Meine Woche | KW 49

Warum uns Dolly Parton vor Corona rettet

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Dienstag, 1. Dezember 2020

Wie und vor allem unter welchen Bedingungen werden wir künftig reisen? PCR-Tests, Antigen-Schnelltests, Quarantäne-Pflichten oder Einreiseverbote: Um diese Faktoren rankten sich die Diskussionen bislang. Mit der Wahrscheinlichkeit, dass wir uns schon bald gegen Corona werden impfen lassen können, steigt auch die Chance, dass sich die Debatte nun in eine ganze andere Richtung verschiebt.

Nämlich: Ohne Impfpass geht nichts mehr. Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass Länder und Fluggesellschaften in Zukunft nur noch solche Gäste akzeptieren, die nachweisen können, dass sie gegen das Virus geimpft sind.

Als erstes hat die finnische Ministerpräsidentin nun einen entsprechenden Vorschlag eingebracht. Sie denke darüber nach, schrieb sie kürzlich, für Einreisen nach Finnland zunächst einen sogenannten Immunitätsausweis zur Pflicht zu machen, also einen Nachweis darüber, dass man Corona bereits hinter sich hatte (wobei es auch schon Fälle gab, in denen die Krankheit ein zweites Mal ausgebrochen ist). Für den Sommer 2021, wenn bereits ein großer Teil der Bevölkerung geimpft sein könnte, muss beim Check-in oder an der Grenze dann der Impfpass vorgezeigt werden.

Auch die australische Fluggesellschaft Qantas will diese Regel einführen – mindestens für internationale Flüge. Zu verstehen sind sowohl Finnland als auch Australien: Beide Staaten liegen bei der Bekämpfung des Corona-Virus derzeit ganz vorn. Die Zahl der Infektionen ist sehr niedrig, und weder Finnland noch Australien haben Interesse daran, sich die Krankheit durch infizierte Reisende ins Land zu holen.

Ich denke aber: Sie werden nicht die einzigen bleiben, die den Impfpass zur Pflicht bei der Einreise machen. Genau wie in den vergangenen Wochen und Monaten bei den Tests werden viele weitere Staaten und Fluggesellschaften folgen, auch wenn sie dies heute noch von sich weisen. Schon wer heutzutage in bestimmte Länder reist, kommt ohne Impfungen nicht aus – etwa gegen Malaria oder Gelbfieber. Alles deutet darauf hin, dass dies in Zukunft auch für Corona gelten wird – und dann vermutlich für (fast) alle Länder.

Montag, 30. November 2020

Wir werden in Zukunft wohl ohne Donald Trump leben müssen. Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass im Januar tatsächlich Joe Biden ins Amt des amerikanischen Präsidenten rücken wird.

Ein kleiner Trost bleibt: Auch US-Tourismuswerber sind zu Aussagen in der Tradition der Trump'schen Twitter-Orgien fähig. So teilte uns dieser Tage die Tourismusbehörde von Tennessee mit, wer wirklich hinter dem neuen Impfstoff gegen Corona steckt. Nein, es ist nicht das deutsche Unternehmen Biontech (wie sollen Deutsche zu so etwas fähig sein?).

Sondern: Es ist Dolly Parton. In der Person der US-Country-Ikone, so heißt es in einer Pressemitteilung, "kommen die drei Stränge (Forschung, Musik und Tourismus) zusammen". Ohne Frage: Klasse, dass Dolly für Modena gespendet hat. Aber zu behaupten, hinter dem US-Impfstoff stecke "die geballte Kreativität Tennessees" ist vielleicht – naja – ein wenig gewagt.
2 Kommentare Kommentieren

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1.
Wolfgang Streitbörger
Erstellt 2. Dezember 2020 09:59 | Permanent-Link

Lieber Herr Graue, dass Biontech als deutsche Firma einen Impfstoff entwickelt hat, finden auch wir als das Verkehrsbüro des Staates Tennessee absolut großartig. Und zum Glück gibt es nicht nur "den Impfstoff", wie Sie schreiben, sondern mehrere. Alles, was uns bald wieder reisen und überhaupt die Pandemie überwinden lässt, hilft! In unserer Meldung geht es nicht um Biontech oder darum, ob deutsch oder amerikanisch, oder beides, sondern um den Impfstoff von Moderna (nicht Modena, das ist eine schöne Stadt in Italien), den man schon unterscheiden sollte von demjenigen, den Biontech mit dem Pfizer-Konzern auf den Markt bringt. Dolly Parton hat auch nicht etwa an Moderna gespendet (wer spendet schon an einen Pharmakonzern???), sondern - bereits im April - an Forscher der Universitätsklinik der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, die damit Anschubfinanzierung, für ihre höchst kreative Entwicklung des Impfstoffs erhielten. Und dass Dolly Parton das Geld, das sie gespendet hat, mit ihren Leistungen u. a. in Musik, Film und ihrem Themenpark Dollywood verdient hat, darf doch wohl auch als kreativ gelten, oder? Ich denke also, dass wir schon stolz sein dürfen auf Dolly Parton und die Forscher aus Nashville. Steht auch alles in unserer Meldung, die Sie bekommen haben: www.tennesseetourism.de/pressetexte/dollypartonimpfstoff.pdf. Nix für ungut, aber mit Twitter-Orgien hat das alles nun wirklich rein gar nichts zu tun. Lassen Sie uns doch freuen darüber, dass es mit den Impfstoffen jetzt vorangeht! Beste Grüße, Ihr Wolfgang Streitbörger

Oliver Graue Moderator
Erstellt 2. Dezember 2020 11:31 | Permanent-Link

@Wolfgang Streitbörger: Hallo Herr Streitbörger, besten Dank für Ihre Zeilen! Dass es mit dem Impfstoffen nun so schnell vorangeht und dass mit Moderna (sorry für den Schreibfehler) ein amerikanisches Unternehmen ganz vorn dabei ist, darüber freue ich mich selbstverständlich! Der Text ist mit einem kräftigen Augenzwinkern zu verstehen und soll keineswegs eine Kritik an Dolly Parton sein - das schreibt Ihnen ein USA- und Country-Fan!

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