Jobs in der Krise

"Zu viele wiegen sich in trügerischer Sicherheit!"

Coach Stefanie Stocker hilft bei der Neuorientierung im Job.
privat
Coach Stefanie Stocker hilft bei der Neuorientierung im Job.

Viele Touristiker sind seit einem Jahr in Kurzarbeit und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Sie warten ab. "Das kann ein fataler Fehler sein", warnt Coach Stefani Stocker im Interview.

Sie hilft Beschäftigten aus der Touristik, neue Jobperspektiven zu entwickeln. Dabei stellt sie fest, dass die meisten Beschäftigten im Tourismus abwarten, solange konjunkturelle Kurzarbeitsgelder und Überbrückungshilfen zu einem wesentlichen Teil die Existenzen sichern. Coach Stocker sieht zwar einereseits die Vorteile für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Existenz vieler Unternehmen, andererseits findet sie es für die Betroffenen "fatal", weil dadurch die Veränderungsbereitschaft zurückgeht.

fvw | TravelTalk
: Warum sehen Sie das Kurzarbeitergeld kritisch?
Stefani Stocker: Aus meiner langjährigen Erfahrung als Coach weiß ich, dass sich Menschen nur verändern, wenn es wirklich wehtut. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Betroffene durch die Kurzarbeit-Zahlungen bis längstens März 2022 in trügerischer Sicherheit wiegen. Dabei ist für manche genau jetzt der idale Zeitpunkt, sich beruflich neu zu orientieren.


Ein Wechsel mitten in der Krise?
Es wichtig, die Krise nicht nur negativ zu betrachten, sondern sie als Chance zu Wachstum, Lernen und Entwicklung zu begreifen. Dieser Perspektivenwechsel eröffnet neue Blickwinkel. Ich weiß, dass sich das erst mal sehr platt und einfach anhört, aber es birgt ungeahnte Möglichkeiten, nämlich die Krise als Gelegenheit zur Veränderung wahrzunehmen.

Sollten Beschäftigte also lieber wechseln als abzuwarten?
Pauschale Empfehlungen sind schwierig. Im Mittelpunkt stehen die einzelnen Personen mit ihren jeweiligen Stärken und Ressourcen, ihrer Lebens- und Berufserfahrung und, nicht zuletzt, ihrem Alter. Die Perspektiven zwischen frisch ausgebildeten Tourismusfachkräften, einer berufserfahrenen Produktmanagerin mit Familie und und einer Reisebüromitarbeiterin mit Mitte 50 werden stark variieren. Zudem empfehle ein Blick auf touristische Segmente, die schrumpfen werden: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kreuzfahrt, dem Geschäftsreisesegment, aus kleinen und mittelständischen Unternehmen oder von Reisebüro-Ketten werden wahrscheinlich eher unter Zugzwang stehen, sich anders zu orientieren.

Wie gehe ich vor, wenn ich mich umorientieren will?
Sie fangen am besten mit einer Standortbestimmung an, stellen Sie sich Fragen: Welche Fähigkeiten, Ausbildungen und Stärken habe ich? Welche Interessen habe ich? Was macht mir Freude und fällt mir leicht? Befragen Sie auch Freunde und Arbeitskollegen, welche Fähigkeiten sie besonders an Ihnen schätzen, damit Sie eine Selbst- und eine Fremdeinschätzung bekommen. Eine Möglichkeit ist, sich Listen zu erstellen. Dabei kann auch ein Coaching helfen, Privates mit einzubeziehen und eine Struktur zu bekommen. Natürlich können Sie auch überlegen, ob eine Weiterbildung in Frage kommt. Gerade gibt es viele Angebote, die mit Bildungsgutscheinen der Bundesagentur für Arbeit finanziell gefördert werden.

Gibt es typische Branchen, in die Reiseprofis abwandern?
Das ist schwer zu sagen, aus meiner Erfahrung ist es eher ein bunter Mix: Da ist der Außendienstmitarbeiter eines Fernreisespezialisten, der eine Weiterbildung als Rettungssanitäter wählt. Die Absolventin eines Tourismusmanagementstudiums sattelt auf eine Ausbildung zur Krankenschwester um, ein Reiseleiter wechselt in die Versicherungsbranche und eine langjährige Produktmanagerin bildet sich zur Yogalehrerin weiter. Es können also ganz unterschiedliche neue berufliche Entwicklungsrichtungen sein.

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