Nachhaltiges Kerosin

Wie Air France-KLM mit SAF klimafreundlich werden will

Abta-Präsident Roman Neumeister, Georg Nader (BTU/AX), Philipp Schauer (Columbus) und Hannes Schwarz (Mondial).
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Abta-Präsident Roman Neumeister, Georg Nader (BTU/AX), Philipp Schauer (Columbus) und Hannes Schwarz (Mondial).

Größtes Problem sei, dass es SAF bislang nur in verschwindend geringen Mengen gebe, so Österreichs Air France-KLM Chef Guido Hackl. Bei der Abta-Jahrestagung in Wien wurde zudem über die Zukunft der Geschäftsreise diskutiert.

Flugzeuge werden auch in 30 Jahren noch Treibhausgase erzeugen. "Das ist eine Tatsache. Wir können nicht Zero werden, aber wir können versuchen, es besser zu machen. Ein Weg dorthin ist der vermehrte Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF)", sagte Air France-KLM Manager Guido Hackl in seinem Vortrag bei der Abta-Jahrestagung 2022 in Wien.

Es gehe dabei nicht um Greenwashing, sondern um eine realistische Strategie. 2019 hätten die Flugzeuge der Gruppe, verglichen mit 2005, pro Passagier 30 Prozent weniger CO2 ausgestoßen, so Hackl. Bis 2050 soll der Ausstoß um 50 Prozent sinken. 

SAF erlaube bei den CO2-Emissionen eine Einsparung von bis zu 75 Prozent. Zum Unterschied zu fossilen Treibstoffen sei SAF Teil eines "Kreislauf-Prozesses". Das Problem dabei: SAF kostet zwei- bis dreimal soviel wie herkömmlicher Treibstoff. "Und: SAF gibt es noch gar nicht – zumindest nicht in größeren Mengen."

Bislang nur 0,1 Prozent SAF

Von 300 Mio. Tonnen Treibstoff im kommerziellen Weltluftverkehr betrage der Anteil von SAF derzeit gerade mal 0,1 Prozent. In den Niederlanden errichtet Air France-KLM derzeit ein Werk zur Herstellung des nachhaltigen Kerosins. Dieses soll von 2023 an rund 100.000 Tonnen produzieren, wovon KLM 80 Prozent erhalte. Dann werde acht Prozent des Kerosin-Verbrauchs der Gruppe durch SAF gestillt, so Hackl.

Nun habe man "großes Interesse" daran, Partner bei der Entwicklung zu finden. "Wir möchten nachhaltigkeitsorientierte österreichische Firmen für eine Zusammenarbeit gewinnen. Je mehr wir sind, desto mehr Druck können wir ausüben", sagte der Referent. Vorerst werde es hauptsächlich gemischte Anwendungen geben. In Österreich wurde bisher noch kein Vertrag abgeschlossen.

Moderne Flotte soll helfen

Zudem setze er auf Flottenmodernisierung. Diese solle zu einer Reduktion des Kerosin-Einsatzes um 25 Prozent führen. Ohne neue Flugzeuge sei eine Kerosin-Einsparung aber nicht zu machen. Als dritten Punkt nannte Hackl weitere Dinge wie den Verzicht auf Zeitungen an Bord. "Wenn man alles optimiert, kann man bei den betrieblichen Maßnahmen bis zu 18 Prozent einsparen."

Die zweitägige Jahrestagung der Austrian Business Travel Association (Abta) in Wien war die erste größere Veranstaltung unter der Ägide des im März als Nachfolger von Andreas Gruber gewählten Präsidenten Roman Neumeister. Der neue Präsident war es auch, der die nachfolgende Veranstaltung moderierte. Bei dieser stellten sich Hannes Schwarz (Mondial), Philipp Schauer (FCM Columbus) und Georg Nader (BTU/AX) dem Thema "Business Travel – zurück in die Zukunft".

"Alles online geht nicht"

"Online lässt sich nicht alles abbilden. Es braucht einfach Menschen. Gutes Personal, das wir ausbilden müssen", warnte Schwarz vor einem Irrglauben an Digitalisierung. Nur so werde es möglich sein, den nächsten Jahren entspannt entgegenzusehen.

Nach dem Flugchaos sei zu hoffen, " möglichst bald wieder in eine planbare Realität zurückkehren zu können", sagte Nader. Eine Frage müsse sich die Branche allerdings stellen: Können wir den Mehraufwand ökonomisieren? Funktioniert unser Geschäftsmodell überhaupt noch?

Die Tatsache, dass es für den Kunden immer mehr Möglichkeiten gibt, zu buchen, sei aus Kundensicht natürlich positiv, meinte Nader. "Aber ist es auch technisch umsetzbar? Kunden, aber auch unsere Leute, sind oft überfordert. Wenn die Agenten vor ihren Bildschirmen sitzen, müssen sie in der Lage sein, die Aufgaben auch technisch umsetzen zu können", war man sich einig.

"Billiger wird's nicht werden", meinte Hannes Schwarz zur Frage der Kosten, dem nächsten Thema. Doch sei er nicht dafür, die gestiegenen Kosten eins zu eins weiterzugeben, sagte Nader. Es erhebt sich dann die Frage, wer auf der Strecke bleiben werde.

Beratungsaufwand steigt

Philipp Schauer machte darauf aufmerksam, dass der Kostenanteil der Branche an den Gesamtkosten einer Reise immer geringer werde. "Unser Beratungsaufwand wird höher. Man kann nicht alles online machen. Es geht nur über kompetente Beratung." Man reise weniger und nutze mehr technische Möglichkeiten.

Interne Firmenflüge würden weniger werden, aber manche Kundenkreise seien weiter auf Flüge angewiesen. "Die Wertschätzung für die persönliche Präsenz bleibt. Deshalb werden wir 2025 wieder das Niveau von 2019 erreichen", gab Georg Nader abschließend eine zuversichtliche Prognose ab.

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