Meine Woche | KW 45

Maske, Quarantäne und puh, der BER!

Gibt's schon seit 2006: das WC-Papier "Corona" aus dem italienischen Kampanien.
fvw/O. Graue
Gibt's schon seit 2006: das WC-Papier "Corona" aus dem italienischen Kampanien.

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Dienstag, 3. November 2020

Auch wenn die Reise- und Event-Branche erneut extrem hart getroffen ist: Insgesamt gesehen fällt der Lockdown diesmal nicht ganz so heftig aus wie beim ersten Mal. Die Geschäfte bleiben geöffnet, der Schul- und Kita-Betrieb geht weiter, und selbst das Haareschneiden ist weiterhin möglich (das Modell Volahila hat sich wohl nicht durchgesetzt, "Vorne lang, hinten lang").

Hauptgrund dürfte sein, dass anders als noch im Frühjahr inzwischen kein Mangel an Masken mehr besteht. Und damit uns selbst das Klopapier in der zweiten Welle nicht ausgeht, hat man die Importe kräftig aufgestockt: Im heimischen Bad findet sich neuerdings WC-Papier aus der Ukraine, und als ich dieser Tage an einem Supermarkt vorbeiging, erblickte ich schon durchs Schaufenster eine italienische Marke, die ich vorher nicht kannte – nämlich "Corona". Und dabei handelt es sich keineswegs um geschicktes Marketing, sondern um ein bereits seit 2006 existierendes Produkt.

Ansonsten: Alles beim Alten. Um genau zu sein: beim Ur-Alten. Denn das Trio "Lockdown, Maske, Quarantäne" war schon bei früheren Seuchen das Rezept der Wahl. Bei der Spanischen Grippe vor 100 Jahren etwa rieten die amerikanischen Behörden dringend zum Abstandhalten und dazu, "Masken zu tragen, die Mund wie Nase bedecken" (was einige ÖPNV-Nutzer leider bis heute nicht verstehen).

Und Quarantäne wandten bereits die Venezianer vor 700 Jahren an: Schiffsbesatzungen aus dem östlichen Mittelmeer mussten, bevor sie an Land durften, zunächst für 40 Tage an Bord in "Quarantena". Und um es noch weiter zu treiben: Auch die Antoninische Pest – vermutlich Pocken – versuchten die Römer in den Jahren seit 165 nach Christus mit Isolierung zu bekämpfen und mit riesigen, aus dem Boden gestampften Krankenlagern. All dies konnte nicht verhindern, dass mehr als zehn Prozent der Römer die Pandemie nicht überlebten.

Wir sind auf dem Mond gelandet, wir bauen selbstfahrende Autos und entwickeln technische Superhirne, die millionenmal schneller und genauer "denken" als wir. Und dennoch haben sich manche Lösungen seit Jahrhunderten nicht geändert. Dazu gehören Lockdown, Maske und Quarantäne.

Montag, 2. November 2020

Wo werden Menschen wohl zuerst landen?, fragte mich vor knapp zwei Jahren ein guter Freund: auf dem Mars – oder auf dem BER? Die Antwort wurde nun gegeben, der BER hat gesiegt. Die Zeit der Witze sei vorbei, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Und ganz ehrlich: Trotz allem bis heute unverständlichen Chaos rund um den BER, das die Eröffnung um sage und schreibe 8 Jahre verzögert und die Kosten glatt verzehnfacht hat – ich freue mich, dass es nun endlich soweit ist! Und dass diesmal niemand zwei Tage vorher gesagt hat, dass sich das Ganze doch nochmal verzögert.

Dass der neue Flughafen weiterhin auf Steuergelder angewiesen sein wird – nicht schön, aber angesichts von Corona auch keine Überraschung. Was wäre die Alternative? KEIN Flughafen für die deutsche Hauptstadt?

Nein, im Gegensatz zu Frankfurt oder München ist Berlin kein Drehkreuz für Geschäftsreisen. Daran ändert auch der BER nichts. Dennoch ist er ein Meilenstein in der deutschen Luftfahrtgeschichte. Und ich freue mich schon jetzt auf meine erste Landung dort – vermutlich irgendwann im kommenden Jahr. Konkrete Pläne für einen Mars-Abstecher habe ich eh nicht.
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