Südkaukasus

Reiseprofis entdecken die Schönheit Armeniens

Nirgendwo hat das Christentum so viele Spuren hinterlassen wie in Armenien. Jahrhunderte alte Klöster begegnen Besuchern Schritt auf Tritt.
FVW Medien/OG
Nirgendwo hat das Christentum so viele Spuren hinterlassen wie in Armenien. Jahrhunderte alte Klöster begegnen Besuchern Schritt auf Tritt.

Aufregende Kultur, faszinierende Natur, herzliche Menschen: Beim DRV fvw Destination Forum lernten gut 60 Reiseprofis die Schönheit des Kaukasus-Staats Armenien kennen.

Einer der bekanntesten und besten Cognac-Produzenten weltweit hat seine Fabrik nicht in Frankreich, sondern Tausende Kilometer entfernt in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Der 140 Jahre alte Hersteller Ararat, benannt nach dem heiligen Berg der Armenier, exportiert inzwischen rund um den Globus.

Cognac-Hochburg Armenien? Ja, und mehr noch: Der kleine Staat im Südkaukasus gilt gemeinsam mit Nachbar Georgien als Ursprungsland des Weinbaus, und er war zudem der erste, der das Christentum zur Staatsreligion machte – bereits im Jahre 301. Kirchen, Klöster, Klosterburgen, Kreuzsteine: Nirgendwo sonst auf der Welt stoßen Besucher auf so viele Zeugnisse christlicher Tradition wie in Armenien.

Touristisch ist wenig bekannt über das Land. Wie sehr die Schönheit Armeniens in Westeuropa unterschätzt wird, wurde den mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des DRV fvw Destination Forum Armenien immer wieder bewusst. Keine Stunde verging, in der sie auf ihrer fünftägigen Tour durch das Land nicht ins Schwärmen gerieten.

Die zerklüftete, steinige Vulkanlandschaft mit ihren bis zu 4000 Meter hohen Bergen fasziniert ebenso wie die jahrtausendealte christliche Kultur, die orientalisch anmutenden Märkte und die Herzlichkeit der Menschen, die einen Fremden einfach mal so zum Essen einladen. Und Kriminalität ist in Armenien praktisch nicht vorhanden. Auch nachts können sich Frauen problemlos allein auf der Straße bewegen.

Auf acht Touren durch das kleine Land (so groß wie Brandenburg) lernten die Reiseprofis Armenien kennen – bei jeweils zweitägigen Ausflügen zu den Themen Kultur, Natur, Outdoor, Abenteuer und Kulinarik. Besuchten die einen Naturwunder wie die Azat-Schlucht mit imposanten Basaltformationen und stiegen auf bis 2600 Meter Höhe, übten sich andere im Rafting und Klettern oder kosteten die kulinarischen Spezialitäten des Landes. Und wieder andere nahmen die erstaunlich gut erhaltenen, bis zu 2000 Jahre alten Relikte der Vergangenheit in Augenschein.

"Rosa Stadt" Jerewan

Neben den vielen Kirchen und Klöstern gehören dazu heidnische Stätten wie der Sonnentempel in Garni. Der christliche Glaube ist bis heute tief verankert. Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung gehören der Armenisch-Apostolischen Kirche an, die mit der Stadt Etschmiadin über ein eigenes religiösen Zentrum verfügt.

Als attraktives Ziel einer Städtereise präsentiert sich zudem Armeniens Hauptstadt Jerewan – eine moderne, lebhafte, sehr saubere und bunte Metropole. Gut lässt sich die "rosa Stadt", wie die Armenier sie wegen der vorherrschenden roten und gelben Tuffsteine nennen, mit der zweitgrößten Stadt Gjumri verbinden, einer nach dem Erdbeben wiedererstandenen Schönheit.

Heimatland der Aprikose

Armenien ist aber auch das Heimatland der Aprikose (lateinisch: Prunus armeniaca), die wie andere frische und eingelegte Früchte überall am Straßenrand verkauft wird. Granatäpfel, Weintrauben, Pflaumen, Maulbeer-Wodka, Walnusscreme oder der süße Kuchen Gata: Vielerorts bieten Händler Köstliches feil. Hervorragend essen und schlemmen, sich dabei viel Zeit lassen – das gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Einheimischen.

Dabei haben die Armenier schlimmste Stürme in ihrer Geschichte überstanden: Kriege, Massenmorde, Verfolgung und Besatzung durch fremde Mächte hatten sie zu erdulden. Ihr Land war einst zehnmal so groß wie heute, reichte vom Mittelmeer zum Kaspischen Meer. Beim jüngsten Blitzkrieg Aserbaidschans erlitten sie eine vernichtende Niederlage, mehr als 4000 junge Soldaten starben. Bereits während des Kriegs 1991 mit Aserbaidschan waren die Menschen drei Jahre lang ohne Strom und Heizung.
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Auf zehn berichtet fvw|TravelTalk über Armenien und das DRV fvw Destination dort. Ausführliche Berichte über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes, über die größten Städte, den Weinbau und ein Interview mit dem Wirtschaftsminister Vahan Kerobyan findet sich hier: Jetzt im E-Paper lesen!

Die tragische Vergangenheit – vor allem der Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 – hat etliche Menschen in die Flucht getrieben. Gut 7,5 Mio. der mehr als zehn Millionen Armenier leben heute im Ausland, vor allem in den USA, in Russland und Frankreich. Zu den bekanntesten Diaspora-Armeniern gehören der 2018 verstorbene Sänger Charles Aznavour, die Sängerin Cher, der Tennisspieler André Agassi und der Boxer Arthur Abraham. Viele Armenier haben es im Ausland zu großem Vermögen gebracht und unterstützen über Stiftungen ihre Heimat.

Im Tourismus erblicken viele Menschen im Land eine neue Chance. Überall entstehen kleine Unternehmen – Weingüter, Käsereien, Obstplantagen oder gemütliche Gästehäuser, die oft von einem Ehepaar oder einer Familie geführt werden. Mit viel Liebe kochen die Besitzer für ihre Besucher typisch armenische Gerichte, äußerst wohlschmeckend und meist so viel, dass es für mehrere Mahlzeiten reichen würde.

Deutschland schon die Nummer drei

Dass Armenien das Potenzial hat, im Tourismus zu punkten, davon zeigten sich die Teilnehmer des Destination Forum überzeugt. "Gerade kleinere Destinationen mit derart speziellen Angeboten stillen die Sehnsucht der Kunden nach Neuem, nach Exotischem", sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig. Zumal es an Flugverbindungen aus Deutschland und Österreich nicht mangelt.

"Die Nachfrage ist jetzt schon groß", sagt die Lufthansa-Managerin Alexandra Krug, "und sie wird weiter steigen, je besser die Destination erreichbar ist." Unzufrieden zeigten sich die Veranstalter beim Workshop einzig mit der Tatsache, dass es sich um Nachtflüge handelt. "Ankunftszeiten um 4 Uhr morgens stressen die Kunden", kritisieren auch viele Reisebüros. Bei Nachbar Georgien sei der touristische Erfolg enorm gewachsen, nachdem Tagesflüge angeboten wurden.

Potenzial, das auch Jürgen Neubarth sieht: "Gerade jetzt, wo für die Kulturinteressierten Ziele in Nahost weggebrochen sind, wollen sie Neues entdecken", sagt der Produktmanager des Bayerischen Pilgerbüros. Die herrliche Natur, der Weinbau, die spannende Kultur des Landes – "das spricht sich mehr und mehr herum". Kultur, Natur und Aktivurlaub – "das sind die treibenden Themen für Armenien", sagt Diamir-Marketingchef Michél Pretzsch.

Deutschland hat sich zum drittstärksten Quellmarkt entwickelt – nach Russland und dem Iran. 2019 reisten knapp 40.000 Deutsche nach Armenien, so viele wie nie zuvor. Für Ulrich Finke, Geschäftsführer von Alternativ Tours, tragen zu diesem Erfolg Gastfreundschaft, Sicherheit und gute Verständigung bei: "Fast jeder in Armenien spricht Englisch."

Schnellzug nach Tiflis

Auch die Infrastruktur, wie die noch teilweise vorhandenen Schotterpisten, soll weiter verbessert werden, verspricht Armeniens Wirtschaftsminister Vahan Kerobyan im Gespräch mit fvw|TravelTalk. Und um Kaukasus-Rundreisen zu vereinfachen, soll demnächst ein Schnellzug zwischen Jerewan und Georgiens Hauptstadt Tiflis verkehren – in nur drei Stunden.

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