Rhein-Neckar Air

Fliegen, wie es früher einmal war

30 bis 31 Passagieren bieten die Do-28-Maschinen der Rhein-Neckar Air Platz.
Rhin Neckar Air/Juergen Kendzior
30 bis 31 Passagieren bieten die Do-28-Maschinen der Rhein-Neckar Air Platz.

Rhein-Neckar Air ist die einzig noch verbliebene deutsche Regionalfluggesellschaft. Mit einem Konzept, das auf Qualität und Service statt auf Billigtickets setzt, will sich die Mannheimer Airline behaupten.

Ansgar Gerken deutet auf einen der Sitze in der ersten Reihe. „Hier hat früher Helmut Kohl gesessen“, sagt er: „Er ging als Letzter an Bord und nahm hier dann Platz.“ Der ehemalige Bundeskanzler buchte sich regelmäßig auf die Dornier Do-328: für den Weg zwischen seinem Wohnsitz Ludwigshafen und dem Regierungsbüro in Berlin.

Eigentümerin dieser und vier weiterer Maschine desselben Typs ist die Münchner Charterfluggesellschaft MHS Aviation. Im Einsatz sind die Turboprops allerdings seit gut drei Jahren für Rhein-Neckar Air (RNA): Die 2013 nach der Insolvenz von Cirrus gegründete Airline ist die letzte noch existierende Regionalfluggesellschaft in Deutschland. Ansgar Gerken steht seit einem Jahr an der Spitze von RNA, eine Aufgabe, die er sich mit dem Mannheimer Flughafenchef Dirk Eggert teilt.

Linienflüge nach Sylt

Mit den Do-328, die jeweils 30 bis 31 Passagieren Platz bieten, startet RNA von Mannheim aus jeweils zweimal werktäglich nach Hamburg und Berlin, neuerdings an manchen Tagen auch häufiger. Hinzugekommen ist im vergangenen Jahr die Route nach Sylt, die jetzt auch ab Nürnberg geflogen wird. „Auf den Hamburg- und Berlin-Strecken haben wir fast ausschließlich Dienstreisende an Bord“, sagt Gerken: „Mit dem touristischen Ziel Sylt erweitern wir unser Geschäftsmodell. Und für diesen Sommer laufen die Vorbuchungen bereits sehr gut.“ Das müssen sie auch, denn Gerken hat ein großes Ziel: „2017 wollen wir Gewinn machen.“ Für die Luftfahrt ist das keine Selbstverständlichkeit – und schon gar nicht für eine kleine Regional-Airline, wie sie RNA darstellt.

Dabei verfolgen die Mannheimer eine Philosophie, die so gar nicht zu der derzeit herrschenden Billig-Ideologie der Branche passt. Im Gegenteil. „Wir wollen Fliegen wieder zu dem machen, was es einmal war“, sagt er. Statt sich in einem Tarife-Urwald samt immer neuer Zusatzgebühren zu verirren und in enge Sitzreihen gequetscht zu werden, setzt RNA auf Qualität und Service. Das Motto der Airline lautet denn auch: „Fliegen wie privat“.

Der persönliche Kontakt zwischen Passagieren und Mitarbeitern am Boden und an Bord ist Gerken ebenso wichtig wie die Tatsache, dass alle klassischen Leistungen vom eingecheckten Koffer bis zum Imbiss im Flieger im Preis enthalten sind. Kooperiert wird mit lokalen Zulieferern. So liefert eine Mannheimer Bäckerei Brot und Brötchen, das Bier stammt aus einer kleinen Brauerei der Umgebung, der Wein aus einem Betrieb im pfälzischen Edesheim, und den Kaffee produziert eine Privat-Rösterei aus Ludwigshafen.

Beratung direkt vor Ort

„All das können wir natürlich nicht zu Billigtarifen anbieten“, sagt Gerken, „aber das wollen wir auch gar nicht. Unsere Passagiere sind bereit, für ein angenehmes Flugerlebnis etwas mehr zu bezahlen.“ Neben Geschäftsreisenden gehören dazu viele Manager, aber auch ältere Menschen, „die sich den Stress von Umsteigeflügen nicht antun wollen und die das finanziell auch nicht nötig haben“.

Immer wieder kommen Fälle vor wie jener einer 85-Jährigen, „die sich bei uns am Schalter beraten ließ, direkt ihr Ticket kaufte, dieses in Bar bezahlte und wenige Wochen später flog“, erzählt Gerken. Und zum persönlichen Ambiente gehört auch der kurze Plausch mit den sehr höflichen und entspannten Mitarbeitern am Sicherheits-Check.

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Ins Leben gerufen wurde RNA auf Initiative von Unternehmen der Rhein-Neckar-Region. Konzernen wie SAP, Bauhaus, Südzucker oder Heidelberg Cement fehlte nach dem Ende von Cirrus die schnelle Route nach Berlin und Hamburg – der Umweg über Frankfurt stellte sich als zeitraubend und ineffektiv heraus.

Mit einem Förderverein sorgten sie für die Anschubfinanzierung von RNA. Flugzeuge und Kabinenpersonal stellt MHS Aviation, unter deren Flug-Code RNA auch verkehrt. Ihren Firmenkunden gewährt die Airline Vorteile wie flexibles Umbuchen und Freitickets ab einem bestimmten Volumen. Die Tarife teilen sich in Basic, Classic und Flex und starten bei knapp 100, 225 und 350 Euro.

Als weitere Einnahmequelle dient RNA das Chartergeschäft. Zu den Prominenten, die in den Dornier-Maschinen Platz nehmen, zählte nicht nur einst Helmut Kohl. Dauergäste sind auch die Bundesliga-Fußballer der TSG Hoffenheim und die Eishockeyspieler des EHC München. Gerken: „Für solche Teams haben unsere Flieger genau die passende Größe.“

City-Airport Mannheim

Der 1926 gegründete City Airport Mannheim liegt zentral: Ab der Innenstadt benötigt die Straßenbahn nur wenige Minuten. Die Wirtschaftsstärke der Region lässt sich an der Zahl der hier fest stationierten Firmenjets ablesen: Mit 17 Maschinen stehen in Mannheim so viele wie auf kaum einem anderen deutschen Airport.

Namen wie SAP, Bauhaus, Südzucker, Duscholux oder Heidelberg Cement sind allgegenwärtig. Mit den Linienflügen von RNA hofft Flugplatz-Chef Dirk Eggert, auch für den Flugplatz die schwarze Null zu erreichen – was nur wenige Regional-Airports schaffen.

Insgesamt zählt Mannheim um die 45.000 Starts und Landungen pro Jahr. Dass sich RNA auch künftig keine große Airline vor die Nase setzen kann, die Geschäft wittert, dafür sorgt die kurze Rollbahn: Sie reicht zwar für die kleinen Dornier-Maschinen, nicht aber für Airbus, Boeing & Co.

Dennoch hätte sich RNA-Chef Gerken gefreut, wenn die Airport-Gründer bei der Namenswahl auch an ein Mannheimer Nachbarstädtchen gedacht hätten: „Mannheim/Heidelberg wäre gut gewesen“, sagt er und lächelt. „Das ist bei Asiaten und Amerikanern populär.“

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