Interview mit Marc Hammer

"Der Wunsch nach Workation wächst"

Marc Hammer, Headhunter bei Division One, ist Experte für New Work.
Division One
Marc Hammer, Headhunter bei Division One, ist Experte für New Work.

Immer mehr Menschen wollen raus aus dem heimischen Homeoffice und lieber mobil im Ausland arbeiten. "Workation liegt im Trend", sagt Headhunter und New Work Experte Marc Hammer.

Kein Wunder: 49 Prozent der Homeoffice-Arbeiter wünschen sich einen regelmäßigen Tapetenwechsel und würden "gern ab und zu von einem anderen Ort aus arbeiten", so eine Expedia-Umfrage. Workation ist gefragt, das man als mobile Arbeiten in Urlaubsdestinationen definiert. Was diesen Trend ausmacht, erklärt Marc Hammer, Headhunter bei Division One, im Interview.


Mit Laptop am Strand – Workation können sich doch nur ein paar Selbstständige leisten, oder?
Marc Hammer: Es stimmt, bisher verlegen vor allem Selbstständige ihre Arbeit ins Ausland. Unternehmen tun sich mit hybriden Arbeitsmodellen noch schwerer, konservative Unternehmen setzen Produktivität mit Anwesenheit gleich. Sie müssen umdenken, denn durch die Corona-Krise und den Homeoffice-Boom ist Arbeit flexibler geworden, und immer mehr Beschäftigte äußern den Wunsch, auch mal woanders arbeiten zu können.

Wollen denn so viele weg?
Der Wunsch ist groß. Ich erlebe eine neue Generation selbstbestimmter Mitarbeiter. Sie wollen unabhängig sein und sich entfalten. Die Nachwuchskräfte von heute brauchen mehr Freiheiten im Job und würden für mehr Lebensqualität eher auf Gehalt verzichten.

Habe ich als Beschäftigter ein Recht darauf, im Ausland arbeiten zu dürfen?
Nein. Es gibt kein Recht auf mobiles Arbeiten. Prinzipiell ist es die Aufgabe eines Arbeitgebers, einen Rahmen zu schaffen, in dem Beschäftigte optimal arbeiten können. Studien zeigen, dass Unternehmen durchaus auch nach der Corona-Pandemie einen Teil der virtuellen Arbeit beibehalten wollen. Ob dazu auch die Arbeit im Ausland gehört, bleibt offen. Das muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden.

Welche Voraussetzungen wären denn nötig?
Unternehmen brauchen einen bestimmten Reifegrad, damit auch mobiles Arbeiten funktioniert. Die Technik muss passen, aber am wichtigsten ist eine moderne Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein baut – sowohl bei Mitarbeitenden wie auch bei Führungskräften. Workation heißt nicht, dass Arbeitnehmer im Urlaub sind. Wichtig ist, dass Ziele, Erreichbarkeit und der Ablauf abgestimmt sind.

Warum sollten Unternehmen darauf eingehen?
Der Ausbruch aus dem Alltag kann zu mehr Kreativität, Produktivität und Zufriedenheit führen. Unternehmer müssen dabei allerdings berücksichtigen, dass sich vielleicht die Kollegen ungerecht behandelt fühlen, die im Büro anwesend sein müssen. Grundsätzlich steigert ein Workation-Angebot die Arbeitgeberattraktivität, und Unternehmen können leichter Talente an sich binden.

1 Kommentar

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1.
Josip Lucic
Erstellt 5. Mai 2021 22:30 | Permanent-Link

Naja, interessanter Ansatz, dürfte aber in der Realität schwer umsetzbar sein. So würde z.B. für bulgarischen Programmier der vorher in München gearbeitet hat und jetzt dauerhaft von Bulgarien aus arbeitet sich einiges ändern. Er unterliegt dann den bulgarischen Steuer- und Sozialregeln und ebenfalls dem bulgarischen Arbeitsrecht. Und die HR Abteilung in Deutschland soll das abrechnen?

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