Hybride Arbeitswelt

Worauf es bei New Work ankommt

Arbeiten wird in Zukunft flexibler: Homeoffice kann dann auch im Garten sein.
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Arbeiten wird in Zukunft flexibler: Homeoffice kann dann auch im Garten sein.

Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Die Zeit ist reif für neue Modelle, alternative Strukturen und eine moderne Kultur. Immer mehr Unternehmen nutzen die Chancen von New Work.

Ist Anwesenheitspflicht im Büro noch zeitgemäß? Bleibt die Fünf-Tage-Woche der Standard? Kann ein Team auch auf verschiedene Standorte verteilt sein? Vieles, was in der Vergangenheit klar war, wird in Frage gestellt. Im Zuge der Digitalisierung, veränderter Mobilitäts- und Arbeitswelten vollzieht sich in vielen Unternehmen ein Kulturwandel. Der Trend geht hin zu Organisationen, deren Teams weitestgehend selbstbestimmt arbeiten.

Selbstverwirklichung, Mitgestaltung, Teilhabe und am Ende Selbstwirksamkeit sind Werte, die vor allem junge Generationen ausleben wollen. "Agilität und Selbstwirksamkeit von Menschen gehören untrennbar zusammen", sagt Stefan Ermer, Trainer bei der Unternehmensberatung Corporate Happiness.

Bei einer modernen Unternehmensführung gehe es darum, Mitarbeitern mehr Verantwortung zu geben und Vertrauen zu schenken, kurzum: als Führungsmannschaft mehr loszulassen. Dieser Wandel habe schon vor Corona stattgefunden, "die Pandemie hat ihn beschleunigt", sagt Ermer. Die Sinnfrage ist für Beschäftigte aller Hierarchiestufen entscheidend geworden.

In einer Welt, in der mobiles Arbeiten an der Tagesordnung ist, werden Unternehmenswerte und Visionen wichtiger denn je. Sie schaffen Orientierung und Identifikation. Der Trend zum Homeoffice oder sogenannten Remote Work wird kaum mehr umkehrbar sein.

"Es wird ein stabiler Sockel an mobiler Arbeit bleiben", sagt Bahnmanager Hans-Joachim Luhm. Aktuell sei ein Trend zurück ins Büro erkennbar. Doch mobiles Arbeiten führe dazu, dass man über neue Modelle nachdenken müsse, so Luhm.

Er sieht einen Paradigmenwechsel in der Einstellung der Mitarbeiter gegenüber dem Arbeitsort beziehungsweise dem Büro. Zu Jahresbeginn ist die Bahn in ein neues Gebäude gezogen. "Wir wollten veränderte Arbeitsweisen einführen", sagt Luhm.

Die Gestaltung des Büros mit viel offenen Flächen soll unter anderem auch dazu beitragen, das Silodenken aufzuheben. Der Konzern will eine neue Arbeitswelt mit einer Mischung aus Büro und mobilen Arbeitsplätzen schaffen. Hybrides Arbeiten – zu Hause, unterwegs und im Büro – wird für immer mehr Unternehmen zum Standard.

Barbara Liebermann, Leiterin des Frankfurter Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), rät Unternehmen, zunächst entsprechende Richtlinien zu entwickeln – etwa in Form von Betriebsvereinbarungen, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang Homeoffice möglich ist.

Die Management-Beraterin hat den Eindruck, dass Führungskräfte gerade auch in Großunternehmen unterschätzen, wie viel Konfliktpotenzial das Arbeiten in hybriden Teams birgt. Es gebe Mitarbeiter, die sich selbst führen und organisieren können, aber es gebe auch solche, die in ein Team eingebunden sein müssen, um motivierter und besser arbeiten zu können.

Arbeiten viele Mitarbeiter im Homeoffice, müssen Manager ihr Führungs- und Kommunikationsverhalten überdenken und neu justieren, meint Liebermann. Jahrelang erprobte Führungsroutinen, etwa beim Delegieren von Aufgaben oder beim Feedback-Geben, müssten über Bord geworfen und neu entwickelt werden. Das benötige Zeit, auch weil in den meisten Unternehmen keine gewachsene Kultur des hybriden Arbeitens existiert.

Sie gibt zu bedenken, dass sich hybrides Arbeiten auf die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen auswirken kann. So hört die Beraterin oft von Führungskräften, dass der Teamgeist sinke und die Bereitschaft zu kündigen steige, seitdem Mitarbeiter vermehrt von zu Hause aus arbeiten.

Damit Beschäftigte sich im Homeoffice von ihren Vorgesetzten wahrgenommen fühlen, sind diese gefordert, an der Informationsweitergabe ebenso zu arbeiten wie am konstruktiven Feedback.

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