Meine Woche | KW 51

Wie wir sterbende Citys noch retten können

Buchhändler gehörten zu den ersten, die die Konkurrenz durch die Internet-Konzerne spürten.
Kintaiyo, wikimedia.org
Buchhändler gehörten zu den ersten, die die Konkurrenz durch die Internet-Konzerne spürten.

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 14. Dezember 2020

Erst kürzlich fiel es mir wieder auf, als ich durch ein Städtchen am Niederrhein spazierte: In den Einkaufsstraßen stehen reihenweise Läden leer, die Atmosphäre ist unwirtlich – und das nicht erst seit Corona. Zwar dürfte das Virus die Entwicklung hin zum sterbenden Einzelhandel und zur Öde in den Innenstädten beschleunigen – denn als großer Sieger aus der Pandemie geht ein einschlägiger US-Internet-Konzern hervor.

Begonnen allerdings hat das Dilemma schon vor vielen Jahren. Weil es bequem ist, schnell mal zu Hause zu klicken, boomen Amazon & Co. und gehen der deutsche Mittelstand und die Innenstädte – einst Zentren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens – vor die Hunde. Gut gemeinte Aufforderungen der Politik, auch die deutschen Einzelhändler müssten ihre Waren verstärkt im Internet anbieten, "tolle Einkaufserlebnisse" schaffen oder sich "neu erfinden", wirken bemüht. Denn kein noch so einfallsreicher Laden wird es jemals schaffen, den milliardenschweren US-Konzernen Konkurren zu machen.

"Weihnachten ohne Amazon"

Tatsache ist: Die Politik macht es sich zu einfach, wenn sie den Schwarzen Peter dem Handel zuschiebt. Sie muss selbst handeln – und sie könnte es auch, wenn sie wollte. Die Internet-Giganten sind auch deshalb so erfolgreich, weil sie sich Ladenmieten sparen, weil sie ihre Mitarbeiter mit billigen Logistikerlöhnen abspeisen und weil sie dank ihrer Marktmacht die Hersteller auf Niedrigstpreise drücken. Und vor allem – und das ist eigentlich unglaublich –, weil sie in Deutschland keine Steuern zahlen und damit am Ende uns allen massiv schaden.

Und dass zu den größten Opfern von Amazon & Co auch die Umwelt zählt, wird oft vergessen: Millionen gefahrene Kilometer (samt immensem CO2-Ausstoß) der unterbezahlten Austräger, ebenso viele Millionen Tonnen Verpackungsmüll und massenweise zurückgeschickte und vernichtete Kleidung – die Klimaschutz-Bilanz des Online-Handels ist katastrophal.

Internet-Handel besteuern

Wie es gehen könnte, das zeigen derzeit die Franzosen: Bürgerinnen und Bürger aller politischen Richtungen haben sich zur Aktion "Weihnachten ohne Amazon" verbündet, und sie fordern, dass die Konzerne endlich gerecht besteuert werden. Das wäre zumindest ein Anfang: Wenn für jede Online-Bestellung ein Steuersatz von 15 oder 20 Prozent auf die eingekauften Waren fällig würde, dann würden sich vermutlich viel mehr Menschen überlegen, ob ihnen die Bequemlichkeit dies wert wäre.

In der Corona-Krise sind viele Appelle zu hören, lieber vor Ort einzukaufen (oder im Lockdown zumindest auf den Internetseiten der örtlichen Händler). Aus purem Idealismus wird dies aber immer nur eine kleine Minderheit befolgen. Wirkliche Änderungen sind nur durch politische Rahmenvorgaben zu erreichen – egal ob beim Klimaschutz, bei den Anti-Corona-Maßnahmen oder eben beim Schutz des Einzelhandels und damit unserer Innenstädte.

Mein Weihnachtswunsch wäre, dass in diese Debatte endlich Bewegung kommt!

Sonntag, 13. Dezember 2020

Friseur oder nicht Friseur? Zugegeben: Ich habe drüber nachgedacht. Denn natürlich sind die Haare wieder kräftig gewachsen, und natürlich habe ich das Vorhaben, sie doch mal wieder kürzen zu lassen, in den vergangenen Wochen stets vor mir hergeschoben.

Also noch vor dem Lockdown gehen? Nein. Erstens ist es mit meiner - naja - Frisur noch nicht ganz so schlimm, wie es im 1. Lockdown im Frühjahr der Fall war. Und zweitens hatte mein engster Bezugskreis, also die Kernfamilie, damals schon die Gelegenheit, sich an den neuen VolaHila-Trend zu gewöhnen, vorne lang und hinten lang. Erschrecken muss sich da keiner mehr.

Jetzt hat's auch noch bis zum Januar Zeit. Oder Februar. Schauen wir.




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