Mitarbeiterbindung in der Krise

"Fatale Müdigkeit im Krisenmanagement"

Als Forschungsleiter beim Beratungsinstitut Gallup in Berlin weiß Marco Nink, wie Führungskräfte ihr Team motivieren können.
Gallup
Als Forschungsleiter beim Beratungsinstitut Gallup in Berlin weiß Marco Nink, wie Führungskräfte ihr Team motivieren können.

Schon vor dem Lockdown waren IT-Spezialisten besonders gefragt. Wie man diese digitalen Profis trotz Kurzarbeit und unklarer Perspektive im Unternehmen hält, erklärt Experte Marco Nink im fvw-Interview. Es gelte, Mitarbeiter verlässlich zu begleiten und Sicherheit zu vermitteln.

IT-ler sind nicht nur in der Tourismusbranche gefragte Experten. Nur: Wie lassen sich die digitale Profis in der Tourismusbranche halten, die seit Monaten in der Corona-Dauerkrise steckt? Zumal gerade jeder digitaler werden will und andere Branchen mit üppigen Gehältern locken.

Führungskräfte befürchten bereits, hoch qualifizierte Kollegen zu verlieren. Noch dazu zeigen Umfragen, dass viele Arbeitnehmer während der Pandemie ihre persönlichen Jobprioritäten überdenken. "Krisen sind immer Momente der Wahrheit", konstatiert Marco Nink, Forschungsleiter des Gallup Instituts. Er erklärt im Interview mit fvw, worauf es bei der Mitarbeiterbindung in der Krise ankommt.

fvw: Wie bewerten Sie das Mitarbeiter-Management in der Pandemie?
Marco Nink: Am Anfang der Pandemie erlebten die meisten Beschäftigten das Krisenmanagement der Unternehmen nur in "schwarz" oder "weiß" – entweder es hat gut funktioniert oder überhaupt nicht. Heute sieht das besser aus: Fast alle Unternehmen haben Schutz- und Hygienemaßnahmen umgesetzt, vielen Mitarbeitern wurde von heute auf morgen Homeoffice ermöglicht. Chefs wurden durch die Krise quasi gezwungen, flexibles Arbeiten zuzulassen – weg von der Kontrolle, hin zur Vertrauenskultur. Es ist ein Lernprozess.

Sind Unternehmen auf einem guten Weg?
Im Moment beobachten wir beim Thema Krisenmanagement in Führungsetagen eine gewisse Müdigkeit. Das ist verständlich, aber fatal, denn auch in diesem Lockdown Light sind Mitarbeiter verunsichert, fühlen sich teilweise überfordert und wissen nicht, wie es in Zukunft weitergeht. Die Entwicklung der Pandemie ist schlecht einschätzbar.

Müssten sich nicht alle an den Krisenmodus gewöhnt haben?
Nein, viele Menschen kämpfen auch jetzt noch mit Ohnmachtsgefühlen. Es geht darum, seine Mitarbeiter verlässlich zu begleiten und Sicherheit zu vermitteln. Das fängt bei Hygienemaßnahmen an. Unternehmer sollten bei den Schutzmaßnahmen immer up-to-date sein und das gegenüber dem Team auch herausstellen. Das gibt Sicherheit.

Nicht so einfach ist der Umgang mit Job- und Zukunftsängsten. Hier zeigt sich in der Krise wie unter einem Brennglas, wer eine gute Führungskraft ist und wer nicht, wer sein Team motivieren kann. Gute Chefs können auch in schweren Zeiten das Engagement ihrer Teams steigern.



Wie denn?
Gerade jetzt brauchen Beschäftigte das Gefühl, dass sie als Mensch hinter der Arbeitskraft gesehen werden. Das klappt nur, wenn ich offen und ehrlich kommuniziere. Im Idealfall tauschen sich die Vorgesetzten mit jedem Einzelnen aus, hören zu, nehmen Probleme ernst und versuchen zu helfen. Hat zum Beispiel ein Kollege private Probleme durch Homeschooling, macht man seine Arbeitszeiten flexibler. Und IT-Kräfte, die sonst im Dauerstress sind, freuen sich über Zeit und Freiheit, Zukunftsprojekte anzugehen.

Wie schafft man eine positive Aufbruchstimmung?
Dafür reichen kleine Schritte, ich kann zum Beispiel jede Woche Ziele setzen, die sich erfolgreich abhaken lassen. Das gibt Hoffnung. Darüber hinaus zählt das "große Ganze", für welche Werte steht das Unternehmen und werden diese Werte auch in der Krise gelebt. Das schafft Stabilität. Diese Werte muss natürlich jeder kennen und dazu auch wissen, welchen Sinn sein Job hat und wie er zum Erfolg beiträgt. Alles eine Frage der Kommunikation.

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