Projekt

Azubis drehen Film für Reisebüros

Azubis an der Berufsschule Mindelheim haben in verschiedenen Gruppen an dem Projekt gearbeitet.
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Azubis an der Berufsschule Mindelheim haben in verschiedenen Gruppen an dem Projekt gearbeitet.

Auch die angehenden Tourismuskaufleute an der der Berufsschule Mindelheim leiden unter der Corona-Krise, trotzdem bleiben sie optimistisch und drehen einen Kurzfilm für Reisebüros.

Auf dem Lehrplan steht Projektarbeit. Vor Corona haben die angehenden Tourismuskaufleute in der Berufsschule dann gern Events oder eine Klassen-Info-Reise auf die Beine gestellt. Das fällt 2020 coronabedingt flach. Und jetzt? An der Berufsschule Mindelheim (bei Augsburg) gehen die Azubis ganz neue, kreative Wege. Sie drehen einen Film gegen den Frust. Die 30 Schüler der Mindelheimer Abschlussklasse KRT12 wollen sich von der Krise nicht runterziehen lassen, können das aktuelle Gejammer nicht mehr hören. "Wir wollen nicht in der Opferrolle feststecken", sagt Leandra Hauser und lacht.

Dafür drehten die Azubis in den vergangenen Wochen einen Kurzfilm, der jetzt auf Youtube zu sehen ist. Thema: Wie sich Corona auf den Tourismus und die Situation der Azubis auswirkt. Ihr Projekt nennen sie "Touristiker am Limit" – es soll Kunden und vor allem jungen Menschen die Arbeit in Reisebüros näher bringen. Die Azubis wollen zeigen, was Reisebüros leisten, und mit Vorurteilen aufräumen.

Touristiker am Limit



"Viele Kunden wissen doch gar nicht, wie sehr die Reisebüros finanziell unter der Krise leiden", sagt Lukas Vogt, der die Projektleitung übernommen hat. "Vor allem Jugendliche und junge Menschen haben oft keine Ahnung, warum sie überhaupt ins Reisebüro gehen sollten", ergänzt Mitschülerin Hauser. Immer wieder höre sie, dass es im Reisebüro ja viel teurer sei und es dort nur Pauschalreisen für Ältere gebe. "Mit solchen Vorurteilen müssen wir endlich aufräumen", findet die junge Frau.

Für den Film "Touristiker am Limit – unser Alltag ist euer Urlaub" hat sich die Klasse in Gruppen aufgeteilt: Die einen kümmerten sich um Kamera, Licht und Drehorte, andere um Interviewpartner, Youtube- und Instagram-Accounts, Storyboard und Schnitt. Neben gespielten Szenen berichten Büro-Chefs, welche Folgen die Corona-Krise für ihren Laden hat, aber auch welche Vorteile Reisebüro-Kunden jetzt haben. Vogt hofft, dass Corona ein "Wachrüttler" für das Thema Service sein wird. "Ich hoffe, dass die Bedeutung von persönlichen Ansprechpartnern zunimmt", sagt der 23-Jährige. Tourismuskaufleute, die Kunden auch weiterhelfen und sich um Probleme kümmern, wenn im Lockdown nichts mehr geht.

Er ist Optimist. Dabei trifft die Corona-Krise besonders die Azubis hart. Einige Mitschüler haben durch Insolvenzen ihren Job verloren und mussten schnell einen neuen Ausbildungsbetrieb finden. Statt Urlauber zu beraten oder auf Info-Reisen zu gehen, ist der Nachwuchs nur mit Stornierungen beschäftigt. Viele Büroleiter mussten ihre Teams ins Homeoffice und in Kurzarbeit schicken. Im November stieg der Anteil der Reisebüros und Reiseveranstalter mit Kurzarbeit auf 91 Prozent, so eine Umfrage des Ifo-Instituts.

Die meisten Azubis sind zwar von der Kurzarbeit ausgenommen, sie sitzen dann aber teilweise allein im Büro. Es fehlen der Austausch mit Kollegen, interne Schulungen und natürlich auch Info-Reisen. Auf der Strecke bleiben auch die neuen Azubis 2020. Laut Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) wollen die Unternehmen nur halb so viele Ausbildungsplätze besetzen – man rechnet mit einem Rückgang um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Offizielle Zahlen von der Deutschen Industrie- und Handelskammer gibt es für 2020 noch nicht.

Als Lukas Vogt und seine Mitschüler im Februar 2019 starteten, war die Stimmung noch richtig gut. Er hatte begonnen, Tourismus zu studieren, wollte aber lieber praktisch und mit Menschen arbeiten und ging in die Lehre. "Es ist mein Traumjob, es macht viel Spaß", sagt Vogt. Trotz allem. Gerade haben er und die Hälfte der Klasse die schriftliche Abschlussprüfung gemacht, im Februar 2021 sind sie fertig. Wie es weitergeht, wissen die wenigsten. Von 15 Prüflingen haben nur vier eine Jobzusage. Dabei würden Lukas und viele Mitschüler gern in der Branche bleiben. Aber im derzeitigen Lockdown traue man sich kaum, nach einer Übernahme zu fragen. "Jeder hat Angst vor der endgültigen Absage", sagt er. Viele überlegen sich einen Plan B.
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