Corona-Folgen an Hochschulen

Studierende lassen sich nicht abschrecken

Professor Jürgen Schmude, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) sieht gute Berufschancen für qualifizierte Akademiker.
Insel Mainau/Tobias Mayer
Professor Jürgen Schmude, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) sieht gute Berufschancen für qualifizierte Akademiker.

Durch die Corona-Krise arbeiten Hochschulen digitaler denn je. Was fehlt, was bleibt? Professoren berichten über ihre Situation und Zukunftsperspektiven.

Wer kommt angesichts von Lockdown und Reiseverboten auf die Idee, Tourismus zu studieren? Kaum jemand, könnte man meinen. "Falsch", kontert Jürgen Schmude, Professor an der LMU München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT). Die Zahl der Erstsemester sei auf dem Niveau der Vorjahre. Das Studium während der Pandemie war das Thema einer Runde, in der Moderator Tobias Klöpf mit den Professoren Schmude, Marco Gardini von der Hochschule Kempten und Harald Pechlaner von der Universität Eichstätt-Ingolstadt diskutierte.

In der Corona-Krise stellten Hochschulen "von fast null auf fast vollständige virtuelle Lehre" um. Nach der ersten Euphorie unter Studierenden, ganz flexibel "in Jogginghose" von zu Hause studieren zu können, sei heute Ernüchterung eingetreten, weiß Schmude aus einer DGT-Umfrage. Es fehlen vor allem die sozialen Kontakte. "Für Studienanfänger ist es eine schwierige Ausnahmesituation", sagt er. Virtuelle Kleinstgruppen sollen helfen, den fehlenden Austausch auszugleichen.

Der Bedarf nach dem wahren Hochschulleben sei da, sagt auch Gardini. Nach dem hybriden Sommersemester hofft er auf Präsenzangebote im Winter 2021/22: "Studierende sollten mit Exkursionen und Feldstudien die Praxis persönlich kennenlernen können." Dabei rechnet Pechlaner in Zukunft mit einem Mix aus Online- und Präsenz-Formaten. Schließlich habe der virtuelle Hörsaal durchaus Vorteile: "Wir werden internationaler, weil wir digitaler werden", freut er sich. "Ich hatte noch nie so viele digitale Gastprofessoren wie in den vergangenen Semestern." Der internationale Austausch funktioniere reibungsloser, spontaner und direkter.

Für Pechlaner hat die Krise deutlich gemacht, dass das Tourismusstudium interdisziplinärer werden sollte, um auch Probleme wie Overtourism und Nachhaltigkeit im Blick zu haben. Er möchte dafür die Wirtschaftswissenschaften stärker mit Naturwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Informatik verknüpfen.

Dass qualifizierte Akademikerinnen und Akademiker trotz der Corona-Krise gute Karrierechancen in der Branche haben, steht dabei für die Experten außer Frage. Schmude: "Manche Betriebe werden sterben, dafür entstehen andere neu. Sie werden gut ausgebildete Fachkräfte brauchen!"

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