International SOS warnt

Nach Corona droht eine noch größere Krise

Als Folge der Pandemie befürchten Sicherheitsexperten soziale Unruhen – etwa in südamerikanischen Staaten.
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Als Folge der Pandemie befürchten Sicherheitsexperten soziale Unruhen – etwa in südamerikanischen Staaten.

Die Pandemie werde in vielen Teilen der Welt zu sozialen Unruhen und wachsender Kriminalität aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit führen. Damit wüchsen 2021 die Risiken für Geschäftsreisende weiter.

Die Risiken für Mitarbeiter auf Geschäftsreisen waren in diesem Jahr so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr – und werden im kommenden Jahr voraussichtlich weiter steigen. Dies prognostiziert der Sicherheits- und Medizindienstleister International SOS (Isos). Grund hierfür sei nicht allein die Corona-Pandemie selbst. Vielmehr seien dies die gesellschaftspolitischen Folgen der Viruskrise.

"Zu einer noch größeren Krise als Covid-19 selbst wird sich das entwickeln, was danach kommt", sagt Stefan Eßer, Ärztlicher Direktor Mitteleuropa von Isos, bei der Vorstellung des Risiko-Ausblicks 2021. "In vielen Ländern sind soziale Unruhen und eine wachsende Kriminalität zu befürchten, die aufgrund von Arbeitslosigkeit und Armut entstehen." Damit drohten auch die Gefahren auf Geschäftsreisen zuzunehmen.

Die Ergebnisse einer Umfrage, die unter mehr als 1400 Sicherheitsfachleuten in 95 Ländern vorgenommen wurde, zeigten außerdem ein sinkendes Vertrauen in lokale Regierungen und Gesundheitsbehörden. Dies gelte vor allem für Länder in Nord- und Südamerika, deren Regierungen es nicht geschafft haben, die Corona-Krise zu managen. 

Die Aussage, dass die Risiken 2021 weiter steigen würden, wurde vor allem mit Blick auf lokale Mitarbeiter am Unternehmensstandort, auf Entsendete sowie auf Mitarbeiter auf abgelegenen Projektstandorten und Baustellen getroffen. Bei den Geschäftsreisenden war der Wert zwar ebenfalls hoch, allerdings nicht auf einem Rekordhoch. Bereits 2016 sagten 72 Prozent der befragten Fachleute, dass das Risiko für Reisende aufgrund von Terroranschlägen sehr hoch sei.

"Die Covid-19-Pandemie hat eine dreifache Krise ausgelöst: der öffentlichen Gesundheit, der Geopolitik und der Wirtschaft", sagt Eßer. "Alle drei treffen die Belegschaften und das Geschäft auf globaler Ebene." Verschärfend auf die Pandemie wirke die "Infodemie" in einer zunehmend komplexeren Welt. Gerade über Social Media verbreiteten sich etliche Falschaussagen, die zusätzlich Ängste schürten und Panik verbreiteten.

Andere Ängste rücken in Hintergrund

Dies habe Folgen bis ins Travel Management von Unternehmen. So berichtet Eßer von Firmen, die in "Normal"-Zeiten ihre Mitarbeiter in absolute Risikogebiete schickten, damit aus Angst vor Corona nun aber zögerten. Dies sei "grotesk", da die Gefahr, durch einene Unfall oder einen Überfall verletzt oder gar getötet zu werden, in solchen Gebieten nach wie vor weitaus höher sei, als an Corona zu erkranken oder zu sterben.

So blieben auch mit Blick auf 2021 beispielsweise in Afrika die Malaria- und Gelbfieber-Risiken und in Indien oder Nigeria, die Gefahr durch einen Verkehrsunfall zu sterben, die größten. Zudem hätten die Terroranschläge in diesem Jahr gezeigt, dass auch die Gefahr des islamistischen Extremismus weltweit real bleibe. Bei der Befragung rückten diese Themen jedoch zugunsten von Covid-19 in den Hintergrund.

Dennoch werde vor allem die Pandemie dazu führen, dass Unternehmen verstärkt an ihren Fürsorgepflichten arbeiteten. "So, wie der 11. September 2001 den Blick der Arbeitgeber auf Sicherheitsfragen gewandelt hat, so wird die Pandemie nachhaltig verändern, wie Arbeitgeber die Gesundheitsgefahren für die Belegschaft betrachten", sagt Martin Bauer, Regional Security Manager bei Isos.
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