fehlenden Kontakten leiden, sieht Corinna Döpkens Arbeitstag in Südafrika ganz anders aus: "Jeden Morgen jogge ich erst einmal auf der Promenade am Meer entlang. Alle grüßen sich und lächeln unter der Maske", erzählt die selbstständige Beraterin und Dozentin. "Dann hole ich mir noch einen leckeren Kaffee aus der Scirocco Bar." Es ist vor allem diese bunte Lebensfreude, die sie fasziniert.



So wie Döpkens möchten immer mehr Menschen ihr Homeoffice vom Küchentisch unter Palmen oder in die Berge verlegen. Workation heißt der Trend, der zusammengesetzt aus Work und Vacation zeitlich befristete Aufenthalte in Urlaubsgebieten definiert. Es ist eine Form des mobilen Arbeitens und beschreibt die Möglichkeit, an einem Ort der Wahl zu arbeiten – ob nun im Café, Stadtpark oder Ausland.

49 Prozent der Homeoffice-Arbeiter wünschen sich einen regelmäßigen Tapetenwechsel und würden "gern ab und zu von einem anderen Ort aus arbeiten", so eine Expedia- Umfrage. 37 Prozent geben an, von einem anderen Ort als zu Hause entspannter zu arbeiten, 31 Prozent glauben, im Rahmen einer Workation produktiver zu arbeiten als in den eigenen vier Wänden.



Für Corinna Döpkens ist das überhaupt keine Frage. Die ehemalige Flugbegleiterin war schon immer viel unterwegs. "Ich konnte mir nie vorstellen, wochenlang im gleichen Büro zu sitzen", erzählt die Expertin für Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die sich vor zwei Jahren als Beraterin selbstständig gemacht hat.

"Ich brauche diesen Austausch mit anderen Kulturen, den Blick über den Tellerrand", erzählt die 41-Jährige. Besonders zu den Themen Nachhaltigkeit und Neustart des Tourismus gebe es in Südafrika viele spannende Projekte und innovative Start-ups. Ständig knüpfe man neue Kontakte. "Die Wochen in Kapstadt sind für mich sehr inspirierend", schwärmt sie. Südafrikaner seien offen, spontan und würden neue Ideen einfach schnell mal ausprobieren.



Schnell mal im Ausland arbeiten funktioniert dagegen nicht immer so einfach. Die BDAE-Gruppe, die sich unter anderem auf die Beratung zu Mitarbeitereinsätzen im Ausland spezialisiert hat, hat gerade alle Hände voll zu tun. "Seit der Corona-Pandemie haben sich die Anfragen zum Thema Homeoffice im Ausland verzehnfacht", berichtet Geschäftsführer Philipp Belau.

Es sei verständlich, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern dies auch ermöglichen wollen. "Trotzdem sollten Unternehmer keine voreiligen Zusagen machen", betont Belau. Zumindest wenn die Workation länger als vier Wochen geplant ist, sollten zuerst die rechtlichen Rahmenbedingungen abgeklopft werden.

Rechtsfragen bei Workation beachten

Seit 2014 berät die BDAE-Gruppe Unternehmen und Mitarbeiter, die länger als vier Wochen im Ausland arbeiten. Das sollten sie unbedingt beachten:

Aufenthaltsrecht: Befindet sich der Arbeitsort innerhalb der EU, ist dies wegen der Freizügigkeit kein Problem. Außerhalb von Europa können bestimmte Aufenthaltstitel wie ein Visum, eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine Arbeitserlaubnis erforderlich sein.

Arbeitsrecht: Welches Arbeitsrecht gilt im Arbeitsort? Sind vertragliche Spielräume möglich? Arbeitsrechtliche Anforderungen von Pausen, Arbeitszeiten bis zur Vergütung müssen eingehalten werden.

Steuerrecht: Je nach Dauer der Workation und Art der Tätigkeit müssen Arbeitgeber vorher prüfen, ob damit eine "steuerrechtliche Betriebsstätte" vorliegt. Wenn ja, müsste die Firma auch im Ausland Steuern zahlen.

Sozialversicherungsrecht: Wer länger als vier Wochen im Ausland arbeitet, fällt unter Umständen aus dem deutschen Sozialversicherungssystem und muss sich selbst absichern. Da der Auslandsaufenthalt vom Mitarbeiter gewünscht ist, kann dieser nicht im Rahmen einer Auslandsentsendung versichert werden. Die Frage sollte mit der jeweiligen Krankenkasse des Beschäftigten geklärt werden. In Zeiten von Corona ist eine gute Auslandskrankenversicherung besonders wichtig und in vielen Ländern eine Bedingung für die Einreise. Zudem sollten Beschäftigte prüfen, was ihre Unfall- und Haftpflichtversicherung im Ausland leistet.

Auch Beschäftigte müssen auf die Rechtsgrundlagen achten: "Wer länger als vier Wochen im Ausland arbeitet, fällt unter Umständen aus dem deutschen Sozialversicherungssystem", erklärt Belau. Für längere Workations müssen das jeweilige Arbeits- und Aufenthaltsrecht, die Steuerpflicht und nötige Versicherungen berücksichtigt werden.

Weitere technische Voraussetzungen für Workation sind ein stabiler W-LAN-Zugang sowie ein Laptop mit VPN-Verbindung für sensible Daten. Bestehende Arbeitszeiten gelten natürlich auch unterwegs. Um Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden, sollten Ziele, Erreichbarkeit und Abläufe genau abgestimmt werden. Längst haben Destinationen und Touristikunternehmen den Trend für sich entdeckt, bieten spezielle Workation-Angebote an und sehen in der Nische noch viel Potential.

Das sieht die Beraterin Döpkens genauso. Auch im Corona-Jahr 2020 hat sie drei Monate lang im Ausland gearbeitet, Angst hatte sie keine. Im Gegenteil: Sie ärgert sich, dass hierzulande Menschen, die trotz Pandemie verreisen, beschimpft werden. "Die Situation ist in Kapstadt viel besser als in Deutschland", berichtet sie. Alle tragen selbstverständlich Masken, es werde viel getestet und in Supermärkten pausenlos desinfiziert.

Für ihre aktuellen Projekte "Nachhaltiger Restart Tourismus" und im Bereich Geschäftsreise "Sicherheit und Gesundheit auf Reisen in Zeiten von Corona" hat sie gerade in Südafrika jede Menge Ideen gesammelt. In den nächsten Wochen wird sie daran feilen, bis sie wieder unruhig wird. Natürlich freue sie sich immer auf zu Hause und schmunzelt: "Aber nach zwei Monaten muss ich wieder los."

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