fvw|TravelTalk Fam Trip Italien (2)

Wie Mel Gibson und James Bond Matera retten

Bester Blick auf die Sassi von Matera: Reiseprofis vor historischer Kulisse.
FVW Medien/OG
Bester Blick auf die Sassi von Matera: Reiseprofis vor historischer Kulisse.

Gut 20 Reiseprofis sind derzeit mit fvw|TravelTalk auf Tour durch die süditalienische Region Basilikata. An Tag 2 standen ein ausführlicher Gang durch Matera und der Besuch eines Weinguts auf dem Programm.

Einen ersten Eindruck der von Höhlenwohnungen geprägten Stadt Matera erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits am Abend des Anreisetags: Die Europäische Kulturhauptstadt 2019 präsentierte sich mit einem faszinierenden, in oranges Licht getauchten Panorama.

Nicht weniger eindrucksvoll zeigte sich die Stadt, die als eine der weltweit ältesten noch heute bewohnten Orte gilt, auch bei Tage. Durch enge Gassen und über Treppen ging es an den aus Tuffstein errichten Häusern vorbei, die sich zu stapeln scheinen. Wie eine Pyramide ist die Stadt gebaut – nicht allein architektonisch, auch sozial. In den villenmäßig anmutenden Gebäuden an der Spitze lebten einst die Reicheren, während noch bis in die 60er-Jahre auch die Höhlenwohnungen bewohnt waren. Die hygienischen Zustände waren schlecht, die Kindersterblichkeit kletterte auf fast 50 Prozent.

Irgendwann zog Italiens Regierung die Notbremse und siedelte die verbliebenen 15.000 Einwohner in modernere Sozialwohnungen um. Stattdessen kamen in den 70ern die Hippies nach Matera, und seit 1986 – nachdem die ersten Häuser saniert waren – wurden vereinzelt Einwohner zurückgeholt. Heute leben etwa 1000 Menschen selbst in den Sassi (den einstigen Höhlen), viel mehr aber wurden in kleine Hotels und B&B umgewandelt.

Für den heutigen Urlauber-Boom sorgte und sorgt die Filmbranche – besonders die "Passion Christi" 2004 von Mel Gibson. Zuletzt wurde an 18 Orten in der Stadt der neue James Bond gedreht. Keine Städtetour ist so stark gebucht wie die James-Bond-Tour.

Doch wo anderswo ein extensiver Tourismus an der Substanz des Ortes nagt – etwa in Venedig –, ist er für Matera ein Glücksfall. "Ohne die Besucher würde die Stadt verfallen", sagt Dora, die schon vor vielen Jahren eine Incoming-Agentur für ausländische Besucher gegründet hat, die Früchte aber erst heute erntet: "Der Tourismus ist die einzige Lösung zur Rettung Materas."

Geplant: ein großes Höhlen-Museum

Denn alle Versuche der lokalen Behörden, die leerstehenden Felsenwohnungen im ältesten Viertel Sassi Caveosi an Investoren zu übergeben, scheiterten – der Aufwand, diese zu sanieren, wäre gewaltig. Nun packt die Stadt es selbst an und steckt ihre Einnahmen aus dem Geschäft mit den Urlaubern in den alten Stadtkern: Ein großes Museum soll entstehen.

Den besten Blick auf Matera genossen die Reiseprofis vom gegenüberliegenden Nationalpark, der durch tiefe Schluchten von der Stadt getrennt ist. Stundenlang könnte man hier stehen und das Panorama genießen. Von außen kaum zu sehen sind hingegen die Felsenkirchen, von denen es einmal mehr als 100 gegeben haben soll. Eine der berühmtesten Krypten der Region besuchten die Teilnehmer nahe des Weinguts Casa Dragone: die Krypta der Erbsünde.

Stärkung bei Spitzenweinen

Vor mehr als 1000 Jahren gruben Benediktiner-Mönche sie in den Felsen und bemalten sie mit zahlreichen biblischen Szenen: Dunkelheit und Moosbewuchs haben sie über Jahrhunderte geschützt, so dass sie heute zu den frühesten Zeugnissen der süditalienischen Kunst zählen.

Ein feines Tröpfchen: Weingut Casa Dragone
FVW Medien/OG
Ein feines Tröpfchen: Weingut Casa Dragone

Und bei soviel Kultur taten denn auch die Primitivo-Weine und die Käse- und Wurst-Verkostung aus regionaler Produktion richtig gut: Sie stärkten für die gut eineinhalbstündige Fahrt in den historischen Ort Castelmezzano. Ein weiteres Highlight der Basilikata, in den Lukanischen Dolomiten gelegen, das es morgen zu besichtigen gilt.

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.



stats