Jobwechsel

Jeder vierte Beschäftigte ist auf dem Sprung

Marco Nink, Forschungsleiter beim Beratungsunternehmen Gallup, stellt den Engagement Index für 2021 vor.
Gallup
Marco Nink, Forschungsleiter beim Beratungsunternehmen Gallup, stellt den Engagement Index für 2021 vor.

Die Wechselbereitschaft der Beschäftigten in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand. Das zeigt der Engagement Index Deutschland 2021 des Beratungsinstituts Gallup.

Trotz ihres langsamen Abklingens hat die Pandemie immer noch weitreichende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt: 23 Prozent der Beschäftigten in Deutschland möchten in einem Jahr nicht mehr bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber tätig sein, 42 Prozent denken an einen Absprung innerhalb der kommenden drei Jahre. "Noch nie waren so viele Menschen auf Jobsuche oder offen für Veränderung wie jetzt", sagt Gallup-Europachef Pa Sinyan.



Nur 60 Prozent der Beschäftigten wollen in einem Jahr noch ohne Wenn und Aber für ihren derzeitigen Arbeitgeber tätig sein, 14 Prozent der Deutschen seien bereits aktiv auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, so das Institut. Damit bestätige sich der Trend zu einer gestiegenen Wechselbereitschaft in Deutschland, die 2021 sogar höher sei als in den USA.

Dazu passt, dass Headhunter verstärkt nach Talenten suchen: Jeder dritte Beschäftigte (31 Prozent) wurde in den vergangenen zwölf Monaten angesprochen. Auch dies sei ein neuer Höchstwert und eine Verdoppelung innerhalb der vergangenen beiden Jahre. Sinyan: "Unternehmen müssen sich mehr denn je darum bemühen, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, das Mitarbeiter zum Bleiben bewegt." Denn mit einer hohen emotionalen Bindung sinke die Wechselbereitschaft signifikant.



Doch die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten fühlt sich emotional nur gering oder gar nicht an ihren Arbeitgeber gebunden: Laut Index haben 69 Prozent der Befragten eine geringe Bindung an ihren Arbeitgeber und machen nur Dienst nach Vorschrift, 14 Prozent haben keine emotionale Bindung und bereits innerlich gekündigt. Lediglich 17 Prozent der Beschäftigten sind aktuell emotional an ihren Arbeitgeber gebunden.

Noch dazu hat der Stress durch die Pandemie zugenommen, so die Studie: 38 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund ihres Jobs innerlich ausgebrannt zu sein. Im Vor-Corona-Jahr 2019 lag der Wert noch bei 26 Prozent. "Die Parameter der Arbeitswelt haben sich grundlegend verschoben", sagte Studienautor Marco Nink. Unternehmen müssten die Rahmenbedingungen mehr an die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten anpassen und flexiblere Regelungen wie das Homeoffice auch weiter ermöglichen.



Ausgebrannt fühlten sich laut der Studie besonders Beschäftigte, die keine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben. "Bei der emotionalen Bindung spielen weniger die Rahmenbedingungen, sondern vor allem gute Führungskräfte eine entscheidende Rolle", sagt Nink. "Mehr denn je geht es darum, Wertschätzung zu zeigen und Menschen als Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen wahrzunehmen. Mitarbeiter mit einer hohen Bindung sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen."

Seit 2001 erstellt Gallup jährlich den Engagement Index für Deutschland. Die Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Für die jüngste Untersuchung wurden zwischen dem 15. November und 21. Dezember 2021 insgesamt 1500 Arbeitnehmer interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.


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