ATG in der Ukraine

Wie ein Reisebüro den Krieg erlebt

Proteste gegen Russland bei der Friedensdemo zum Rosenmontag in Köln.
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Proteste gegen Russland bei der Friedensdemo zum Rosenmontag in Köln.

Der russische Einmarsch in der Ukraine hat die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Der Geschäftsreisen-Anbieter ATG, der selbst in der Ukraine vertreten ist, unterstützt seine Kunden, aber auch die breite Bevökerung.

Anna Petrova, die Gründerin und Eigentümerin der BTL Group in der Ukraine, schloss sich 2019 dem ATG-Netzwerk an. Sechs Monate danach begann die Corona-Krise, die den Reiseverkehr weltweit einschränkte. Und als sich zu Beginn des Jahres 2022 die Situation etwas entspannte, kam der Krieg.

"In der Reisebranche sind wir immer mit Herausforderungen konfrontiert, aber die russische Invasion schuf eine Situation, mit der wir nie zuvor konfrontiert waren", sagt Petrova. "Plötzlich herrschte allgemeine Panik, und unsere Kunden und andere in der Ukraine ansässige Unternehmen baten uns um Hilfe bei der Flucht aus dem Land."

Ständig heulen die Sirenen


Nur die Hälfte des BTL-Teams sei vor Ort geblieben, und trotz der schwierigen Umstände – ständig heulten die Sirenen – und der Gefahr durch Schüsse und Bombenexplosionen habe man weitergearbeitet. "Dies geschah oft aus Kellerräumen und von jedem anderen Ort aus, an dem wir einen Laptop aufstellen und eine Internetverbindung herstellen konnten."

In den ersten Tagen des Krieges kümmerten sich Petrova und ihr Team um die Logistik für die Kunden und organisierten, da Flüge gestrichen wurden, Reisen mit Bus und Bahn. Doch schon bald wurde klar, dass auch Nicht-Kunden Hilfe brauchten – "Menschen, die Angst hatten und nicht wussten, wem sie vertrauen konnten".

Suche nach Flucht-Routen

Für viele von ihnen sei die Reise zu Fuß die einzige Möglichkeit gewesen. "An den Grenzübergängen zu den Nachbarländern bildeten sich jedoch lange Schlangen, und manchmal dauerte es 24 Stunden, bis man durchkam." ATG in der Ukraine habe wichtige Informationen geliefert und – wenn möglich – den Transport gesichert. Die Reiseberater suchten die am wenigsten befahrenen Routen aus dem Land heraus und stellten Kontakt zu Organisationen her, die Vertriebene unterstützen.

"Ich habe mich mit Kollegen in der Slowakei, Polen, Ungarn und Deutschland in Verbindung gesetzt, um sie über die Situation zu informieren und zu besprechen, wie wir helfen können", erzählt Alin Patru, Business Development Manager bei ATG Rumänien/Moldau, der das ATG-Team in der Ukraine unterstützte. "Wir begannen damit, Mitarbeitern und Familien unserer ATG-Geschäftskunden bei der Umsiedlung zu helfen, aber schon bald wurden wir zu einer wichtigen Quelle für Iformationen für andere Geschäftsreisebüros, die ebenfalls verlässliche Informationen für die Lage vor Ort benötigten."

Soziale Medien als Vorteil

Die sozialen Medien hätten sich dabei als enormer Vorteil erwiesen. "Wir sammelten Informationen über die schnellsten Fluchtrouten sowie über Länder und Organisationen, die Gesundheitsdienste, Hilfe für ältere Menschen und Kinderbetreuung anbieten." Da der Krieg in der Ukraine unvermindert andauert, gebe es für ATG keine Rückkehr zur Normalität.

"Die Transportkosten sind in die Höhe geschnellt, und manchmal ist es unmöglich, Fahrer zu finden, die Menschen aus dem Land heraus- oder wieder hineinfahren", sagt Petrova. Viele Unternehmen hätten ihre Geschäfte in der Ukraine notgedrungen geschlossen und seien in andere Länder verlagert worden. Da einige dieser Unternehmen jedoch wichtig seien für die Reisebranche, ergäben sich weitere Hindernisse für den "normalen Geschäftsbetrieb".

Dennoch setzen sich Petrova und ihr Team weiterhin jeden Tag an ihre Laptops, um bei Ein- und Ausreisen zu helfen. "Ich bin sehr beeindruckt und äußerst stolz auf die hervorragende Arbeit, die unsere ATG-Mitglieder unter schwierigsten Umständen geleistet haben und weiterhin leisten", sagte Tammy Krings, Vorstandsvorsitzende von ATG. "Wir beten, wie die ganze Welt, dass der Krieg bald ein Ende findet."

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